Nachhaltigkeit
Konzernchefs denken um

Großaktionäre bündeln ihre Macht und drängen Unternehmen dazu, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln.
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BerlinDas Anliegen überraschte. Im vergangenen Jahr erhielt Eckhard Cordes, Vorstandschef der Metro-Gruppe, einen Brief des mächtigen Norwegischen Pensionsfonds. Der forderte nicht etwa eine höhere Dividende, sondern ein Gespräch über Kinderarbeit und soziale Standards in der Lieferkette.

Und verwies darauf, dass er 3,5 Millionen Aktien hält. Sein Einfluss ist de facto größer, weil andere institutionelle Anleger oft seinen Entscheidungen folgen, wenn er Aktienpakete aus ethischen Gründen verkauft und das auch bekanntgibt. Rasch signalisierte Cordes Gesprächsbereitschaft. Und handelte.

Im September hat Cordes ein konzernübergreifendes Sustainability Board berufen, dem er selbst vorsitzt und das strategische Entscheidungen trifft. Die Ziele: Wettbewerbsnachteile verhindern, Reputation aufbauen und Börsenwerte sichern.

Nicht nur beim Handelskonzern findet ein Umdenken statt: Um Risiken zu senken und Potenziale verantwortlichen Wirtschaftens zu heben, wird Nachhaltigkeit bei einer wachsenden Zahl von Unternehmen zur Chefsache.

Das erfüllt auch Erwartungen von Investoren. Denn öko-soziale Aspekte der Wertschöpfungskette sind längst nicht mehr nur ein Thema spezialisierter Investmentfonds, sondern auch herkömmlicher Finanzprofis. "Wir sehen es als Pflicht von Unternehmen, über die entscheidenden, quantifizierbaren öko-sozialen Risiken, Chancen und Leistungen zu berichten", sagt Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Sie ließ Leistungsindikatoren (KPI) entwickeln, die die europäische Dachorganisation EFFAS im Jahr 2010 übernommen hat.

Anlagen, für die strenge Nachhaltigkeitskonzepte gelten, machen zehn Prozent des europäischen Kapitalmarkts aus, ermittelte die Branchenorganisation Eurosif. Das Segment ist damit keine Nische mehr.

Im Gegenteil: Rund um den Globus integrieren Großanleger zunehmend zentrale Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte, international kurz ESG genannt, in Analyseprozesse und Portfoliomanagement. Die meisten wollen als langfristige Anleger vernachlässigte Risiken aufdecken und verringern, nachdem viele börsennotierte Firmen infolge öko-sozialer Missstände Kursverluste erlebt haben.

Allein in Europa integrieren konventionelle Großanleger für verwaltete Vermögen in Höhe von 2,8 Billionen Euro ESG-Aspekte in Investmentprozesse, ergab eine Eurosif-Umfrage.

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