Neue Messgeräte
Der Stromzähler denkt mit

Jedes Jahr wiederholt sich die gleiche Prozedur: Der örtliche Energieversorger schickt Scharen von Ablesern aus, die in Flurecken oder Kellern die Stromzähler inspizieren und den jährlichen Verbrauch ablesen. Unklar bleibt, welches Gerät wie viel verbraucht. Nun sollen Messgeräte mit Internetanschluss den Haushalten beim Energiesparen helfen.

DÜSSELDORF. Kurze Zeit später fordert dann ein Schreiben eine - in den letzten Jahren häufig saftige - Nachzahlung für den im letzten Jahr verbrauchten Strom. Mit dieser Methode ist zwar klar, wie viele Kilowattstunden insgesamt durch die Steckdosen eines Haushalts geflossen sind. Doch zu welcher Zeit oder mit welchem Gerät sie verbraucht wurden, ist auf diese Art und Weise nicht nachvollziehbar.

Nur drei Prozent der deutschen Haushalte - so eine gemeinsame Studie von IBM und dem Zentrum für Evaluation und Methoden der Universität Bonn - notieren jeden Monat in Eigeninitiative den aktuellen Stand ihres jeweiligen Stromzählers. Dass das Interesse am häuslichen Energieverbrauch aber eigentlich viel größer ist, belegt die Tatsache, dass mehr als 70 Prozent der Befragten es sich wünschen, eine monatliche Rechnung zu erhalten. Unterstützt werden sie nun vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das die EU-Richtlinie für Energieeffizienz in einen nationalen Aktionsplan umgesetzt hat. Über eine höhere Transparenz beim Stromverbrauch, so das Ziel der Bundesregierung, sollen die Haushalte einen Anreiz bekommen, im Jahr 2016 neun Prozent Energie weniger zu verbrauchen als heute.

Neue Technologien können dieses Vorhaben unterstützen. Etwa intelligente Stromzähler, welche die Verbrauchsdaten auf Basis des Internet-Protokolls (IP) übertragen. "Wenn jeder Stromkunde jeden Monat erfahren soll, wie viel Energie er in den letzten vier Wochen verbraucht hat, lässt sich das nur mit einem Smart Metering System, also mit einem System von bidirektional kommunikationsfähigen Zählern realisieren", sagt Michael Krumpholz vom Unternehmen Görlitz. Der Koblenzer Hersteller von Systemen für die Fernablesung von Zählern hat bei Industriekunden bereits entsprechende webbasierte Geräte im Serieneinsatz.

Der Vorteil dieser Fernableser: Sie können minutengenau den Verbrauch der Geräte anzeigen, die gerade in Betrieb sind. Technisch funktioniert dies über eine Funk- oder Internetverbindung des Zählers zum Stromversorger, der die erhobenen Verbrauchsdaten anschließend dem Kunden auf einer passwortgeschützten Website zur Verfügung stellt. Jeder Privatkunde kann somit den eigenen aktuellen Stromverbrauch einsehen und feststellen, ob der soeben eingeschaltete Geschirrspüler vielleicht ein großer Stromfresser ist.

Doch es gibt Kritik an dieser Zählertechnologie. "Das Verfahren ist relativ energieintensiv, weil zur zeitaktuellen Anzeige des Stromverbrauchs Personalcomputer und Bildschirm ständig in Betrieb sein müssen", sagt zum Beispiel Jeffrey Michel von der USCL Corporation im kalifornischen Carmichael. Sein Unternehmen produziert Zähler, die direkt den aktuellen Energiepreis anzeigen.

Bisher ist der Anteil von smarten Geräten in Deutschlands Haushalten allerdings noch verschwindend gering. Große Energieversorger wie die EnBW, die bei einem Projekt der Yello Strom Privatkunden den Einsatz von Online-Zählern anbietet, stehen noch ganz am Anfang. Doch ein Blick auf Europa kann dem strompreisgeplagten Verbraucher Mut machen: So hat in Italien der führende Stromanbieter Enel alle 30 Millionen Zähler im Land auf die Online-Ablesung - das sogenannte Smart Metering - umgestellt. Auch in Skandinavien ist die Idee auf dem Vormarsch. Denn in Schweden ist die monatliche Abrechnung für die Verbraucher bereits in nationales Recht umgesetzt worden.

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