Markteintritt der Großversorger
Energiekonzerne greifen nach Alternativen

Dank hoher Kapitalkraft und gestärkt durch staatliche Mindestpreisgarantien drängen etablierte Unternehmen auf den Markt für erneuerbare Energien. „Wir wollen an den staatlich geschaffenen Windfall-Profits teilhaben“, sagt ein Spitzenmanager. RWE, Eon & Co. rüsten zum Angriff.

DÜSSELDORF. Das Geschäft mit Windkraft, Biogas, Biosprit und Solaranlagen boomt. Der Einsatz von Biomasse im Großmaßstab gilt als nächster Renner. Gleichzeitig wachsen die national noch isolierten Märkte der regenerativen Versorgungsquellen zusammen. Grenzüberschreitend agierende Konzerne wollen deshalb Integrationsvorteile erschließen.

Die Marktführer können auf Basis hier zu Lande erworbener Fertigkeiten unter staatlichem Schutzschild – Mindestpreisgarantien gespeist durch eine Umlage auf alle deutschen Stromverbraucher – nun Auslandsmärkte erobern: in Südeuropa durch verstärkte Installation von Solaranlagen, vor den Küsten Europas durch Offshore-Windkraftstrom und in der gesamten EU durch den Bau zentraler Biogasanlagen oder von Biospritraffinerien. Wenn der Anteil der erneuerbaren Energien in Europa auf 30 Prozent und mehr steigen solle, werde man nicht daran vorbeikommen, die optimalen Sonnen- oder Windstandorte zu nutzen und das Stromnetz auf diese Herausforderung umzustellen, sagte der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, auf einer Solar-Konferenz in Berlin.

Die Branche der erneuerbaren Energien erlebt durch die aktuelle Klimadiskussion einen neuen dynamischen Aufschwung. Nach der EU-Ratsentscheidung Anfang März stehen die Ampeln für regenerative Versorgungsquellen auf Grün. Staatliche Privilegien sind garantiert, etablierte Energieunternehmen wollen daran teilhaben. „Wir würden uns unökonomisch verhalten, wenn wir an diesen staatlich geschaffenen Windfall-Profits nicht teilhaben wollten“, sagt ein Spitzenmanager der Branche.

Eon-Chef Wulf Bernotat teilte Ende Mai mit, sein Unternehmen treibe die Integration nationaler Märkte voran, damit ein wirksamer Energiebinnenmarkt zwischen Schwarzem Meer und Atlantik entstehe. Drei Mrd. Euro will Deutschlands Energiekonzern Nummer eins bis 2010 für erneuerbare Energien ausgeben. Dieser eher vorsichtige Einstieg sei richtig, da erst einmal Erfahrungen gesammelt werden müssten, sagt der Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst (EID), Heino Elfert. Der Aufbau der längerfristig besonders attraktiven Offshore-Windkraftparks werde erst in der nächsten Dekade auf breiter Basis erfolgen. Dann könnte Eon bei der Installation dieser kapitalintensiven Stromerzeugungsanlagen immer noch rechtzeitig im Großmaßstab einsteigen.

Auch RWE weitet sein Engagement im Geschäft mit regenerativen Versorgungsquellen kräftig aus. 700 Mill. Euro will das Unternehmen bis 2011 investieren. Der Ausbau der Erneuerbaren sei ein wichtiger Baustein innerhalb des firmeneigenen zwei Milliarden Euro schweren Klimaschutzprogramms, teilt RWE Power mit. Der Fokus liege auf Technologien, die bereits wettbewerbsfähig seien oder ein realistisches Potenzial dazu böten. Laut RWE sind das neben der Windenergie vor allem Biomasse und Wasserkraft in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Portugal, Frankreich und Polen.

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