Nachhaltigkeit
Wachstumsfaktor Erneuerbare Energien

Die erneuerbaren Energien haben sich zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Klimaschutzdiskussion gibt ihnen zusätzlichen Auftrieb. Auch der Austausch veralteter Technik hat hohes Potential zur Emissionsminderung.

BERLIN. In 40 oder 60 Jahren sei eine Vollversorgung durch Erneuerbare Energien möglich, meint Carsten König, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW). Und der europäische Branchenverband EREC prognostiziert, Wind- und Wasserkraft, Biomasse-, Solar- und Erdwärmetechnik werden 2030 aufgrund des weltweiten Nachfragebooms einen Anteil 35 Prozent am Energieverbrauch liefern.

Konservative Energieexperten halten das für Zweckoptimismus. Doch da die Branche Erwartungen zu Umsatz, Produktion und Beschäftigten stets übertrifft, erhöhen auch Skeptiker wie die Internationale Energieagentur immer wieder ihre Prognosen. Die IEA schätzt, dass der Anteil erneuerbare Energien (EE) sich nur auf 16 Prozent verdoppelt. Mit dieser Erwartung werde die Organisation wie schon so häufig der tatsächlichen Entwicklung hinterherhinken, weil sie die Geschwindigkeit des Ausbaus unterschätze, sagen unabhängige Fachleute. Das von ihr einst für 2020 prognostizierte Volumen wurde schon 2006 erreicht.

Geht es nach der EU, liefern die Erneuerbaren 2020 europaweit ein Fünftel der Primärenergie. In Deutschland könne der Anteil 40 Prozent und bei der Stromerzeugung gar 67 Prozent erreichen, schätzt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE). Diese Erwartungen dämpfte vergangenes Jahr aber das Bundesumweltministerium (BMU): Der Anteil an der Primärenergie werde von sechs auf 16 Prozent steigen, der beim Strom von 12 auf 27 Prozent. Darauf basierte das im Dezember verabschiedete Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Die EU-Kommission hingegen verlangt mehr: in ihrem am 23. Januar verabschiedeten Klimapaket sieht der entsprechende Richtlinienentwurf vor, dass Deutschland 18 Prozent der Primärenergie mit Erneuerbaren Energien abdeckt. Dies wird der Branche einen weiteren Schub geben.

Das dynamische Wachstum der vergangenen Jahre hat sich 2007 fortgesetzt: Der Anteil von Wind, Sonne & Co an der deutschen Stromerzeugung wuchs im Jahresvergleich um zweieinhalb Prozentpunkte auf 14,3 Prozent, berechnete der Bundesverband Erneuerbarer Energien (BEE). Beim gesamten Energieverbrauch betrage er 9,1 Prozent. Damit entkräftete die Branche die Angaben der EU-Kommission, die zu Jahresbeginn nur auf einen Anteil von 5,8 Prozent gekommen war und Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten im Rückstand sah. Der Unterschied erklärt sich aus den Berechnungsmethoden: BEE und auch BMU ermitteln den tatsächlichen Verbrauch, die Zahlen der EU basieren jedoch auf dem Primärenergieeinsatz und berücksichtigen nicht die Energieverluste des Energietransportes. Zudem basieren ihre Daten auf dem Jahr 2005, sind also nicht mehr aktuell.

Die deutsche EE-Branche erwartet, dass der Umsatz zwischen 2006 und 2010 von rund 23 Mrd. Euro auf 45 Mrd. Euro steigen wird. Gut ein Viertel des Wachstums kommt schon jetzt aus dem Export, Tendenz steigend. Deutschland profitiert vom Hunger aufstrebender Nationen wie Indien und China nach Energie. Insbesondere deren Wachstum und starke Verwendung fossiler Energieträger werde zu einem Anstieg der CO2-Emissionen um 57 Prozent führen, warnte die IEA im "World Energy Outlook" im November. Sie forderte vor allem mehr Energieeffizienz und den Ersatz veralteter Anlagen und Techniken, aber auch den Einsatz erneuerbarer Energien. "Die Förderung dieser Techniken hierzulande dient dem Klimaschutz weltweit", betont Björn Pieprzyk, Referent der vom BMU und der Branche getragenen Informationskampagne "Unendlich viel Energie".

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