Nachhaltigkeit
Öko-Baustoff Stahl

Erst wenige Gebäude in Deutschland sind reine Stahlkonstruktionen. Nun will die Branche die Öko-Pluspunkte des Baustoffs besser kommunizieren. Experten bescheinigen dem Material eine hohe Umweltfreundlichkeit.
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ESSEN. Grelle Sonnenstrahlen nerven hier niemanden mehr: Thyssen-Krupp schirmt die Mitarbeiter in der neuen Konzernzentrale automatisch vor zu hellem Licht ab. Vor der Fassade sind 400 000 Lamellen aus dünnem Edelstahl angebracht, die sich automatisch dem Sonnenstand anpassen und bei Bedarf die Innenräume verdunkeln. Ist es bedeckt in Essen, gelangt das Tageslicht ins Gebäude. Der filigrane Stahlvorhang erhöht so nicht nur die Energieeffizienz – er gibt dem Gebäude auch ein ganz eigenes Äußeres.

Der Sonnenschutz verdeutlicht, wie vielseitig sich der harte Baustoff Stahl einsetzen lässt. Die neue Zentrale ist für den größten deutschen Stahlproduzenten eben auch ein Demonstrationsobjekt in eigener Sache: Architektonisch ein futuristischer Kubus aus Stahl und Glas, kann sich der 300 Mio. Euro teure Bau auch energetisch sehen lassen: Der Primärenergiebedarf unterschreite die gesetzlichen Vorgaben um 20 bis 30 Prozent, teilt Thyssen-Krupp mit.

Lob für die Recyclingfähigkeit

Ob Privathäuser oder Gewerbeimmobilien – beim Trend zur Nachhaltigkeit kommt den Baustoffen eine Schlüsselfunktion zu. In den Fokus rückt Stahl, dem Experten eine hohe Umweltfreundlichkeit bescheinigen. Allerdings nicht wegen der Emissionswerte bei der Produktion – hier sind die technischen Möglichkeiten fast ausgeschöpft. Umso mehr stellen die Befürworter Vorzüge bei der Anwendung in den Vordergrund: „Für die Herstellung brauchen die Produzenten zwar pro Tonne etwas mehr Energie als für andere Baustoffe, dafür kann mit einer Tonne Stahl aber auch wesentlich mehr Bauwerk errichtet werden“, sagt etwa Knut Göppert, Geschäftsführer beim Ingenieurdienstleister Schlaich Bergermann und Partner (SBP). Die Möglichkeit der Wiederverwendung verbessere die Energiebilanz.

Stahl lässt sich fast komplett recyceln – dieses Argument wiederholen die Vertreter der Industrie unermüdlich, wenn Kritiker sie auf den hohen CO2-Ausstoß bei der Herstellung hinweisen. Doch es gibt weitere Öko-Vorteile: Stahlkonstruktionen erlauben etwa Sanierungen mit einfachen technischen Mitteln. Weil nur wenige tragende Wände nötig sind und Stützelemente wie bei Massivbauten entfallen, bieten Stahlgebäude auch große Flexibilität für Umbauten, etwa für eine energetische Umrüstung.

Neue Stahlsorten reduzieren zudem den Energieverbrauch im Haus: Der Hersteller Arcelor-Mittal etwa bietet ein beschichtetes Stahlblech an, das als Dach- und Fassadenmaterial bedeutend mehr Sonnenlicht zurückwirft und weniger Wärme aufnimmt als andere Werkstoffe. An sonnigen Tagen liege die Innentemperatur eines Gebäudes so um bis zu zehn Grad niedriger.

Für Investoren ist das ein wichtiges Argument: „Die Wirtschaftlichkeit von Immobilienprojekten entscheidet sich nicht nur über die Investitionskosten, sondern ganz entscheidend über die Nutzungskosten im Lebenszyklus“, sagt Bauingenieur Göppert. „Hier ist die Energieeffizienz zuerst zu nennen.“

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  • Für wirtschaftliche und politische Entscheidungen aller Art ist es wesentlich, zuerst die relevanten Kriterien zu identifizieren und sie von den irrelevanten zu trennen. Und zu den irrelevantesten Kriterien überhaupt gehört eigentlich das CO2. CO2 ist Pflanzennahrung, und unsere Lammkoteletts bestehen ursprünglich ebenso aus CO2 wie unser Salat oder unser Papier. Nur beeinflußt CO2 weder das Wetter, noch dessen statistisches Langfristaggregat - das "Klima". Damit wird es höchste Zeit, all die politischen Zwangsregulierungen abzuschaffen, mit denen Politiker bürger und Unternehmen knechten. Denn nicht das CO2, sondern die staatlichen Zwangseingriffe beeinflussen die wirtschaftlichen Entscheidungen - und führen volkswirtschaftlich zur Fehlallokation von Ressourcen.

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