Mehr Emissionen
Deutschland erleidet 2010 Rückschlag bei der Klimabilanz

Der Wirtschaftsboom trübt die deutsche Klimabilanz. Der energiebedingte Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid stieg nach ersten Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen im laufenden Jahr um knapp vier Prozent.
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HB BERLIN. Zu der tristen Bilanz beigetragen habe das Winterwetter zu Beginn und zu Ende des Jahres, sagte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, Hans-Joachim Ziesing, der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

"Mit der Kombination von guter Konjunktur und großer Kälte hatten wir zwei Faktoren, die den Ausstoß nach oben gejubelt haben", sagte Ziesing, der sich seit Jahren mit der Berechnung der deutschen Klimagase beschäftigt. So sei es in diesem Jahr um etwa 15 Prozent kälter gewesen als 2009. Damit stieg der Heizwärme-Bedarf. Insgesamt wurden in Deutschland 2010 nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft gut vier Prozent mehr Primärenergie verbraucht als 2009.

Trotz des jüngsten Anstiegs lägen die Emissionen aber immer noch unter dem Wert von 2008 - dem Jahr vor der Krise, sagte Ziesing. Denn die Rezession sorgte 2009 für eine Verringerung der energiebedingten CO-2-Emissionen um etwa sieben Prozent. "Wir hatten eine dramatische Delle", sagte Ziesing.

Trotz der Trendumkehr sieht der Berliner Wissenschaftler die internationalen Klimaverpflichtungen der Bundesrepublik nicht in Gefahr. "Das muss keine Gefährdung des Kyoto-Ziels bedeuten", sagte er. Deutschland hat seine Zusagen nach dem Kyoto-Protokoll in den vergangenen Jahren übererfüllt. Ende 2009 lagen die Emissionen der sechs erfassten Treibhausgase nach offiziellen Angaben um 25 Prozent unter dem Wert von 1990. Zugesagt hat Deutschland ein Minus von 21 Prozent im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012.

Die Schätzung der energiebedingten CO2-Emissionen ist nur ein erster Anhaltspunkt für die Kyoto-Ziele. Umfassendere Daten zu allen Klimagasen sind erst im Frühjahr zu erwarten. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wurde 1971 von Verbänden der Energiewirtschaft und wissenschaftlichen Instituten gegründet, um Energiestatistiken auszuwerten und zu bilanzieren.

Positiv auf die Klimabilanz wirkt sich nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft die Entwicklung der erneuerbaren Energien aus. So erhöhte sich deren Anteil am Primärenergieverbrauch im laufenden Jahr von 9,1 auf 9,4 Prozent. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft stieg nach Angaben zufolge um zwei Prozent, die Photovoltaik sogar um 80 Prozent. Biogas und Biokraftstoffe können um 15 Prozent beziehungsweise knapp vier Prozent zulegen. Lediglich der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung sank um drei Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht den langfristigen Trend zur Energieeinsparung durch die Zahlen bestätigt, räumte aber ein: "Gleichwohl können wir beim Thema Energieeffizienz noch besser werden." Das "Rauf und Runter" beim Energieverbrauch in den vergangenen drei Jahren zeige deutlich, dass es keine starren Verbrauchsziele geben dürfe. "Denn wir wollen ja nicht, dass unsere Industrie ihre Produktion drosseln muss, nur weil wir einen strengen Winter haben", sagte der Minister.

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  • Der Einfluss der Sonnenprotuperanzen (SP) ist um den Faktor 100 grösser als die zur Zeit herrschenden CO2-Einflüsse ! (auf der Sonne herrscht eine Oberfächentemperatur von durchschnittlich 5500 °C; im inneren der Sonne herrschen 20-Millionen °C; treten Eruptionen auf, herrschen örtlich sehr grosse Temperatur- Schwankungen ! Die beeinflussen die Abstrahlung auf die Erde mit dem Faktor T hoch 4 .).

    Energie- Gesamtkonzept für die bRD

    Autokunden kaufen seit Jahrzehnten Öko-Autos mit Niedrigstverbräuchen in großen Stückzahlen: Mercedes A-Klasse, VW Fox und Golf, Opel Corsa, Ford Fiesta, bMW Mini, Smart ForTwo, Audi A3 und weitere. Diese Autos haben alle bei der verfügbaren Ökomotorisierung unter 5l Verbrauch im NEFZ-Zyklus (entspricht 120g CO2).

