Nachhaltigkeit
Falschen Versprechen auf der Spur

Mit einer Vielzahl neuer Indikatoren haben Analysten, Vermögensverwalter und Investoren nun Instrumente zur Hand, um die Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Die "Key Performance Indicators (KPIs)" sollen die Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufdecken - und Firmen zu mehr Glaubwürdigkeit zwingen.

BERLIN. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Wer als Firmen-Lenker in schönen Reden das Wohl der Mitarbeiter betont, intern aber unbezahlte Überstunden verlangt, kann sich künftig auf bohrende Fragen von Geldgebern gefasst machen. Gleiches gilt für Themen wie Umweltschutz und Sozialstandards. .

Der Berufsverband der Finanzanalysten veröffentlichte diese Leistungskriterien im März, um Unternehmensbewertungen zu vervollständigen. Die sogenannten "Key Performance Indicators (KPIs)" der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse & Asset Management (DVFA) sollen helfen, die Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzudecken. KPIs machen die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens messbar. Firmen, die darüber gut informieren, erhielten den "ESG-Award". ESG steht aus dem Englischen übersetzt für die drei Begriffe Umwelt, gesellschaftliche Verantwortung und gute Unternehmensführung.

Der Preis für die transparenteste Kommunikation ging in diesem Jahr an Henkel, auf Platz zwei folgt im Dax-Ranking die Deutsche Telekom. Beim TecDax-Ranking, der die 30 größten Technologieunternehmen erfasst, gewann Epcos, ein Hersteller elektronischer Bauelemente. Epcos bestach vor allem in den Punkten Umweltschutz und Zukunftsfähigkeit. Auf Platz zwei landete die Carl Zeiss aus Jena. Bei dem thüringischen Unternehmen fanden die DVFA-Experten allerdings einen Grund zur Beanstandung: Die Umweltdaten sind noch lückenhaft - ein generelles Problem, mit dem der DVFA bei der Preisverleihung zu kämpfen hatte. "Die Unternehmen müssen für zuverlässige Daten sorgen", fordert deshalb DVFA-Geschäftsführer Ralf Frank.

Die Geschäftsberichte der Betriebe müssten die wesentlichen KPIs enthalten, transparent und aktuell aufbereitet, sagt Frank. Die Finanzprofis folgen damit den Ansprüchen der "Enhanced Analystics Initiative", einem Zusammenschluss von 30 europäischen Investoren, die 2,1 Billionen Euro verwalten. Die Investoren vergeben mehr Aufträge an solche Broker, die Nachhaltigkeitskriterien bei der Aktienanalyse beachten.

30 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft haben die DVFA-Kriterien im vergangenen Jahr entwickelt und von 220 internationalen Finanzinstituten beurteilen lassen. Die Kriterien zu Umwelt, Sozialem und Governance sollen Firmen vergleichbar machen. Neben zwölf branchenübergreifenden gibt es auch 13 branchenspezifische Kriterien. Indikatoren sind etwa Umweltverträglichkeit, die Nutzung sauberer Energien, Gesundheit und Sicherheit von Produkten, Korruption oder die Fehlquoten von Mitarbeitern. Ebenfalls wird die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens untersucht, etwa die Kundentreue oder der Umsatzanteil neuer Produkte.

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