Meeresforschung

Hawaiis Korallenriffe auf dem Prüfstand

Korallen locken jährlich Tausende Taucher an. Doch die prächtigen Organismen sind empfindlich. Forscher wollen vor Hawaii herausfinden, warum einige Arten stärker unter der gefährlichen Korallenbleiche leiden als andere.
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Mit moderner Bildtechnik versuchen die Forscher, den Zustand der Korallenriffe möglichst exakt zu erfassen. Quelle: ap
Bestandsaufnahme unter Wasser

Mit moderner Bildtechnik versuchen die Forscher, den Zustand der Korallenriffe möglichst exakt zu erfassen.

(Foto: ap)

HonoluluVor der üppig-grünen Steilküste von Oahu gehen Wissenschaftler auf Tauchstation. Mit hochauflösenden Kameras fotografieren Mitarbeiter des Teams XL Catlin Seaview Survey die farbenfrohen Korallenriffe vor der Insel des US-Staats Hawaii. Die 360-Grad-Panorama-Aufnahmen sollen zeigen, wie das Wetterphänomen El Niño und andere Veränderungen den Korallen zusetzen.

Sorgen bereitet den Forschern vor allem die sogenannte Korallenbleiche, mit der die Nesseltiere auf eine Erwärmung des Wassers reagieren. Vor Hawaii haben die Experten dieses Phänomen zuletzt im vergangenen Jahr beobachtet. Ein Vergleich mit Aufnahmen von vor zwei Jahren soll nun zeigen, wie sich die Riffe weiter entwickelt haben.

Normalerweise leben Korallen in Symbiose mit speziellen Algen, die ihnen auch ihre schönen Farben geben. Die Algen produzieren energiereichen Zucker, von dem sich die Korallen ernähren. Wenn das Meerwasser jedoch wärmer wird, stellen die Algen statt Zucker Giftstoffe her, die die Korallen nicht vertragen. Sie stoßen die Algen aus und verlieren ihre Farbe.

Wenn Korallen um Hilfe rufen
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Steinkorallen der artenreichen Gattung Acropora bilden das typische Geflecht von Korallenriffen. Doch die Nesseltiere müssen sich diesen Lebensraum mit einem gefährlichen Gegner teilen.

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Giftige Haaralgen drohen die Korallen zu überwachsen, was diese abtötet und im Extremfall das ganze Riff zerstören kann. Um sich dieser Gefahr zu erwehren, haben die Korallen eine clevere Strategie entwickelt: Sie rufen um Hilfe.

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Wie Danielle L. Dixson (Bild) und Marc E. Hay vom Georgia Institute of Technology ermittelten, senden attackierte Korallen einen chemischen Hilferuf aus, um Fische als Hilfstruppen zu rekrutieren.

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Die im Wasser löslichen Stoffe werden innerhalb von Minuten nach der ersten Kontaktaufnahme mit der giftigen Alge ausgestoßen und locken Blaupunkt-Korallengrundeln herbei.

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Die Fische befreien die Koralle von ihrem toxischen Angreifer, indem sie die Algen von den befallenen Teilen abfressen.

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Im Gegenzug profitieren die Fische vom Gift der verzehrten Meerestiere: Die Aufnahme der toxischen Bestandsstoffe führt dazu, dass die Wirkung des leicht giftigen Schleims, den die Tiere gegen Fressfeinde produzieren können, verstärkt wird.

Ohne die Algen können Korallen aber nicht lange überleben. Wenn die Temperaturen nicht nach spätestens acht Wochen wieder zurückgehen, sterben sie ab.

Aber selbst wenn die Wassertemperatur rechtzeitig wieder ins Lot kommt, brauchen die Korallen lange, um sich von dem Wärmestress zu erholen. Vor Hawaii hatten sie noch nicht genug Zeit dafür. Doch jetzt droht El Niño, bei dem sich das Wasser des Pazifiks erwärmt.

Noch gefährlicher für die Korallen könnte ein weiteres Phänomen sein, dass die Forscher den „Klecks“ genannt haben. Dabei bewegt sich ein Gebiet mit warmem Wasser von der US-Westküste in den Pazifik hinein.

„Leider wird die Extra-Erwärmung ab jetzt ziemlich schädlich sein und darum wird die Sterberate der Korallen steigen“, sagt der Chef der Forschergruppe, Ove Hoegh-Guldberg von der australischen Universität Queensland. Sein Team versucht zu verstehen, weshalb bestimmte Korallenarten anfälliger für die Bleiche sind als andere. Die Wissenschaftler hoffen zudem, Organismen zu finden, die sich an wärmeres Wasser anpassen und daher gesund bleiben.

Neugierige können die Arbeit im Internet verfolgen
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