Ölkatastrophe „Deepwater Horizon“
BP und Halliburton wussten von Gefahren

Eine von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Untersuchungskommission erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ölkonzern BP und dessen Partner Halliburton. Dem Ergebnis des Untersuchungsberichts zufolge wussten beide Konzerne vor der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko von Tests, die Probleme auf der Ölbohrplattform aufzeigten.
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HB WASHINGTON/HOUSTON. Eine US-Regierungskommission zur Untersuchung der schwersten Ölkatastrophe des Landes hat dem BP-Partnerunternehmen Halliburton schwere Versäumnisse vorgeworfen. Der US-Konzern habe das Bohrloch unter der Ölplattform "Deepwater Horizon" nur mangelhaft zementiert und trage daher vermutlich eine Mitschuld an der Explosion der Anlage, erklärte das Gremium am Donnerstag. Halliburton und BP seien die Probleme Wochen vor dem Unglück am 20. April bewusst gewesen, sagte der Leiter der Kommission, Fred Bartlit.

Vor der Explosion der Bohrinsel hätten Tests auf Probleme mit dem Zement hingewiesen, der im April zum Abdichten der Ölquelle im Golf von Mexiko verwendet wurde. Weder BP, der Betreiber der Plattform, noch der Zement-Lieferant Halliburton zogen Konsequenzen.

Wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben von Bartlit hervorgeht, zeigten gleich drei von Halliburton durchgeführte Tests, einer davon nur sieben Tage vor der Explosion, dass der Zement nicht stabil war. Die Mischung war am 19. und 20. April in das Bohrloch gepumpt worden. Nach der Explosion entstand ein Leck an der Leitung, das erst am 15. Juli zunächst provisorisch verschlossen werden konnte. Im September gelang es dem britischen Ölkonzern dann, die Quelle dauerhaft zu verschließen.

Die Nachricht drückte die Halliburton-Aktie in einem leicht schwächeren New Yorker Markt zeitweise 16 Prozent ins Minus. Im weiteren Handelsverlauf notierte sie 8,5 Prozent tiefer. Die Kosten um Halliburton gegen Kreditausfälle zu versichern legten deutlich zu. Dies signalisierte, dass der Kommissionsbericht nach Einschätzung der Finanzmärkte die Gefahr einer Insolvenz erhöht hat. Halliburton wollte sich im Laufe des Donnerstags zu den Beschuldigungen äußern.

Der Untergang der "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko hatte die größte Ölpest in der Geschichte der USA verursacht. Nach der Explosion am 20. April waren fast fünf Mio. Barrel Öl ins Wasser gelaufen. Ein undichter Zementmix, durch den Öl und Gas einsickern konnten, gilt als eine der Ursachen für das Unglück.

Mitte Juli gelang es nach einer Serie von Rückschlägen, das Bohrloch von oben mit Schlamm und Zement zu verschließen. Der britische BP-Konzern hatte bereits in der Vergangenheit seinen Partnerunternehmen eine Mitschuld an dem Unglück vorgeworfen.

Die Kommission will im Dezember ihren kompletten Untersuchungsbericht vorlegen.

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