Mehr Wetterforschung an den Polen Klimaforscher rüsten auf

Klimaforscher aus aller Welt verbünden sich. Sie wollen das Wetter in den Polarregionen genauer erfassen und so die Auswirkungen des Klimawandels besser verstehen. Denn Arktis und Antarktis haben massive Probleme.
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Wissenschaftler bereiten den Start eines Wetterballons an der arktischen AWIPEV-Forschungsbasis auf Spitzbergen vor. Mehr Wetterballons und -bojen in der Arktis und Antarktis sollen den rapiden Klimawandel dokumentieren und die Wettervorhersage verbessern. Quelle: dpa
Ein Wetterballon wird vorbereitet

Wissenschaftler bereiten den Start eines Wetterballons an der arktischen AWIPEV-Forschungsbasis auf Spitzbergen vor. Mehr Wetterballons und -bojen in der Arktis und Antarktis sollen den rapiden Klimawandel dokumentieren und die Wettervorhersage verbessern.

(Foto: dpa)

GenfMehr Wetterballons und -bojen in der Arktis und Antarktis sollen den rapiden Klimawandel in den Polarregionen dokumentieren und die dortige Wettervorhersage verbessern. Unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven starten im Sommer mehr als 50 Institute und Wetterstationen aus über 20 Ländern ein zweijähriges Kooperationsprogramm, wie die Weltwetterorganisation (WMO) am Montag in Genf mitteilte.

Durch den Klimawandel steige die Temperatur in den Polarregionen doppelt so schnell wie anderswo, sagte Projektleiter Thomas Jung vom AWI. Mit der Geschwindigkeit der Umweltveränderungen seien die Grenzen der bisherigen wissenschaftlichen Kenntnisse erreicht.

Polarstation rutscht auf Skiern übers Eis
Umzug beendet
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Es ist vollbracht: Die britische Polarstation Halley VI hat nach einem wochenlangen Umzug endlich ihre neue Position auf dem antarktischen Brunt-Eisschelf erreicht, meldet der British Antarctic Survey (BAS). (Foto: BAS)

Auf Skiern übers Eis
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Die acht Einzelmodule mussten – erstmals in ihrer Geschichte – auf überdimensionierten Schiern über das Eis gezogen werden. (Foto: BAS)

Logistische Meisterleitung
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13 Wochen dauerte das Unterfangen, berichtet die BAS. Eine logistische Meisterleistung im Wettlauf gegen die Zeit, denn der Umzug musste abgeschlossen sein, bevor der antarktische Winter mit extremen Tiefsttemperaturen und Dauernacht einsetzt. (Foto: BAS)

Riss im Eis bedrohte die Station
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Nötig wurde der Umzug, weil sich landeinwärts von Halley VI ein riesiger Spalt im Schelfeis geöffnet hatte und wuchs. (Foto: BAS)

Forschungsstation umgezogen
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Der Spalt hätte den bisherigen Standort vom Rest des Schelfeises trennen können. Die Station befindet sich nun 23 Kilometer westlich des Spalts in Richtung Festland.

Seit 1956 in der Antarktis
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Seit 1956 werden auf der britischen Forschungsstation in der Antarktis Daten gesammelt, wobei die Stationsgebäude mehrfach modernisiert oder ausgetauscht wurden.

Ohne Verlegung droht der Sturz ins Meer
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Die neueste Version Halley VI wurde extra so gebaut, dass sie leicht verlegt werden kann, denn das Eis von Brunt schiebt sich jedes Jahr 400 Meter weiter seewärts. Ohne regelmäßige Verlagerung würde Halley irgendwann ins Meer stürzen.

Arktis und Antarktis haben massive Probleme: Die von Meereis bedeckten Flächen waren im Januar so klein wie nie zuvor in diesem Monat seit Beginn der Messungen 1979. In der Arktis lag die durchschnittliche Ausbreitung der Meereisdecke um rund 9 Prozent unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010, in der Antarktis sogar rund 23 Prozent.

Mit der Eisschmelze wachsen die Aktivitäten in den Polarregionen, sei es Tourismus, neue Schifffahrtsrouten oder die Ausbeutung der Rohstoffe. Das berge Risiken, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas: „Weniger Eis heißt nicht weniger Gefahr.“

Eine Ölpest wäre katastrophal

Eine Ölpest durch ein havariertes Schiff etwa wäre gerade in diesen Regionen eine besonders schlimme Katastrophe. „Akkurate Angaben über Wetter und Eis werden immer wichtiger, um die Sicherheit in den Polarregionen und darüber hinaus zu gewährleisten“, so Taalas.

Dass Wissenschaftler mit besseren Wettermodellen der Ausbeutung von bislang fast unzugänglichen Regionen Vorschub leisten, glaubt Jung nicht. „Wir sind der Meinung, dass wir damit nicht mehr Aktivitäten generieren.“ Vielmehr könnten die Risiken für diejenigen gemindert werden, die dort ohnehin inzwischen unterwegs seien.

Auch die dort ansässige Bevölkerung profitiere, weil sie sich nicht mehr auf über Generationen angesammelte Erfahrungswerte verlassen könne. „Wie fest und standfest ist das Eis? Das traditionelle Wissen haut da nicht mehr hin“, sagte Jung. Zudem habe etwa die Arktis auch Einfluss auf das Wettergeschehen in unseren Breiten.

  • dpa
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