Neue Studie
Klimakatastrophe schon vor 2050

Europas größter Versicherungskonzern Allianz und die Umweltstiftung WWF warnen vor einer plötzlichen Klimakatastrophe schon vor dem Jahr 2050. Allein der Anstieg des Meeresspiegels bedrohe 136 Millionenstädte an den Küsten und gefährde Vermögenswerte von über 18 Billionen Euro, heißt es in einer gemeinsamen Klimastudie.
  • 32

HB MÜNCHEN. Die Umweltstiftung WWF und der Versicherungskonzern Allianz haben vor einer plötzlichen Klimakatastrophe gewarnt. Bei einer weiteren Erderwärmung drohe in vielen Regionen ein Umkippen mit nicht mehr umkehrbaren Schäden, erklärten sie in einer am Montag in München vorgestellten Studie. In Südeuropa könnten dann Dürren das Klima bestimmen, in Deutschland würden wochenlange Stromausfälle drohen, weil die Kraftwerke kein Kühlwasser mehr hätten.

Die Klimaexperten warnen besonders vor gefährlichen Dominoeffekten. „Keine Region bleibt verschont“, sagte WWF-Klimaexpertin Regine Günther und appellierte an die Teilnehmer des Klimagipfels in Kopenhagen im Dezember, ein rechtsverbindliches Abkommen zur Senkung der Treibhausgase zu schließen. Angesichts von Schäden in Billionen-Höhe wäre das auch wirtschaftlich für alle von Vorteil. „Auch die USA müssten im Eigeninteresse ihre Treibhausgas-Emmissionen massiv reduzieren“, sagte Günter.

Das Eis an den Polen schmelze „in einem Tempo, das alle erstaunt“. Das könnte den Meersspiegel schon vor 2050 um einen halben Meter steigen lassen, bedrohe 136 Millionenstädte an den Küsten und gefährde Vermögenswerte von über 18 Billionen Euro, erklärten Allianz und WWF. Allein an der Nordostküste der USA stiegen die bedrohten Werte von knapp einer Billion auf 5,6 Billionen Euro. Sturmfluten oder Wirbelstürme wie Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete, könnten auch New York treffen. In Kalifornien sagte die Studie eine Verzehnfachung der Waldbrand-Schäden auf 1,6 Mrd. Euro voraus.

In Deutschland drohen nicht nur mehr Stürme, Überschwemmungen und Ernteausfälle. Es könnte auch zu wochenlangen Stromausfällen kommen, sagte Michael Bruch von der Allianz-Industrieversicherung. Schon im heißen August 2003 hatten mehrere deutsche Atomkraftwerke ihre Leistung mangels Kühlwasser herunterfahren müssen. Den Versicherten drohen mit steigenden Risiken auch steigende Preise. Baugrundstücke am Rhein in Köln könnten billiger werden, ließen sich dann aber überhaupt nicht mehr versichern, so Allianz-Rückversicherungschef Clemens von Weichs.

Wenn die Erderwärmung zwei Grad überschreitet, droht die Entwicklung von den Polen bis zum Amazonas schlagartig umzukippen. In Südeuropa und in Kalifornien würden Dürren spätestens ab Mitte des Jahrhunderts das regionale Klima bestimmen, warnen Allianz und WWF. Zu den Kipp-Punkten, die den Klimawandel unumkehrbar machen und beschleunigen würden, zählt die Studie die Eisschmelze an den Polen, das Absterben des Regenwalds am Amazonas, das Schmelzen der Himalaya-Gletscher und die Veränderung des Sommermonsuns in Indien. Hunderte Millionen Menschen seien dadurch existenziell gefährdet. „Wir haben nur noch ein kleines Fenster, wo wir reagieren können, um diese Kipppunkte nicht auszulösen“, sagte WWF-Klimaexpertin Günther.

Die Entwicklungsländer werden von der Entwicklung stärker betroffen sein, vor allem in Asien. Verschont bleibt nach den Einschätzungen der Klimaexperten aber keine Region. „Wir müssen von einem veränderten Planeten ausgehen“, sagte Günther. „Wenn die Himalaya-Gletscher abgeschmolzen sind, sind eine Milliarde Menschen von Wassermangel bedroht. Bleiben die dann da, oder schicken wir das Rote Kreuz hin?“ so die WWF-Expertin.

Seite 1:

Klimakatastrophe schon vor 2050

Seite 2:

Kommentare zu " Neue Studie: Klimakatastrophe schon vor 2050"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • Aufklärung.

    Die Sonne als Energieträger.

    Die Sonne schickt täglich 10000 bis 15000mal so viel Energie, wie die Menschen an einen Tag weltweit verbrauchen.
    Auf Atomkraft, Erdöl, Kohle und Erdgas können wir verzichten.
    Die Klimakatastrophe ist vermeidbar, wir haben noch eine Gnadenfrist.
    Die Wirtschaft wird lernen, mit Sonne zu arbeiten, letzte Chance überhaupt Klimawandel zu Stoppen.

    Mfg

  • Leider ist die Zahl der Studien und deren unterschiedliche Ergebnisse doch eher verwirrend. Das hilft den Skeptikern bei ihrer Argumentation und dabei, die Realität zu vertuschen.

  • @ piano man (27)

    „.........als Totschlagargument universell anwendbar, ohne dass der geschröpfte Steuerzahler zu murren wagt.“

    Richtig - leider, denn leider gibt es viel zu viele Menschen, die kritiklos auf diesen Zug aufspringen und nicht hinterfragen, wer hinter diesen „Schützern“ steht und welche Ziele die verfolgen.

    „Zu glauben, man könne aus einem Verbundnetz, in das alle Erzeuger einschliesslich der AKW einspeisen, reinen "Ökostrom" beziehen, ist für mich schon seit langem ein grosser Witz.“

    Denken Sie nur an die Verfechter des Ökowahnsinns hier im Forum.

    „Auf keinem Gebiet werden die Menschen so veräppelt wie bei Umweltschutz, Ökologie und Klimawandel.“

    Dreiste vorgetragene Unwahrheiten werden eher als wahr eingestuft und wenn diese dann öfter wiederholt werden, muß es doch wahr sein, oder?

    Dann gibt es noch die stillen Wissenschaftler, die nicht nur nach anderen Möglichkeiten (Algen) suchen, sondern welche finden.
    Gestern in „Abenteuer Wissen“ gab es einen beitrag über indien. Dort hat ein deutscher Agrarwissenschaftler die Wildpflanze brechnuß als Ölpflanze entdeckt. Sie wächst vorwiegend auf unfruchtbaren böden, davon gibt es in indien mehr als genug, und bedarf keiner Pflege. in dem Ort bhaunagar hat er mit einem bauern eine kleine Fabrik eingerichtet und produziert dort aus dieser ungenießbaren Frucht Öl. Mit diesem Öl werden die Schulbusse dieses Ortes betrieben. Entzieht man dieser Frucht über chemische Prozesse das Gift, ist dieses mit gleichen Eigenschaften wie Kunstdünger als Dünger zu verwenden, der Rest der Nuß eignet sich dann als Tierfutter. Da die Früchte nur per Hand geerntet werden können, sind gleichzeitig für die Ärmsten dort Arbeitsplätze entstanden. Das Ganze ohne den Menschen wichtige Lebensmittel zu nehmen um daraus Treibstoff herzustellen.
    brechnuß gibt es auch auf anderen Kontinenten in ähnlichen Gegenden wie in indien.
    ich denke das dies ein sehr lohnendes Projekt für die Entwicklungshilfe wäre.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%