Messtechnik
Sensoren warnen Kölner vor neuer Erschütterung

Christoph Rühl misst Gebäuden den Puls. Bundesweit hat das THW zwei Laser-Mess-Sicherungssysteme im Einsatz. Mit dem Tachymeter lassen sich kleinste Veränderungen an Gebäuden messen. Im Ernstfall kann ein Einsturz eines Gebäudes vorhergesagt und die Umgebung evakuiert werden.

KÖLN. Die Staubwolke über den Trümmern des Kölner Stadtarchivs hatte sich kaum gelegt, da maß Christoph Rühl schon den umlegenden Gebäuden den Puls. Der Zugführer des THW Remscheid war am Morgen nach dem Unglück eiligst nach Köln gereist, im Kofferraum vier Kisten mit Sensoren, einem Laptop und einem Tachymeter. Damit sollte das THW-Team zwei einsturzgefährdete Gebäude in der Severinstraße überwachen, weil sie die Bergungsarbeiten am Stadtarchiv gefährdeten.

Schon nach 20 Minuten war das so genannte Einsatz-Sicherungssystem startklar: Von einer Hebebühne aus befestigten die Helfer mit einem Spezialkleber kleine Vermessungsspiegel an den Häuserfassaden. Dann richteten sie das Tachymeter darauf aus - ein Lasermessgerät, das automatisch rund um die Uhr die einzelnen Messpunkte anpeilt und die Entfernung misst. Die Daten werden per Funkmodem auf einen Laptop übertragen. Das System registriert kleinste Bewegungen. Und es schlägt Alarm, wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird. "Dann bleibt Zeit, um das Umfeld zu evakuieren", sagt Christoph Rühl.

Bundesweit hat das THW zwei solcher Einsatz-Sicherungssysteme in Betrieb. Im Schnitt einmal pro Woche werden die Remscheider zu einem Einsatz gerufen, wenn Brände, Erdrutsche oder Hochwasser ein Gebäude in Schieflage gebracht haben. "In einem Fall konnten Kollegen einen Einsturz um 45 Minuten vorhersehen und die Rettungskräfte warnen", berichtet Rühl. Inzwischen wird die Hilfe der THW-Vermesser so sehr geschätzt, dass sie manchmal sogar ein Hubschrauber der Bundespolizei zum Einsatzort bringt.

In Köln hat das Technische Hilfswerk sein Tachymeter nach acht Tagen wieder eingepackt. Anfang April hat der TÜV Rheinland die Dauerüberwachung mehrerer Gebäude im Umkreis der U-Bahn-Baustelle übernommen, darunter St. Maria im Kapitol, die größte romanische Kirche der Stadt. Acht Risse klaffen seit kurzem in den Wänden der Basilika, neben der sich der U-Bahn-Tunnel schräg vorbeischlängelt - für die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) ein guter Grund, hier genauer hinzusehen.

Im Auftrag der KVB haben die TÜV-Experten spezielle Dehnungssensoren an den Rissen angebracht, die Verschiebungen im Mauerwerk auf den tausendstel Millimeter erkennen und ihre Messdaten per Kabel an einen kleinen Computer weiterleiten. Meldet einer der Sensoren eine Dehnung von mehr als einem halben Millimeter, dann schlägt das System Alarm: Per Handy erhalten die TÜV-Techniker eine Kurznachricht. "Wenn sich ein Zusammenbruch ankündigt, hätten wir noch einige Minuten Zeit, um Personen aus den Gebäuden herauszuholen", sagt TÜV-Bauingenieur Günther Jost.

Um auch Bewegungen im Erdreich messen zu können, haben die Messtechniker Erschütterungssensoren an einer nahe liegenden Sonderschule installiert, die 500 Mal pro Sekunde einen Messwert liefern. Die Messfühler sind höchst sensibel: "Wenn eine Maus in drei Metern Entfernung vorbeiläuft, registrieren das die Geräte", sagt Jost. Allerdings rechnet das System solche kleinen Erschütterungen heraus - man will schließlich keinen Fehlalarm .

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