Methan-Emissionen
Ein tierisches Problem

Geht es in öffentlichen Debatten um den Treibhauseffekt, so steht meist ein Gas am Pranger: Kohlendioxid (CO2). Eher unbeachtet bleibt Methan, das ebenfalls erheblich dem Klima schadet. Methan ist rund 25 Mal so klimaschädlich wie die gleiche Menge CO2 – ungefähr ein Fünftel des Treibhauseffekts geht auf sein Konto.

DÜSSELDORF. Methan entsteht etwa in der Landwirtschaft, Stichwort rülpsende Kühe. Es verursacht circa ein Fünftel des Treibhauseffekts. Damit steht es gleich hinter Kohlendioxid an zweiter Stelle der Klimakiller-Gase. Und während CO2 von Pflanzen wieder aufgenommen werden kann, bleibt das Methan lange in der Atmosphäre aktiv.

Es ist ein tierisches Problem: Mehr als ein Viertel aller Methan-Emissionen weltweit gehen auf das Konto von Wiederkäuern – vor allem Rinder, aber auch Schafe und Ziegen. Das Problem: Die Tiere rülpsen etwa alle 40 Sekunden und stoßen dabei Methangas aus. Tag für Tag kommen auf diese Weise rund 300 Liter zusammen, bei Schafen sind es etwa 25 Liter. „Die Beiträge der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt sind ähnlich groß wie die des gesamten Autoverkehrs“, sagt der frühere Präsident des Wuppertal Instituts, Ernst Ulrich von Weizsäcker. Das Gas entsteht im Pansen der Tiere: Hier leben Mikroorganismen (Protozoen), die zellulosereiche Futterstoffe wie Gras und Stroh aufschließen und damit verdaubar machen. Als Abfallprodukt entsteht dabei Wasserstoff, der von Bakterien aufgenommen und zu Methan verarbeitet wird. Weil das Tier damit nichts anfangen kann, gibt es das Gas einfach an die Umgebung ab.

So eindrucksvoll die Methan-Mengen klingen – der absolute Beitrag der Kühe zur negativen Klimabilanz ist zumindest in Deutschland überschaubar: Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes trugen sie mit nur 1,82 Prozent zu den deutschen Emissionen im Jahr 2004 bei. Gleichwohl wollen Wissenschaftler die klimaschädlichen Abgase der Wiederkäuer verringern. Durch Impfungen von Rindern und Schafen wollen australische Forscher die Zahl der Mikroorganismen im Pansen verringern und damit den Methan-Ausstoß senken – denn die Gas bildenden Einzeller sind für die Verdauung unnötig. Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf bei Rostock fand heraus, dass Kälber, die ohne Protozoen im Pansen aufgewachsen waren, bis zu 30 Prozent weniger Methan ausstießen als Artgenossen, die die Mikroorganismen beherbergten.

Auch mit Futterzusätzen wollen Forscher Rind und Ziege klimafreundlicher machen. Durch die Beimengung von Fett oder Saponinen und Tanninen könne man den Methanausstoß um zehn bis 40 Prozent senken. Rückstände in Fleisch oder Milch sind nicht zu befürchten – zumal es um natürlich vorkommende Substanzen geht. So wäre die Methode den Verbrauchern leichter zu vermitteln als der Einsatz von Antibiotika oder gentechnisch veränderter Mikroorganismen im Pansen.

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