Marktlücke bei Offshore und Geothermie
Die Versicherer ziehen vorsichtig nach

Noch existiert eine Marktlücke bei Versicherungsangeboten für Offshore-Windräder und Geothermie. Einfach ist die Kalkulation für die Versicherungen nämlich nicht: Bei neuen Technologien gibt es noch keine Erfahrungen, die eine genaue Risikoeinschätzung gestatten.

BERLIN. Damit Unternehmen und Verbraucher in Technik für erneuerbare Energien investieren, brauchen sie nicht nur Finanzierungsmöglichkeiten, sondern auch Versicherungen. Für die meisten Versicherer ist das aber Neuland. In den Markt sind bislang nur einzelne Versicherer kompetent eingestiegen, urteilt Carlo Jäger vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Die Branche zeigt sich bei der umwelt- und klimaorientierten Produktentwicklung im Sachversicherungsgeschäft wenig innovativ“, kritisiert Analyst Dietrich Wild von Oekom Research.

Das Angebot an Versicherungen ist unübersichtlich. Immerhin gibt es mehr und mehr Sach- und Gebäudeversicherungen, die Solaranlagen oder Wärmepumpen einschließen. Bei Wohngebäuden versichern die Gothaer und die Versicherungskammer Bayern Photovoltaik- und Solaranlagen sowie Wärmepumpen ohne Mehrbeitrag mit. Bei der Rheinischen Provinzial ist seit April zusätzlich der Ertragsausfall mitversichert, der bei Beschädigungen von Solaranlagen entsteht. Bei der Gothaer muss man dafür eine Elektronikversicherung abschließen.

Während Erstversicherer für Photovoltaik-, Landwind-, Biogas- und Biomasseanlagen recht ausgereifte Produkte offerieren, stecken sie bei der Geothermie noch in der Erkundungsphase. Die Münchener Rück dagegen brachte bereits 2004 eine Versicherung für das Fündigkeitsrisiko bei der Bohrung einer Geothermieanlage auf den Markt. Sie deckt den wirtschaftlichen Schaden, falls kein Thermalwasser gefunden wird. Zurzeit führt die Münchner Rück Gespräche mit Erstversicherern, Maklern und Behörden, damit ihr Wissen breitere Anwendung findet – auch bei der Produktentwicklung.

Einfach ist die Kalkulation für die Versicherungen nämlich nicht. „Für jede neue Technik liegen zunächst kaum Erfahrungswerte vor, so dass die Risikoeinschätzung für den Versicherer in dieser Phase schwierig ist“, sagt Kirsten Becker von der Allianz. Dies zeige sich aktuell bei den Windenergieanlagen vor den Küsten. „Als Versicherer haben wir vielfältige Erkenntnisse zu Anlagen auf dem Land, die jedoch nur bedingt auf Offshore-Anlagen anwendbar sind.“ Darum gibt es für solche Windparks hierzulande noch kein Produkt der Erstversicherer, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Anders als bei Windkraft zu Land, bei der Deutschland weltweit führt, besteht im Offshore-Bereich ohnehin Nachholbedarf gegenüber Dänemark, Schweden, Großbritannien und Irland: Diese Länder haben laut GDV rund 700 Megawatt in Offshore-Windparks installiert und Erfahrungen mit über 300 Anlagen und entsprechenden Versicherungen gesammelt. Eine erste deutsche Pilotanlage in der Ostsee steht seit Frühjahr 2006 beim Rostocker Überseehafen.

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