Naturparadies Kapiti

Neuseelands Zeitreise-Insel

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Neuseeland sehen, wie es einst war
Neuseelands gefährdeter Nationalvogel hat auf der Insel beste Überlebensbedingungen. Quelle: dpa
Kiwi auf der Kapiti-Insel

Neuseelands gefährdeter Nationalvogel hat auf der Insel beste Überlebensbedingungen.

(Foto: dpa)

Schattenseite der wirtschaftlichen Entwicklung war ein gravierender Schaden an der Vogelwelt. Ende des 19. Jahrhunderts war ein Großteil der Wälder auf Kapiti abgeholzt. Zugleich war die Insel übervölkert von nicht-heimischen Wildtieren. Dann wurde sie zum Naturschutzgebiet erklärt. Mit der Zeit wuchs das Bewusstsein für Naturschutz genauso wie der Nationalstolz.

In den folgenden Jahrzehnten wurden Ziegen, Rehe, Schafe, Rinder, Schweine, Katzen und Hunde gezielt ausgerottet. 1986 wurde der letzte von 22.500 Kusus getötet – einer Beuteltierart, die einst wegen ihres Fells gezüchtet worden war. 1996 warf die Naturschutzbehörde aus der Luft Rattengift über der Insel ab – und erklärte Kapiti schließlich für vollständig frei von eingeschleppten Säugetieren.

Mit Gift-Hunden gegen Eindringlinge
Salzwasserkrokodil in Australien
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Eigentlich ist Australien ein Paradies für alle möglichen Wildtierarten, vom Krokodil bis zum Koala. Probleme bereiten allerdings jene Arten, die nicht natürlich auf dem fünften Kontinent vorkommen, sondern von Siedlern eingeschleppt oder bewusst eingeführt wurden. Solche Arten zerstören oftmals die Natur oder bringen sie aus dem Gleichgewicht, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Das Land greift deshalb zu drastischen Maßnahmen, um die Eindringlinge zu bekämpfen.

Gifthunde gegen Ziegen
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Australien hetzt mit Giftkapseln präparierte Wildhunde auf wilde Ziegen, die eine kleine Insel am Great Barrier Reef zertrampeln und kahl fressen. Die kastrierten Dingos sollen die rund 300 vermehrungsfreudigen Ziegen jagen. Sie selbst sterben nach etwa zwei Jahren, wenn das Gift aus den implantierten Kapseln freigesetzt wird.

Kugeln gegen Katzen
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Katzen gelten in Australien nur als süß, wenn sie im Haus gehalten werden. Wildkatzen werden dagegen für eine ökologische Katastrophe verantwortlich gemacht. Sie töten pro Nacht 75 Millionen Tiere, sagt die Tierschutzorganisation Australien Wildlife Conservancy. Die Katzen haben nach Angaben des Umweltministeriums schon 100 nur in Australien vorkommende Arten gefährlich dezimiert, darunter Vögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere. Zwei Millionen Katzen sollen bis 2020 getötet werden - durch Giftköder, aber vor allem durch Gewehrkugeln.

Viren gegen Karpfen
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Die Fressgewohnheiten der von Europäern eingeschleppten und sich rasant vermehrenden Karpfen bedrohen Australiens Gewässer. Die Fische wirbeln Sedimente am Boden auf und verhindern so, das Licht für die Pflanzen bis zum Flussboden durchdringt. Die Sedimente begraben Fischeier und verstopfen die Kiemen anderer Fische. Jetzt soll ein Herpes-Virus die Zahl der Karpfen dezimieren. Das Virus, das keine anderen Fischarten angreift, soll in den Flüssen Murray und Darling in den nächsten 30 Jahren 95 Prozent der Karpfen tötem.

(Foto: dpa)

Bulldozer gegen Kaninchen
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Die Langohren zerstören Weiden, verursachen Erosion und fressen einheimischen Arten das Futter weg. Das Agrarministerium in Victoria empfiehlt Bauern, Kaninchen in ihrem Bau einfach platt zu machen. Die Tiere müssten zunächst mit viel Krach erst verängstigt in ihren Bau getrieben werden. Dann müsse großes Gerät aufgefahren werden: Bulldozer, Schaufelbagger oder Erntemaschinen.

Käfer gegen Mimosen
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Auch Pflanzen stehen auf der Abschussliste. Für Biologen ist Mimosa pigra Unkraut. Die Mimosenart wächst in Windeseile zu dickem dornenreichen Gestrüpp. Winzige Flohkäfer, nach ihrem lateinischen Namen Nesaecrepida infuscata zärtlich Nessie genannt, sollen es nun richten. Sie fressen die Mimosen, verhindern die rasante Verbreitung, schwächen die Pflanzen und machen sie anfällig für Krankheiten. (Foto: Wie146/CC BY-SA 3.0)

Kröten gegen Käfer
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Das ist vor 80 Jahren gründlich schiefgegangen. Bauern holten Aga-Kröten ins Land, um gefräßige Stockkäfer in Zuckerrohrfeldern einzudämmen. Die Riesenkröten mit den Giftdrüsen haben sich aber auf verheerende Art breitgemacht und dezimieren Vögel, Eidechsen, Schlangen und selbst Beutelmarder und Warane. (Foto: dpa)

Seitdem hat sich die Vogelwelt regeneriert. Der gepunktete Zwergkiwi, die kleinste der fünf Arten des Laufvogels, gehört zu den bemerkenswertesten Überlebenden: Auf dem Festland ist er ausgestorben, auf der Insel gedeiht die Art. Von den insgesamt etwa 1700 überlebenden Exemplaren leben etwa 1200 auf Kapiti.

Hier ist auch einer der wenigen Orte auf der Welt, wo Touristen dem nachtaktiven Vogel tatsächlich noch in der Wildnis begegnen können. Die Barrett-Familie bietet auf ihrem Land eine einfache Unterkunft an, zudem gibt es Tagestouren.

Neuseeland hat heute den höchsten Anteil bedrohter Arten an seiner Tierwelt. Einer aktuellen Studie zufolge sind 80 Prozent der einheimischen Vogelarten bedroht, viele davon nah am Aussterben. Im Bemühen um Artenvielfalt hat sich die Regierung nun zum Ziel gesetzt, das gesamte Land bis 2050 von Fressfeinden der Vögel zu befreien. Kapiti soll Vorbild für den Rest des Landes sein.

„Neuseeland hat bereits Dinge erreicht, die einst undenkbar waren – inklusive alle Säugetiere von über hundert Inseln zu vertreiben“, sagt der Ranger Lee Barry. Zwar gebe es keine Aufzeichnungen, welche Vogelarten auf Kapiti-Island heimisch waren, bevor die Europäer kamen. „Doch es steht außer Frage, dass Kapitis Vogelgesang heute einzigartig ist.“ So ist Kapiti heute die beste Chance, Neuseeland zu sehen, wie es einst war.

  • dpa
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