Müllverwertung
Benzin aus Abfall bleibt eine schöne Illusion

Sprit aus Hausmüll – technisch ist das möglich. Doch ohne Subventionen hat die Verwertung kaum Chancen. Einer der Gründe ist die deutsche Steuergesetzgebung: Sprit aus Müll muss voll versteuert werden. Auch die Versorgungssicherheit ist gering. Techniker basteln gleichwohl an entsprechenden Anlagen.

DÜSSELDORF. Lässt sich aus Hausmüll Sprit gewinnen? Attraktiv wäre das gleich doppelt: Zum einen würde damit ein Entsorgungsproblem gelöst, gleichzeitig aber auch ein Stück Mobilität gesichert. Aus technischer Sicht kein Problem, heißt es etwa bei der Firma Choren im sächsischen Freiberg.

Das Unternehmen sieht sich grundsätzlich in der Lage, auch aus Hausmüll Sprit zu gewinnen. Choren arbeitet derzeit an der Herstellung von so genanntem Designerkraftstoff aus Holz auf dem Weg der Vergasung und anschließenden Verflüssigung. Eine Anlage, die mit Hausabfällen statt mit Holz gefüttert wird, wäre im technischen Aufbau zu 90 Prozent gleich. Diese würde die heizwertreichen Fraktionen – vor allem Kunststoff und Holz – aus dem Müll abtrennen, dann chemisch aufbrechen, und schließlich auf dem Umweg über ein Synthesegas verflüssigen.

Es klingt so schön – und dennoch: Der Einsatz von Abfällen zur Spriterzeugung ist für mögliche Interessenten zumindest hierzulande eher unattraktiv. Einer der Gründe ist die deutsche Steuergesetzgebung. Während der Biosprit von Choren, der in die Sparte der BTL-Treibstoffe (Biomass to Liquid) fällt, in Deutschland nach dem Biokraftstoffquotengesetz als „besonders förderungswürdiger Biokraftstoff“ noch bis 2015 von der Mineralölsteuer befreit ist, muss Sprit aus Müll voll versteuert werden. Damit ist das Verfahren derzeit unwirtschaftlich – so unrentabel, wie auch der Holz-Treibstoff ohne die Steuerbefreiung wäre.

Ein anderes Problem des Müll-Sprits sieht die Biotreibstoffindustrie in der Versorgungssicherheit. Denn beim Einsatz von Abfällen würden die Treibstoffhersteller mit der Entsorgungswirtschaft um Rohstoffe konkurrieren – und in diesem Wettstreit wären sie kaum erfolgreich. „Wenn ein Unternehmen aus Hausabfällen Sprit gewinnen will, geht das nur, wenn es für die Verwertung des Mülls Geld bekommt“ sagt ein Branchenkenner, „doch dann kommt garantiert ein Entsorger, und nimmt den Müll billiger entgegen.“

Techniker basteln gleichwohl an entsprechenden Anlagen – in der Hoffnung, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Tages ändern werden. So hat die Universität Siegen zusammen mit den Deutschen Edelstahlwerken bereits eine Fünf-Megawatt-Anlage zur Erzeugung von Brenngas aus Müll gebaut, das als Erdgas-Ersatz genutzt wird. „Im nächsten Schritt soll eine 20-Megawatt-Anlage folgen, und im dritten Schritt ist dann eine Wasserstoff-Abtrennung mit Wasserstofftankstelle geplant“, sagt Ingenieur Daniel Hein von der Universität Siegen.

Ob solche Technik sich am Markt durchsetzen kann, ist unter dem Strich fraglich. Zumal jede Müllverbrennungsanlage, die derzeit in Deutschland gebaut wird, die Chancen für die Konvertierung von Müll zu Sprit weiter reduziert. Denn je höher die Überkapazitäten der Verbrennungsanlagen sind, umso geringer werden die Entsorgungsgebühren für den Hausmüll, und umso unattraktiver wird damit dessen stoffliche Verwertung.

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