Ökologie
Biokraftstoff schadet Artenvielfalt

Plantagen für pflanzliche Treibstoffe können die Zahl der Tierarten empfindlich dezimieren, warnen Ökologen der ETH Zürich. Der einzige Ausweg: Soviel natürlichen Wald erhalten wie nur möglich.

DÜSSELDORF. Der steigende Bedarf an Palmöl für die Herstellung von Biodiesel wird die Artenvielfalt dezimieren, warnen Ökologen. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, sei der Erhalt von so viel natürlichem Wald wie nur möglich, schreiben Forscher der ETH Zürich in einer Studie im "Journal für angewandte Ökologie".

Der Züricher Ökologe Lian Pin Koh hatte 15 Palmölplantagen in einer Region im Osten Malaysias, auf der Insel Borneo, untersucht. Auf den Plantagen fand er bis zu 13 verschiedene Arten von Schmetterlingen und zwischen sieben und vierzehn Vogelarten. Bei Untersuchungen im benachbarten Urwald dagegen zählten Ökologen mindestens 85 Schmetterlings- und 103 Vogelarten. "Die rapide Ausbreitung des Ölpalmen-Anbaus in Waldgebieten stellt eine erhebliche Bedrohung für die Artenvielfalt dar", sagt Koh.

Dabei gibt es längst Management-Konzepte, die die Palmenplantagen in einen vielfältigeren Lebensraum verwandeln sollen. Doch die Bemühungen, die Ausbreitung von Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen) oder Gräsern auf den Plantagen zu fördern, haben offenbar nicht die gewünschte Wirkung: Im Schnitt siedelten sich auf solchen Plantagen nur 0,4 Schmetterlingsarten mehr an und nur 2,2 zusätzliche Vogelarten. Pufferzonen aus natürlichem Regenwald zwischen den Plantagen dagegen wirkten sich günstiger auf die Artenzahl aus: Durchschnittlich 3,7 Schmetterlings- und 2,5 Vogelarten tauchten zusätzlich auf, wenn rund um die Plantagen der Wald bewahrt wurde.

"Diese Studie zeigt, dass für eine maximale Artenzahl Industrie und Regierungen zusammenarbeiten und so viel Regenwald wie möglich erhalten sollten", führt Koh weiter aus. "Und selbst dann ist der Einfluss der Industrie auf die Artenzahl noch enorm."

Palmölplantagen bedecken weltweit rund 13 Millionen Hektar Land, und Palmöl ist das meistgenutzte Öl der Welt. Es dient nicht nur als Biodiesel, sondern auch als Bratfett, industrielles Schmiermittel oder Zusatzstoff in Kosmetika. Ölpalmen sind, gemessen an der Anbaufläche, der ertragreichste Lieferant für Pflanzenöl. Das meiste Öl stammt aus Malaysia und Indonesien: Die beiden Inselstaaten schultern gut 80 Prozent der weltweiten Palmölproduktion.

Biokraftstoff gilt als Alternative zu fossilen Brennstoffen, deren Vorräte in absehbarer Zeit zur Neige gehen werden. Doch angesichts weltweit steigender Lebensmittelpreise ist der alternative Brennstoff längst in die Kritik geraten: Auf demRaum, den die Plantagen für Biodiesel einnehmen, könnte man auch Pflanzen anbauen, von denen sich Menschen ernähren können. Zudem begünstigt die Abholzung der Regenwälder den Klimawandel - und die Ausrottung zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.

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