Ölkatastrophe: Die fatale Entscheidung der BP-Ingenieure

Ölkatastrophe
Die fatale Entscheidung der BP-Ingenieure

In seinem Untersuchungsbericht zu Ölkatastrophe im Golf von Mexiko räumt der Ölkonzern BP ein, zumindest teilweise verantwortlich zu sein. Als verhängnisvoll erwies sich demnach eine Fehleinschätzung von BP-Ingenieuren nach einem Drucktest auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Heute wird der Report vorgestellt.
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LONDON. Es ist eine verhängnisvolle Entscheidung, die in den späten Nachmittagsstunden des 20. April auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko fällt. Ingenieure des britischen Ölmultis BP testen, wie gut das Bohrloch am Meeresgrund verschlossen ist. Sie prüfen die Druckverhältnisse und kommen zu dem Ergebnis: Offenbar sei alles im grünen Bereich, man könne die Bohrarbeiten wie geplant abschließen.

Sie haben sich geirrt, sie haben die Ergebnisse des Drucktests falsch interpretiert und dadurch einen Hinweis auf ein bevorstehendes Unglück übersehen. Das ist nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld eines der Ergebnisse einer BP-internen Untersuchung zu den Ursachen des Desasters. Heute stellt der Konzern diesen knapp 200 Seiten umfassenden Bericht offiziell vor.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg räumt BP darin ein, dass das Unternehmen zumindest teilweise für die Katastrophe verantwortlich sei. Mitschuld trage zudem der Eigentümer der Unglücksplattform, der Schweizer Tiefsee-Bohrspezialist Transocean. Ein BP-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Ende April war die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ explodiert, die Transocean für BP betrieb. Elf Menschen sind umgekommen. 780 Millionen Liter Öl sprudelten ins Meer und verursachten die größte Ölpest der Geschichte. Vor gut eineinhalb Monaten hat BP die Lecks provisorisch abgedichtet. Um die Milliardenausgaben für die Beseitigung der Schäden, für Schadensersatz- und Strafzahlungen stemmen zu können, verkauft der Ölkonzern Teile seines Geschäfts. BP hat mehr als 32 Mrd. Dollar eingeplant, um durch das Unglück verursachte Forderungen zu begleichen. Aber Experten schließen nicht aus, dass am Ende eine höhere Rechnung auf das Unternehmen zukommen wird.

Einen Teil des Geldes könnte sich BP von den an den Bohrarbeiten beteiligten Firmen wie Transocean wiederholen, wenn den Unternehmen nachgewiesen werden kann, dass sie zu dem Unglück beigetragen haben. Untersuchungen amerikanischer Behörden haben bereits ergeben, dass Transocean mit zahlreichen Wartungsarbeiten auf der „Deepwater Horizon“ in Verzug war. Davon war auch ein Notfallventil am Meeresboden betroffen, das bei dem Unfall versagt und den Ölfluss nicht – wie geplant – unmittelbar nach der Explosion abgeriegelt hat. Das verlautete aus dem Umfeld der BP-Mitarbeiter, die die Unglücksursachen erforscht haben.

Die Fehlinterpretation der Druck-Messwerte durch BP-Ingenieure führte zu weiteren fatalen Entschlüssen: Arbeiter ersetzten den zähen Schlamm im Bohrloch, der aufsteigendes Gas und Öl durch sein Gewicht zurückhalten kann, durch Salzwasser. Eine der letzten Barrieren war damit gefallen.

Kommentare zu " Ölkatastrophe: Die fatale Entscheidung der BP-Ingenieure"

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  • Waren es die ingenieure(?) oder die bWL-er?
    Wer entscheidet zuletzt?

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