Nachhaltigkeitsindex
Investoren wünschen maßgeschneiderte Indizes

Die Börse Hannover hat einen globalen Nachhaltigkeitsindex aufgelegt. Der seit Anfang September bestehende Global Challenges Index (GCI) ist der dritte, seit gut einem Jahr in Deutschland aufgelegt Index zu Umwelt und Nachhaltigkeit. Insgesamt bestehen damit sechs von deutschen Anbietern entwickelte Indizes dieser Art. Einen Nachhaltigkeitsindex nur für deutsche Unternehmen, wie ihn die Deutsche Bank schon vor Jahren anregte, gibt es allerdings noch nicht.

GCI unterscheidet sich von bisherigen Indizes, indem er sich auf sieben weltweite Herausforderungen als konkrete Handlungsfelder für Unternehmen konzentriert: Klimawandel, Armut, Trinkwasserknappheit, nachhaltige Waldwirtschaft, Artenvielfalt, Bevölkerungsentwicklung und gute Unternehmensführung. „Nur die Firmen werden aufgenommen, die Nachhaltigkeit umfassend in ihre Geschäftsprozessen integriert haben und mit ihren Aktivitäten substanziell dazu beitragen, die globalen Herausforderungen zu bewältigen“, erläutert Robert Hassler, Vorstand der unabhängigen Münchener Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research, die das Konzept entwickelte.

Der Index ist damit so streng, wie nur wenige Nachhaltigkeitsfonds. Er mischt Großkonzerne wie BT Group, Ricoh und Unilever mit kleinen und mittleren Firmen aus Europa und den G7-staaten. Unter den 50 Unternehmen sind aus Deutschland Conergy, Henkel, Münchener Rück, Nordex, Q-Cells, SAP, Solarworld und Vossloh. Rückgerechnet hätte sich der Index seit 2001 um rund 15 Prozentpunkte besser entwickelt als der MSCI World, sagt Börsenvorstand Prof. Hans Heinrich Peters. Dies und die aktuelle Lage sind aber auf der Webseite nicht nachvollziehbar – sie bietet den MSCI gar nicht als Vergleichswert an.

Der älteste Nachhaltigkeitsindex in Deutschland ist der global orientierte Naturaktienindex (NAI). Er gilt als einer der erfolgreichsten Gradmesser für die ökonomische Leistungsfähigkeit ökologisch verantwortlich wirtschaftender Unternehmen. Mit seinem sehr strengen Konzept hat er seit seiner Auflage 1997 den MSCI World und den Dax permanent deutlich übertroffen. Auf ihm basiert ein 2000 aufgelegter Publikumsfonds.

Anders als GCI und NAI sind der von der Deutschen Börse 2006 lancierte Daxglobal Alternative Energy Index und der im Juni aufgelegte ÖkoDAX spezialisierte Energieindizes. Ersterer konzentriert sich auf internationale Unternehmen für alternative Energien. Der zweite heißt zwar „Öko“, aber es sind nur zehn deutsche Erneuerbarer Energien-Hersteller enthalten. Andere Umweltthemen spielen keine Rolle. Zu Nachhaltigkeitsindizes sagte Hartmut Graf, Abteilungsleiter Indizes der Deutschen Börse, dem Handelsblatt: „Wir prüfen ein mögliches Engagement von unserer Seite aus.“ Sobald die Nachfrage bei Investoren groß genug sei, werde die Börse zügig reagieren. Beim ÖkoDax bestand Bedarf: die Deutsche Bank legte gleich ein Zertifikat auf.

Großinvestoren wie Kirchen, Stiftungen und Pensionsfonds, sind oft ausschlaggebend für neue Indizes, weil bisherige Börsenbarometer und daran orientierte Anlageprodukte ihren Anforderungen nicht genügen. So begleiteten der Bundesverband Deutscher Stiftungen und die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover die Entwicklung des GCI. Und NordLB und Nordcon brachten prompt passende Index-Produkte für Institutionelle auf den Markt.

Auch für den seit 2005 von der HypoVereinsbank existierenden HVB Nachhaltigkeits-Index und entsprechende Zertifikate gaben Investoren, vor allem ein Kloster, den Anstoß. Der Index hat viel mehr Ausschlusskriterien als der weltweit tonangebende Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Die WestLB entwickelte 2005 mit der Ratinggruppe SiRi Company den „Extra-Financial Risk Index“ (EFRIX). Die Bank legt auf den Index für ökologische und soziale Risiken aber keine Produkte auf, sondern er dient ihren Kunden als Informationsquelle ergänzend zu den Nachhaltigkeitsratings der Bank.

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