Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Autokonzerne geraten unter Öko-Druck

Der Druck auf Unternehmen zu mehr Transparenz bei Nachhaltigkeit und Umweltschutz wächst. Das zeigt sich derzeit am Beispiel der Autoindustrie: Bei der Erfüllung von Umweltauflagen müssen Autohersteller den realen Verbrauch ihrer verkauften Fahrzeuge angeben - doch die europäischen Autobauer sträuben sich gegen die Transparenzpflicht.

BERLIN. Erst kündigte die EU Pläne an, in Werbekampagnen für Autos künftig deutlich sichtbare Hinweise auf deren Umweltverträglichkeit oder -gefährdung verpflichtend zu machen. Jetzt fordern auch Investoren und Analysten von den Herstellern detailliertere Veröffentlichungen - vor allem über den Spritverbrauch ihrer verkauften Flotte.

Die Großanleger und Analysten wollen künftige Risiken und Chancen der Unternehmen richtig einschätzen können. Welche Informationen aus ihrer Sicht gewünscht sind, wird in einem Katalog nachzulesen sein, den die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse (DVFA) Anfang März veröffentlichen wird (siehe "Forderungskatalog"). Er wird alle Branchen betreffen.

Zu den speziellen Indikatoren für die Autoindustrie gehören der durchschnittliche Verbrauch der verkauften Fahrzeugflotte in Liter pro 100 Kilometer sowie die CO2-Emissionen pro verkaufte Einheiten. Zu den Risiken der Firmen gehört es aus Analystensicht, Verpflichtungen zur Emissionssenkung nicht einzuhalten.

Die Autohersteller lehnen es bislang ab, in den Lageberichten diesen "realen" Flottenverbrauch der tatsächlich verkauften Fahrzeuge darzulegen. Damit aber verstoßen sie gegen die Transparenzpflicht, zeigt ein neues Rechtsgutachten, das dem Handelsblatt vorliegt. "Die Praxis entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen", urteilt Roda Verheyen, die das Gutachten im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Germanwatch erstellt hat. Verheyen arbeitet für die Hamburger Kanzlei Günther, Heidel, Wollenteit, Hack.

"Fast durchgehend ist eine Verletzung der Transparenzpflichten feststellbar", sagt Verheyen. Das zeige eine Auswertung der Lageberichte europäischer Autobauer auf Grundlage des Gutachtens. Auch auf Nachfrage bei Autokonzernen ist der reale Flottenverbrauch nicht zu erfahren. "Der Indikator gilt aber derzeit als der wichtigste, um die Klimarisiken für Automobilunternehmen bewerten zu können", sagt Verheyen unter Bezug auf Finanzmarktstudien. "Eine Quantifizierung ist als Entscheidungsgrundlage für Aktionäre und Anleger erforderlich." EU-weite sowie nationale Gesetzesänderungen verpflichteten die Firmen, die Risiken des Klimawandels offenzulegen, heißt es in dem Gutachten.

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