Marktlücke
Versicherungen betreten Neuland

Damit Unternehmen und Verbraucher Geld in die Hand nehmen, um Erneuerbare Energietechniken (EE) zu installieren, bedürfen sie nicht nur attraktiver Finanzierungsmöglichkeiten, sondern auch zuverlässiger Versicherungen. Für die meisten Versicherer ist das noch Neuland.

Nur einzelne Versicherer steigen kompetent ein, urteilt Prof. Carlo Jäger vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Wenig innovativ zeigt sich die Branche bei der umwelt- und klimaorientierten Produktentwicklung im Sachversicherungsgeschäft“, kritisiert Analyst Dietrich Wild von der Ratingagentur Oekom Research.

Versicherbarkeit spielt für Großanlagen, betriebliche Kleinanlagen und auch Eigenheimbesitzer eine Rolle. Das Angebot auf dem Markt ist jedoch unübersichtlich – bei Gothaer, HDI und R&V heißt es online nur: ‚Keine Treffer für Erneuerbare Energien’. Es mehren sich aber Sach- und Gebäudeversicherungen, die Solaranlagen oder Wärmepumpen mitversichern. Bei Wohngebäuden versichern die Gothaer und die Versicherungskammer Bayern Photovoltaikanlage, Solaranlage und Wärmepumpe ohne Mehrbeitrag mit. Bei der Rheinischen Provinzial ist seit April zusätzlich der Ertragsausfall bei Beschädigungen von Solaranlagen automatisch mitversichert, bei der Gothaer muss man dafür eine Elektronikversicherung abschließen, wie auf Anfrage zu erfahren ist.

Einfach ist das Geschäft aber nicht. Jede Technik unterliegt sehr unterschiedlichen Risiken, die von ihr selbst, der Einsatzart und der Umgebung herrühren. „Für jede neue Technik liegen zunächst kaum Erfahrungswerte zu Risiken vor, so dass die Risikoeinschätzung für den Versicherer in dieser Phase schwierig ist“, erläutert Kirsten Becker von der Allianz. Dies zeigt sich aktuell in der Diskussion um Windenergieanlagen vor den Küsten. „Als Technischer Versicherer haben wir vielfältige Erkenntnisse zu Anlagen auf dem Land, die jedoch nur bedingt auf Offshore anwendbar sind.“

Darum beobachten die deutschen Erstversicherer erst einmal die Situation – noch gibt es hierzulande kein Produkt, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Anders als bei Windkraft zu Land, bei der Deutschland weltweit führt, besteht im Offshorebereich großer Aufholbedarf gegenüber Dänemark, Schweden, Großbritannien und Irland: Diese Länder haben laut GDV rund 700 Megawatt (MW) in Offshore-Windparks installiert und praktische Erfahrungen mit über 300 Anlagen und entsprechenden Versicherungen gesammelt. Eine erste deutsche Pilotanlage in der Ostsee realisierte Nordex im Frühjahr 2006 beim Rostocker Überseehafen (2,5 MW). Im Mai ging eine Forschungsplattform vor Rügen in Betrieb. Bei anderen Projekten kam es zu Verzögerungen.

„Das Risiko von Offshore-Anlagen ist aber tragbar und versicherbar“, betont Katrin Rüter vom GDV, der kürzlich versicherungstechnische Hinweise dazu herausgegeben hat. „Sollte in Deutschland ein großer Windenergiepark auf See entstehen, würde wahrscheinlich eine Gruppe technischer Versicherer das Risiko gemeinsam tragen“, sagt Rüter. Einige bei Windkraft führende Versicherer erwägen derzeiet unabhängig vom GDV, dafür eine "Zeichnungs-Plattform" zu installieren, heißt es bei den Basler Versicherungen. „Sollten Offshore Windkraftanlagen kommerziell werden, werden wir uns mit diesem Thema intensiver beschäftigen“, sagt Becker von der Allianz.

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