Ökologie
Regenwald könnte vom Klimawandel profitieren

Die Zukunft des tropischen Regenwalds bei fortdauerndem Klimawandel wird vielfach in düsteren Farben gemalt. Jetzt lässt eine US-Studie aufhorchen: Der Regenwald scheint danach weniger temperaturempfindlich zu sein als bislang vermutet.
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HEIDELBERG. Viele Prognosen zum Einfluss des Klimawandels auf den Regenwald lesen sich düster: Steigende Temperaturen, so die Befürchtung, würden dem Amazonasökosystem den Garaus machen, der geschlossene Regenwald sich in offene Savanne verwandeln.

Joe Wright von der Smithsonian Institution und seine Kollegen meinen nun aber nach ihren Ausgrabungen, dass genau das Gegenteil eintreten könnte: Die Artenvielfalt könnte sogar noch steigen, wenn es wärmer wird.

Die Paläoökologen hatten fossile Pollenkörner aus verschiedenen Regionen Kolumbiens und Venezuelas – außerhalb des Amazonasbeckens – analysiert, die aus der Erdzeitalter-Wende vom Paleozän zum Eozän vor 56,3 Millionen Jahren stammen. Damals heizte sich die Erde in der geologisch kurzen Zeit von 10 000 bis 20 000 Jahren um 3 bis 5 Grad Celsius auf. Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre lag um das 2,5-Fache höher als heute.

Das so genannte Paleozän-Eozän Thermische Maximum (PETM) dauerte zwar nur ein bis zwei Jahrhunderttausende, doch in dieser Zeit explodierte die Biodiversität regelrecht: Es entwickelten sich deutlich schneller und umfangreicher neue Arten und Familien, als alte ausstarben, wie die Pollendiagramme belegen.

Der Regenwald scheint daher weniger temperaturempfindlich zu sein, als bislang gedacht: Selbst Durchschnittstemperaturen von bis zu 34 Grad Celsius machten dem Ökosystem nichts aus, solange genügend Niederschläge fielen. Größere Gefahr droht dem Regenwald wohl eher, wenn Abholzung den natürlichen Wasserkreislauf stört, was die beiden letzten Dürreperioden am Amazonas verstärkt haben könnte.

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