Mikroplastik im Meer Flohkrebse schreddern unseren Wohlstandsmüll

Kleine Krebse sorgen dafür, dass Plastikmüll im Meer in winzige Teilchen zerlegt wird. Wie effektiv die Tiere bei der Produktion der problematischen Mikroplastik-Stücke sind, haben Forscher jetzt herausgefunden.
Millionen Mikroplastik-Teilchen aus einer einzigen Tüte: Forscher haben die Rolle von Flohkrebsen bei der Zerkleinerung von Plastikmüll untersucht. Quelle: dpa
Plastikmüll im Meer

Millionen Mikroplastik-Teilchen aus einer einzigen Tüte: Forscher haben die Rolle von Flohkrebsen bei der Zerkleinerung von Plastikmüll untersucht.

(Foto: dpa)

BerlinPlastikmüll ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit: Riesige Mengen des kaum verrottenden Wohlstandsmülls schwimmen mittlerweile in unseren Gewässern, wo sie für Seevögel, Fische und andere im Wasser lebende Organismen zur Bedrohung werden. Und über Nahrung und Trinkwasser kann der Plastikmüll auch zum Menschen zurückkehren, wie etwa die Funde von Plastikfasern in Getränken deutlich gemacht haben.

Als besonders problematisch erweisen sich dabei Plastikteilchen, die so winzig sind, dass sie sich auch durch moderne Filtersysteme kaum aus dem Wasser entfernen lassen. Wie sich Plastiktüten und anderer Verpackungsmüll zu solch kleinen Partikeln zersetzen und welche Rolle Meeresorganismen dabei spielen, haben Forscher der Universität Plymouth jetzt untersucht.

Tödlicher Wohlstandsmüll in den Meeren
Plastikmüll im Meer
1 von 8

Plastik ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Doch längst belastet der Müll nicht mehr gebrauchter Plastikartikel wie Tüten, Geschirr, Besteck, Möbel, Folien die Umwelt – vor allem die Meere. Nach Schätzungen schwimmen in den Weltmeeren...

Plastikmüll verseucht Gewässer
2 von 8

...mehr als 140 Millionen Tonnen Plastik, und jedes Jahr werden es mehr. Zum „Welttag der Meere“ am 8. Juni ein paar Fakten zum Thema.

Wie gefährlich ist der Müll in den Meeren?
3 von 8

Für Meerestiere und Seevögel bedeutet Plastikmüll Lebensgefahr: Er vergiftet sie schleichend oder verstopft ihre Mägen, sodass sie verhungern. Geschätzt 100.000 Meerestiere verenden jährlich an Müllpartikeln. Auch in Speisefischen wie Kabeljau oder Thunfisch wurden bereits Plastikpartikel nachgewiesen.

Welche Gefahren drohen dem Menschen?
4 von 8

Plastikabfälle enthalten unter anderem chlorierte Kohlenwasserstoffe, Verhärter oder Weichmacher, sagt Katja Ziebarth, Meeresschutzreferentin des BUND Bremen. Der Müll ist also auch für den Menschen nicht harmlos. Winzige Plastikpartikel werden von Würmern, Muscheln, Krebsen aus dem Wasser gefiltert, die dann als Nahrung der Fische dienen. „Es ist davon auszugehen, dass Mikroplastik über die Nahrungskette auch wieder auf unseren Tellern landet“, so Schöttner.

Wird der Plastikmüll in den Meeren abgebaut?
5 von 8

Der Plastikmüll kann viele hundert wenn nicht tausend Jahre erhalten bleiben. Größere Plastikteile zersetzen sich zwar, bleiben aber in Form kleinster Teilchen, als sogenannter Mikroplastik, erhalten. Der größte Teil des Plastikmülls im Meer treibt als Mikroplastik unsichtbar im Wasser. Etwa 15 Prozent halten sich an der Oberfläche, nur 5 Prozent gelangen an die Strände. Selbst entlegene Meeresregionen sind von den Problem betroffen, wie dieses Bild belegt, das Meeresforscher des Alfred-Wegener-Instituts gemacht haben. Es zeigt Plastikmüll auf dem Meeresgrund in der Arktis.

Sind alle Länder gleichermaßen betroffen?
6 von 8

Es ist in der Tat ein weltweites Problem. Jährlich würden auf der ganzen Welt rund 300 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert, sagt Jörg-Olaf Wolff vom Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) in Wilhelmshaven. Daher sei es wichtig, bei der Bekämpfung des Mülls den Blick in alle Regionen der Erde zu werfen.

Was tut Deutschland, um das Problem in Griff zu bekommen?
7 von 8

Die Bundesregierung setzt sich auf internationaler Ebene für eine Bekämpfung des Müllproblems ein. 2015 verabschiedeten die sieben großen Industrienationen (G7) einen Aktionsplan, der als Vorbild für die G20 dienen soll, die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Weitere Maßnahmen...

Die Wissenschaftler um den Meeresbiologen Richard Thompson gaben größere Stücke Folie aus unterschiedlichen Plastikmaterialien in Behälter mit Kolonien von Flohkrebsen (Orchestia gammarellus). Die kaum zwei Zentimeter großen Tiere bevölkern die Küstengewässer Europas und Afrikas – und sie spielen offenbar eine wichtige Rolle bei der Zerkleinerung des Plastikmülls: Im Versuch machten sie sich mit Appetit über die großen Plastikstücke her – vor allem, wenn diese mit nahrhaften Algenteppichen überwuchert waren.

Das Endprodukt dieser Müllzerkleinerung fand sich im Kot der Krebse wieder: Mikroplastik-Teilchen von kaum einem halben Millimeter Größe. Bis zu acht solcher Partikel produzierte ein Krebs pro Tag – unabhängig davon, welcher Kunststoff ihm vorgesetzt wurde. Eine einzelne Plastiktüte, so die Berechnung der Forscher, kann so von den Tieren in bis zu 1,75 Millionen der besonders problematischen Kleinteile zerlegt werden.

„Pro Jahr werden geschätzt 120 Millionen Tonnen von Einweg-Plastikobjekten wie etwa Tüten produziert“, so Richard Thompson. „Sie stellen als solche schon eine Gefahr für marine Lebewesen dar, doch unsere Studie hat gezeigt, wie manche Arten für eine Verbreitung dieses Mülls sorgen. Plastikmüll im Meer wird damit zu einer potenziell noch größeren und dauerhafteren Umweltgefahr.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%