Naturschutz
Mücken bedrohen die Tierwelt auf Galapagos

Die Tierwelt auf Galapagos ist einmalig. Doch jetzt bedrohen eingeschleppte Mücken die Population. Sie bringen Krankheiten mit und infizieren Meerechsen, Schildkröten und Pinguine, befürchten Wissenschaftler. Wie der Tourismus eine einzigartige Inselwelt zu zerstören droht.
  • 0

DÜSSELDORF. Eine Mücke, die regelmäßig von Touristen auf die Galapagos-Inseln verschleppt wird, könnte die Tierwelt des Archipels bedrohen. Diese Befürchtung äußert ein britisch-ecuadorianisches Forscherteam im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Die südliche Hausmücke (Culex quinquefasciatus) lebt in tropischen und subtropischen Regionen der Erde und gilt als Überträger von Krankheiten wie West-Nil-Fieber, Vogelmalaria oder Geflügelpocken. Im 19. Jahrhundert trug die Mücke einige dieser Krankheiten nach Hawaii, wo daraufhin zahlreiche einheimische Vogelarten ausstarben.

Auf Galapagos tauchte die Mücke Mitte der achtziger Jahre zum ersten Mal auf. Doch ihre Reise auf die Inselgruppe sollte kein einmaliger Vorgang bleiben: Wie die Wissenschaftler um Arnaud Bataille von der Universität von Leeds berichten, werden bis heute regelmäßig neue Exemplare der Mücke dorthin verschleppt. Sie reisen als blinde Passagiere an Bord von Flugzeugen und Schiffen. Durch die Touristenboote werden sie außerdem zwischen den Inseln hin- und hertransportiert.

Die Wissenschaftler suchten in den Frachträumen von Flugzeugen nach den Mücken und verglichen außerdem die Gene verschiedener Mückenpopulationen. So konnten sie feststellen, wie viele Mücken die Inseln erreichen und ob sie sich mit den dort lebenden Exemplaren vermehren. „Im Durchschnitt ist die Zahl der Mücken pro Flugzeug klein“, so Bataille. „Doch es landen jeden Tag viele Flugzeuge auf den Inseln, und die Mücken scheinen diese Flüge zu überleben und in der Lage zu sein, sich fortzupflanzen, sobald sie das Flugzeug verlassen haben.“

Je mehr Mücken jedoch die Inseln erreichen, desto höher ist auch das Risiko, dass eine von ihnen einen tödlichen Erreger einschleppt, gegen den die einheimischen Tierarten nicht gewappnet sind. Die Forscher weisen darauf hin, dass Wildtiere auf isolierten Inseln besonders anfällig für solche Vorgänge seien. „Die Einführung neuer Erreger und ihrer Überträger könnte verheerende Folgen für die Artenvielfalt auf den Galapagos-Inseln haben“, schreiben sie in ihrer Studie.

Die Galapagos-Inseln liegen etwa 1000 Kilometer westlich von Ecuador im Pazifischen Ozean. Die Inseln sind berühmt für ihre Artenvielfalt; einige Tierarten leben nirgendwo sonst auf der Welt, etwa die Galapagos-Riesenschildkröte oder der Galapagos-Pinguin .

Etwa 90 Prozent der Inselfläche wurden zum Nationalpark erklärt, und die Inseln ziehen inzwischen jährlich 160 000 Reisende an. Doch die Nachteile durch eingeschleppte Arten könnten die Vorteile der boomenden Tourismusindustrie überwiegen, fürchten die Forscher. „Dass wir bisher noch keine Auswirkungen beobachten konnten, ist möglicherweise einfach Glück“, so Batailles Kollege Simon Goodman. „Mit einer so rasant wachsenden Tourismusindustrie hängt die Zukunft von Galapagos von der Fähigkeit der ecuadorianischen Regierung ab, einen strikten Schutz der Inselwelt aufrechtzuerhalten.“

Kommentare zu " Naturschutz: Mücken bedrohen die Tierwelt auf Galapagos"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%