Netzkollaps droht: Solarenergie überfordert die Stromnetze

Netzkollaps droht
Solarenergie überfordert die Stromnetze

Auf dem Land bereitet die Solarenergie zunehmend Sorgen: Viele Verteilnetzbetreiber haben Schwierigkeiten mit der Integration von Solarstrom. Es droht der Netzkollaps.
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DortmundAuf den ersten Blick ist Fröndenberg ein Mekka der erneuerbaren Energien. Wasserkraftwerke, Windräder und Solarzellen sind in der westfälischen Stadt allgegenwärtig. Doch in einigen der 14 Ortsteile dürfen vorerst keine neuen Photovoltaik-Anlagen mehr ans Netz gehen. „Wir stoßen an Aufnahmegrenzen“, sagt Bernd Heitmann, Chef der örtlichen Stadtwerke.

Ursache ist die ländliche Struktur: Ein weitmaschiges Verteilnetz versorgt mit dünnen Leitungen wenige Verbraucher. Daran hängen inzwischen 53 Megawatt Regenerativleistung. Bei Sonnenschein wird zeitweise mehr Strom eingespeist als benötigt. Dann treibt die überschüssige Solarenergie die Spannung in den entfernt gelegenen Ausläufern des Niederspannungsnetzes über die maximal zulässigen 253 Volt.

Nicht nur in Fröndenberg bereitet die Solarenergie Kopfzerbrechen. Auch in Baden-Württemberg und Bayern, wo zwischen Januar 2009 und August 2010 jede zweite neue Solaranlage gebaut wurde, gibt es Probleme. „Diese sind größer als gedacht“, sagt Frank Peter, Analyst des Marktforschungsunternehmens Prognos und Mit-Autor der Studie „Wegweiser Solarwirtschaft: PV-Roadmap 2020“. Danach haben 77 Prozent der Verteilnetzbetreiber, in deren Gebieten viel Photovoltaik (PV) installiert ist, Schwierigkeiten mit der Integration von Solarstrom.

Zurzeit haben etwa 98 Prozent der Solaranlagen in Deutschland ihren Anschlusspunkt am Niederspannungsnetz. „Die Netze sind meist historisch gewachsen und wurden nicht auf den Betrieb mit einem hohen Anteil dezentraler Erzeugung ausgelegt“, sagt Netzexperte Thomas Stetz vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). Die Kabel zum Anschluss eines Abnehmers sind nur so dimensioniert, dass sie die Last, die der Verbrauch erzeugt, liefern können. Aber gerade auf dem Land, wo die Netze schwächer ausgebaut sind, pumpen immer mehr landwirtschaftliche Solarkraftwerke Strom in alte Drähte. Der Spannungsanstieg drohe die elektrischen Geräte der Verbraucher zu zerstören, sagt Experte Heitmann.

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  • Das ist doch klar weil wir nach wie vor auf die Stromwirtschaft setzen und das ist falsch!
    Das neue Thema heist Wasserstofftechnik, dann werden die Netze nicht überlastet

  • Jaja, die übliche Angstmache vor den Erneuerbaren Energien, welche die großen Atomkonzerne die Bilanzen in Zukunft versauen könnten. Das eigentliche Problem ist, dass unsere lieben Großkonzerne den Netzausbau nicht angehen WOLLEN, weil das ihr Geschäftsmodell ruiniert. Sobald die PV die 40 GW überschritten hat, muss halt etwas Wasser den Berg hoch gepumpt werden - wahlweise in DE,AU oder Norwegen, Strom zu speicherbarem Methan gemacht werden oder notfalls ein wenig PV-Strom vergeudet werden (was ohne große Ertragseinbußen bei der PV führt). Also alles kein Problem, wenn die Politik ihre Hausaufgaben macht und nicht von einem Aufsichtsratsposten während der Arbeit träumt.

  • man sollte meinen, der strom müsste preiswerter werden, um das netz nicht zu überlasten, aber das unlogische gegenteil ist der fall, der strom ist durch solarenergie noch teurer geworden, klein otto spart an allen ecken und enden, so das noch weniger strom verbraucht wird, verkehrte welt

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