Methaneis: Hoffnungsträger vom Meeresgrund

Methaneis
Hoffnungsträger vom Meeresgrund

Seine Attraktivität verdankt Methan gleich mehreren Faktoren: Die zumeist in Küstennähe gelagerten Vorkommen sind größer als alle Kohle-, Gas- und Ölvorräte der Erde. Methan verbrennt sauberer als Öl oder Kohle - und in seinen Lagerstätten könnte man auch Kohlendioxid speichern. Eine Energiequelle der Zukunft.
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DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick erledigen die Wissenschaftler um den Bremer Meeresgeologen Gerhard Bohrmann einen richtigen Drecksjob. Sie stehen in Reih und Glied wie am Fließband und wühlen hektisch mit bloßen Händen im Schlamm. Der ist allerdings von besonderer Natur: Er stammt vom Meeresboden aus mehr als 1 500 Meter Tiefe, von wo ihn das Forschungsschiff Meteor an Bord holte. Wonach die Forscher wühlen, könnte der Energieträger der nahen Zukunft sein: Methanhydrat.

Es sieht aus wie schmutzige Eisklumpen und ist eine feste Verbindung aus Wasser und dem Kohlenwasserstoff Methan. Die Klumpen bleiben nur bei einem Druck von mehr als 50 Bar und Temperaturen von zwei bis vier Grad Celsius stabil. Andernfalls löst sich das Methan und entfleucht in die Luft - daher die Hektik auf der Meteor. Tatsächlich finden Bohrmann und seine Mitarbeiter Methaneis im Schlamm. Der Beweis: Zündet man die Klümpchen an, verbrennt das entweichende Erdgas.

Noch vor ein paar Jahren entfachte diese Beobachtung wenig Begeisterung bei der Energiewirtschaft. Doch seit klar ist, dass unsere Abhängigkeit von Öl und Erdgas immer problematischer wird, werden solche alternativen Energielieferanten attraktiv. Zuletzt befruchtete die Forschung allerdings vor allem die CO2-Diskussion: "Erstens verbrennt Methan sauberer als Öl oder Kohle", erklärt Bohrmann. "Und zweitens kann das geförderte Methanhydrat durch Kohlendioxidhydrat ausgetauscht werden, wodurch CO2 komplett unter dem Meeresboden verklappt würde."

Dieser Zusammenhang macht das Thema nun für die Wirtschaft endgültig interessant: "Wir würden zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen könnten wir einen wertvollen Brennstoff fördern, und zum anderen könnte das klimaschädliche CO2 sicher gespeichert werden", sagt Christian Bücker von RWE Dea. Dieses Unterfangen wollen deutsche Forscher unter der Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) nun mit dem Projekt "Sugar" ("Submarine Gashydrat-Lagerstätten: Erkundung, Abbau und Transport") angehen.

Schätzungen über die Größe der weltweiten Vorkommen von Methanhydrat variieren. Die Vorräte seien aber sicher ausreichend, um als Energielieferant interessant zu sein, versichert Bohrmann. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover geht von weltweit mindestens 100 ergiebigen Gashydrat-Lagerstätten aus, vor allem in küstennahen Regionen.

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