Niedersachsen
Windräder für den Harz

Deutschlands größtes Windkraft Land Niedersachsen will auch auf dem Festland neue Anlagen bauen. Im Harz geht die Angst vor großflächigen Windparks um. Die Branche verweist auf gute Erfahrungen im Südwesten.
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BurgwedelÄngste vor einer „Verspargelung“ des Harzes und anderer Mittelgebirge durch riesige Windräder sind aus Sicht der Windkraftbranche überzogen. „Ich nehme einigen Leuten ja ab, dass sie sich um eine Verschandelung der Landschaft sorgen“, sagte Heinz Visel vom Bundesverband Windenergie (BWE) der Nachrichtenagentur dpa. „Diese Sorge kann man ihnen nehmen, indem man sachlich über die wirklich geplanten Projekte redet - und nicht Stimmungsmache betreibt“, betonte der BWE-Vertreter in Süd- und Ostniedersachsen. Niemand wolle großflächige Parks in Gebirgswäldern einrichten.

Das Land Niedersachsen plant, den Bau der neuen, teils über 100 Meter hohen Windkraftanlagen in Wäldern nur auf bestehenden Nutzflächen wie Truppenübungsplätzen oder Deponien zuzulassen. Visel hält das einstweilen für einen guten Kompromiss. In Ländern wie Baden-Württemberg sei man „da aber aufgeschlossener“.

Wenn das für Raumordnung zuständige Agrarministerium in Hannover und die Kommunen Neubauten auf sogenannten vorbelasteten Flächen erlaubten, sei das ein vernünftiges Vorgehen. Der 14.000 Mitglieder zählende Wander- und Naturschutzbund Harzklub reagierte nach harscher Kritik an den Ausbauplänen erleichtert auf diese Einschränkungen. Investoren und Grundstücksbesitzer hätten derweil Interesse an der Nutzung von Flächen angemeldet, berichtete Visel.

Im Südwesten Deutschlands, wo der BWE ebenfalls großes Potenzial sieht, sei die Debatte jedoch schon weiter: „Nehmen Sie das Beispiel Schwarzwald. Da ist man uns um Einiges voraus.“ Nachdem der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) noch „einen Groll“ gegen die Windkraft gehegt habe, sei es unter dessen Nachfolger Stefan Mappus vorangegangen. „Wie es nun mit der grün-roten Regierung läuft, muss man noch sehen“, sagte der BWE-Mann. Naturschutz-, Umwelt- und Tourismusverbände würden aber frühzeitig in Planungen eingebunden.

Das gelte inzwischen auch für einige Nord-Regionen. „An der Küste ist das Thema im Sinne „pro Windenergie' durch“, glaubt Visel. Im Weserbergland beklagten sich nur wenige Menschen über zu viele Windräder. Ein Ausbau mit Augenmaß bedeute auch nicht mehr Gefahren für Fledermäuse oder Zugvögel: „Große Rotoren drehen sich langsamer und haben keinen höheren Fledermausschlag. Es gibt Gutachten, die das belegen - aber nicht jeder will das zur Kenntnis nehmen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Niedersachsen: Windräder für den Harz"

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  • Es muss doch ein Ende geben mit dieser ewigen Nörgelei! Schafft endlich diese unsinnigen Höhen- und Abstandsbeschränkungen ab. 180 Meter hohe Anlagen bitte in alle Vorgärten von Windunternehmern und "Grünen" Politikern.

  • Wer schon einmal durch Schleswig Holsteins Küstenregionen gefahren ist, der weiß, dass die Verspargelung der Landschaft kein Theoretikum ist. Da nützt es wenig, wenn die Windräder auf Deponien oder anderen Restflächen stehen - man sieht sie kilometerweit und ewiglich aufmerksamkeitsheischend mit ihren Flügeln "winken". Wollen wir diese Technologie nicht im Bürgerprotest der nächsten Jahre an die Wand fahren, sollten wir schnellstens überlegen, ob zukünftige Windmaschinen nicht anders konstruiert werden sollten. Möglich wären z.B. Vertikaldreher, die kaum mehr als ein Schornstein auffallen oder Drachensysteme, die derzeit in der Entwicklung sind.

  • Die schaffen es, Deutschland mit ihren Windkraftanlagen derartig unattraktiv zu machen und die Landschaften so zu verschandeln, daß viele Menschen ihren Urlaub lieber im benachbarten Ausland antreten werden.

    Eine Landschaft kann nun einmal nicht beliebig verunstalten. Die Quittung für Muttchens Energieaussetzer wird der regionale Fremdenverkehr bezahlen müssen. Die Rechnung sollen sie mal getrost nach Berlin schicken. Ob's hilft?

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