    Wenn diese sparsamen Autos allerdings im Stau stehen, emittieren sie fast doppelt so viel CO2 (statt 120g etwa 200g CO2). Der Verkehr hat sich seit 20 Jahren in der bRD nahezu verdoppelt, das Strassennetz ist jedoch kaum gewachsen und wir erleben täglich landesweite Stausituationen. Sollte dann nicht zuerst der aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen entstandene Dringlichkeitsplan für den Ausbau des Fernstrassennetzes in der bRD umgesetzt werden, damit der Verkehr wieder fliesst?
    Elektroautos mit ihrem in der Gesamtenergie- Wandlungs- und Übertragungs-Kette begründeten schlechteren Gesamtwirkungsgrad (ca. 20% bis max. 35% im Vergleich zum Otto- und Dieselmotor mit ca. 45% bis 48%) sollten nur in emissionssensiblen Citybereichen zulässig sein.

    An der Gesamt- CO2- Emission weltweit haben KFZ einen Anteil von weniger als 15% (laut bMU). Der Anteil der CO2-Emission bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken mit fossilen Kraftstoffen beträgt mehr als das Dreifache (laut bMU). Sollten wir dann nicht schnellstmöglich auch in der bRD wieder zur CO2- freien Kernenergie, in der wir mal Technologieführer in Leistung und Sicherheit waren, als Zieltechnologie zurückkehren?

    Die schnellstmögliche Rückkehr zur Kernenergie in der bRD ist allein schon aus Wettbewerbsgründen notwendig, da dies in allen führenden industrienationen (USA, Canada, Japan, Russland, China etc.) weltweit bereits geschieht. Der in Deutschland von der “Links-Grünen-Laien“-Politik eingeschlagene Weg der mittelfristigen Abschaltung unserer KKWs führt aus Gründen der stark eskalierenden Energiekosten in kurzer Zeit zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in der bRD bei der Herstellung aller energieintensiven industrieprodukte und Konsumgüter. Die Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland wären verheerend.

    Es führt kein Weg am raschen Ausbau neuer, mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestatteten KKWs vorbei. Die Lagerung verbrauchter Kernbrennstäbe in Castor- (cask for storage and transport of radioactive material) -behältern, die z. b. mit einem langfristig nutzbaren Tauschkonzept für strahlengeschädigte behälterwände ausgestattet sind, ist eine von mehreren sinnvollen Möglichkeiten. Auch ein weltweit betriebenes Endlagerprojekt, das über einen internationalen Gemeinschaftsfonds aller Nutzer finanziert werden könnte, ist hier zielführend. Dafür sollte sich die deutsche bundesregierung endlich einsetzen.

    Wäre es nicht noch ökologischer, die dann länger verfügbaren fossilen Kohlenstoffressourcen ausschliesslich für den mobilen Verkehr (KFZ, Flugzeuge und Schiffe) und für Produkte der Kohlenstoffchemie (Kunststoffe, Medikamente etc.) zu reservieren, da es hier keine brauchbaren Alternativen gibt, statt diese ökofeindlich bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken oder bei der Wärmeerzeugung in Heizanlagen zu verbrennen?

  • @M

    eine PV Anlage ohne Netzanschluss in Deutschland... wirklich beeindruckend diese Replik voll durchdachter ironischer Anspielungen und ich dachte PV inselsysteme das machen nur abgelegene Farmer in Entwicklungsländern...?

    Gestern hat Oerlikon angekündigt PV Dünnschicht-Produktionsanlagen zu installieren, die PV Module für 0,5 €/W produzieren. Das wäre eine weitere Preissenkung der Herstellungskosten unter existente 0,7 €/W und dann gehen die PV Stromerzeugungskosten auch weiter runter.

    Aber Oerlikons Erfolg ist noch lange nicht das Ende der Produktionstechnologieentwicklung. bis 2020 werden die Herstellungskosten weiter sinken.

    PV wird Massenprodukt, PV Strom wird konkurrenzlos günstig.

    Kernenergie hat keine Chance mehr gegen PV. Kernenergiebetreiber schleppen Altlasten mit sich herum und sind - wie E.On - eigentlich heute schon tote Unternehmen.

    Das ist die neue Realität!

  • Richtig es wird kälter in EU wenn es eine Erderwärmung gibt. Stimmt genau diese Prognose.

    Das Grundwasser wird weltweit ansteigen. Auch wenn die Absenkungen des Grundwassers in verschiedenen bereichen, beispielsweise Marrakesch m.E. überflüssig sind. Schaltet endlich diese Grassprengelanlagen aus, die Palmen und anderes vertrocknen lassen.

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