Nahrungsmittelversorgung
Katars Wüste soll erblühen

Das Golf-Emirat Katar ist zu 90 Prozent von Nahrungsmittelimporten abhängig. Das soll sich in Zukunft ändern – auch mit deutscher Technik.
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BerlinKatar ist das reichste Land der Erde, das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2011 erneut um 18,7 Prozent - so stark wie nirgends sonst. Nur: Dass man Geld nicht essen kann, wissen die Menschen auf der Halbinsel im Persischen Golf auch. Deshalb will sich das Emirat im Rahmen seines neuen Nationalen Ernährungssicherheitsprogramms QNFSP deutlich unabhängiger von Lebensmittelimporten machen. Dazu soll die Wüste jetzt erblühen.

Zugleich will Katar auch andere Staaten, die unter extremer Trockenheit und Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten leiden, zu einer globalen Initiative unter dem Namen Global Dry Land Alliance vereinen. Das kündigte Fahad al-Attiya, Chef des QNFSP, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Die Lebensmittelversorgung sei eine Frage der nationalen Sicherheit, Unabhängigkeit und Existenz, ebenso die Wasserversorgung: „Wir haben aktuell nur Trinkwasserreserven für 1,8 Tage“, sagte Al-Attiya.

Die zwei natürlichen unterirdischen Wasserspeicher Katars gehen bedrohlich zur Neige. Bauern dürfen keine Brunnen mehr graben. Denn die Nachbarländer stellten fest, dass sonst die Lagerstätten durch nachdrückendes Meerwasser dauerhaft versalzen. Bisher gewinnt Katar sein Trinkwasser aus Wasserentsalzungsanlagen.

Über 90 Prozent der benötigten Lebensmittel werden heute importiert. Die heimische Landwirtschaft trägt nur 0,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Die Zahl der Farmen im Land sank wegen des Wassermangels seit 2008 um ein Drittel. „Alles Wasser kommt aus dem Meer, fast alle Agrarprodukte kommen bisher aus dem Ausland - so können wir unser eigenes Schicksal nicht bestimmen“, sagt Al-Attiya.

„Nur mit Wasser- und Nahrungsmittelsicherheit können wir unsere Existenz und unser Wachstum garantieren“, begründete er die Initiative für Nahrungsmittelsicherheit. Katar zu einem Agrarland zu machen sei „aber ein Schritt wie damals der erste Mensch auf dem Mond“.

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  • Ressourcenverschwendung?
    Welche Ressource meinen sie? Die gewonnene Energie aus Sonnenlicht vielleicht?

    Sie sollten mal eine Oase besuchen. Kann ich nur emfehlen. Die menschliche Enstellung zum Wasser ändert sich automatisch und schlagartig.

    Auch die Scheichs wissen, daß ihre Ölvorräte endlich sind. Spät zwar, aber dennoch. Es ist eine Investition in ihre eigene Zukunft und sie hat Zukunft.

    Schönen Tag noch.

  • Meerwasser zu entsalzen, um anschliessend in der Wüste auf Sandboden Reis oder Weizen anzubauen, wird niemals rentabel sein. Eine gigantische Ressourcenverschwendung.

  • alles Träumerei, die Herrschenden in Katar, den VAE, Bahrain investieren doch nicht in nachhaltige Projekte, wie in erneuerbare Energien. Sie kaufen zur Not in der ganzen Welt Ackerflächen und lassen diese bewirtschaften oder sie schließen langfristige Lieferabkommen mit internationalen Lebensmittelkonzernen. Niemand wird in den "Ölregionen" verhungern wenn die Preise anziehen, denn die Kaufkraft in diesen Ländern wird auch weiterhin sehr hoch sein.

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