Martiene Le Lu
Kervellerin verwertet Austernschalen

Die Natur bringt ungenutzte, erneuerbare Schätze hervor, beispielsweise Austernschalen, die ein kleines Unternehmen nunmehr in Farbbestandteile und Fasern für 3­D­Drucker umwandelt.

Düsseldorf„Man zieht die Natur, die uns selbst in Abfällen noch wahre Schätze bietet, nicht ausreichend in Betracht“, sagt Martine Le Lu. Die Apothekerin ist sehr umweltbewusst und hat 1999 das kleine Unternehmen Kervellerin übernommen, das ihr Vater in der Gemeinde Cléguer, nahe Lorient, gegründet hatte. Die Chefin hat die komfortable Position als leitende Angestellte in einem Pharma­Unternehmen aufgegeben, um sich in dieses Abenteuer zu wagen.

Sie hat ihre gesamten Ersparnisse mit einem Ziel investiert, nämlich Innovationen auf Grundlage erneuerbarer natürlicher Produkte zu schaffen. In dieser Haltung hat sie sich an die Verwertung von Austernschalen gemacht, nach drei Jahren Forschung und Entwicklung. „Im Departement Morbihan, wo sich meine Fabrik befindet“, sagt Martine Le Lu, „gibt es unzählige Austernzüchter. Regelmäßig verlieren sie bei ihrer Zucht Austern, die

nicht heranreifen. Bis vor Kurzem wurden diese weggeworfen. Seither nehme ich sie gegen Zahlung an und mache mich daran, sie zu verwerten.“

Jedes Jahr verarbeitet sie 4.000 Tonnen. Sie werden in einer Maschine einzeln gewaschen, gereinigt, gesiebt, erhitzt und zerquetscht – der Aufbau der eigens durch die Firma entwickelten Maschine bleibt geheim –, um ein Pulver zu erhalten, das in Säcke abgepackt wird. Dieses Pulver besteht hauptsächlich aus Calciumcarbonat, aber auch aus Kiefernharz und Sojaöl und wird von Farbenherstellern verwendet. Die Fahrbahnmarkierungen auf

Straßen und Autobahnen in Weiß und Gelb haben Austernschalen als Grundlage. Diese Art von Farbe ist teurer als konventionelle Produkte, jedoch ist die Lebensdauer sehr viel länger.

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    Martine Le Lu verfügt zwar über ausreichende wissenschaftliche Kompetenzen, um Innovationen zu entwickeln, jedoch hat sie nicht die Mittel, um allein zu arbeiten. Sie hat sich daher an wissenschaftliche Labors gewandt, hauptsächlich an die der Universität der Südbretagne in Lorient, die sie in einem neuen Sektor, dem der „3D­Drucker“, begleiten. Das Austernschalenpulver wird nämlich bei der Herstellung der Fasern für 3D­Drucker, mit

    denen Objekte gedruckt werden können, verwendet. „Andere Anwendungen werden noch geprüft“, deutet die Chefin an, die zum Thema nichts Weiteres sagen will.

    In der Fabrik im Morbihan mit einer Größe von 3.000 Quadratmetern überdachter Fläche arbeitet ein kleines Team von acht Mitarbeitern. Martine Le Lu tanzt jeden Tag quasi auf zwei Hochzeiten, um all die Aktivitäten ihrer Firma zu überwachen. Neben den Produkten auf Grundlage von Austernschalen verkauft sie Kalkalgen, die in Island eingekauft werden und für die natürliche Filterung nach der Wasseraufbereitung in kommunalen Klärwerken genutzt werden. Jedes Jahr werden 20.000 Tonnen getrockneter Kalkalgen verarbeitet. Kervellerin hat sich gleichermaßen auf natürliche Dünger für landwirtschaftliche Böden spezialisiert. Die Produktpaletten basieren auf Nebenprodukten der Zuckerindustrie und auf Traubentrester. „Bei meiner Arbeit ist der rote Faden, die chemischen landwirtschaftlichen Betriebsmittel weitestgehend einzuschränken. Wir sollten uns wirklich umsehen, die Natur bietet zahlreiche Materialien, die ohne Umweltzerstörung genutzt werden können“, sagt Martine Le Lu.

    Das Unternehmen verzeichnet einen jährlichen Umsatz von 5 Millionen Euro, wobei 30 Prozent davon durch Geschäfte mit dem Ausland, hauptsächlich weiteren europäischen Ländern, erwirtschaftet werden.

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