Nuklearer Notstand Der Weg der radioaktiven Wolke

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Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) liegt Japan im Einflussbereich eines Tiefdruckgebiets, dessen Kern sich nordöstlich der Nordinsel Hokkaido erstreckt. Da es sich gegen den Uhrzeigersinn dreht, strömen die Winde im kritischen Bereich über der betroffenen Insel Honshu aus westlicher Richtung und blasen daher die Luftmassen – inklusive eines möglichen Fallouts – hinaus auf den offenen Pazifik. Dazu passt, dass auf einem US-amerikanischen Flugzeuträger vor der Küste erhöhte Radioaktivität gemessen wurde. Sie stammt wahrscheinlich aus dem Dampf, den die Kraftwerksbetreiber aus dem Reaktor abgelassen haben, um den Druck in seinem Kern zu senken. Möglich ist auch, dass bei der Explosion radioaktiver Dampf aus dem Zwischenraum zwischen äußerer Hülle und innerem Kern freigesetzt wurde.

Das Tief bei Hokkaido zieht im Laufe des Tages weiter nach Nordosten Richtung Beringstraße und wird abgelöst von einem neuen Tiefdruckkomplex, der sich gerade im Pazifik entwickelt. Kurzzeitig wird dann der Wind laut DWD auf Nord bis Nordwest drehen, so dass radioaktive Partikel tatsächlich auch Tokio und südliche Inselregionen erreichen könnte. Spätestens Dienstagabend wehen die Winde aber wieder ablandig und verteilen Schadstoffe über dem Meer – eine Wetterlage, die bis in die zweite Wochenhälfte anhalten soll. "Kräftige Winde sorgen dabei für eine gute Durchmischung der Atmosphäre", meint Martin Jonas vom DWD. Dadurch sollten sich keine größeren Konzentrationen an radioaktiven Partikeln herausbilden.

Im weiteren Verlauf driften diese Luftmassen in Richtung Alaska: "Allein für diese Strecke braucht die Luft etwa eine Woche", prognostiziert Jonas. Von dort ziehe sie über Kanada teils in Richtung Grönland, teils in die Vereinigten Staaten, wobei sich die Luft zunehmend weiter vermischt. Auch zeigen die Trajektorien – die Linien, entlang derer sich die Luftmassen verlagern –, dass die Luftpakete auf ihrem langen Weg nach Osten in einem Tief auf mehrere 1000 Meter Höhe angehoben werden. Dadurch verteilen sich die Verunreinigungen noch weiter in der Atmosphäre und sie werden mit den Niederschlägen auch zumindest teilweise ausgewaschen. Bis sie Deutschland nach etwa 12 000 Kilometern erreichen, dürfte der radioaktive Fallout – so es denn überhaupt zu einer größeren Freisetzung kommen sollte – so weit verdünnt sein, dass er nur noch mit empfindlichen Messgeräten wahrgenommen wird. Der kürzere Weg gen Westen über Asien nach Europa ist bei den momentan herrschenden Wetterbedingungen ohnehin ausgeschlossen.

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2 Kommentare zu "Nuklearer Notstand: Der Weg der radioaktiven Wolke"

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  • Vielen Dank für den sehr sachlichen Artikel. Wie sich die Lage weiter entwickelt, kann man bisher wohl noch nicht sicher sagen. Aber ich sehe auch einen riesigen Unterschied zwischen den Verläufen in Tschernobyl und jetzt in Japan. Mag sein, dass auch in Japan zu viele Menschen durch Radioaktivität zu Schaden gekommen sind oder noch kommen werden. Aber es würde mich extrem wundern, wenn diese Schäden auch nur annähernd mit Tschernobyl oder gar Hiroshima vergleichbar wären. Wenn nichts gravierendes mehr passiert, sind sie vermutlich sogar im Vergleich zu den - ebenfalls nur schwer nachweisbaren - Folgeschäden der Verbrennung von Kohle und Öl vernachlässigbar klein, selbst wenn man den Vergleich auf diesen Monat und Japan beschränkt.

    Nur: Die Frage war doch, welche Folgen für D drohen. Die Aussage, dass hier selbst im schlimmsten Fall keine messbare Radioaktivität ankommt, bezweifel ich nicht. Aber der Sturm der atomaren Entrüstung ist schon längst bei uns angekommen. Dieser Sturm könnte über eine forcierte Abschaltung der deutschen Kraftwerke zu deutlich steigenden Strompreisen führen, und das entweder bei mangelhafter Versorgungssicherheit (da die Erneuerbaren zu ungleichmäßig Strom liefern) oder bei hohen Importen französischen oder (wenn ganz Europa aussteigen sollte) gar russischen oder chinesischen Atomstroms...

    Und an den steigenden Preisen ist dann garantiert wieder die Energielobby und die Politik schuld...

  • Dei aktuellen Messwerte des IMIS Braunschweig und der Messtationen in .de gibts unter :

    http://www.bfs.de/de/ion/imis/imis_uebersicht.html
    http://odlinfo.bfs.de/index.html


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