Offshore
Windkraft aus dem Meer: Mehr Wunsch als Wirklichkeit

Wegen der steigenden Energiekosten erwartet Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee einen Boom für Anlagen auf offener See. Doch ob der wirklich kommt, ist zweifelhaft. Experten sind skeptisch - aus guten Gründen.

DÜSSELDORF. Angesichts explodierender Preise für Öl und Gas macht die Bundesregierung den Weg frei für den Ausbau der Windenergie auf dem offenen Meer, doch die Branche ist skeptisch. Mit der Fertigstellung des Raumordnungsplans sei „ein erster Schritt getan“, um bis zum Jahr 2030 zusätzlich 25 000 Megawatt Windstrom zu erzeugen, sagte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Wochenende. Die ersten Anlagen vor der Küste (Offshore) würden noch in diesem Jahr vor der Nordseeinsel Borkum gebaut.

An der Börse kam Tiefensees Bekenntnis zur Windenergie gut an. Die Aktie des Hamburger Windturbinenbauers Nordex legte gestern zeitweise 6,8 Prozent im Vergleich zum Vortag zu, der Kurs des Lokalrivalen Repower verbesserte sich um knapp sechs Prozent. Immerhin reicht die Leistung der bis zu 30 neuen riesigen Windparks im offenen Meer aus, um in gut 20 Jahren etwa 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Doch es ist ein ehrgeiziger Plan, und Beobachter zweifeln, ob das Offshore-Geschäft in Deutschland jetzt tatsächlich in Gang kommt. Weltweit sind zurzeit Windkraftanlagen mit einer Leistung von 100 000 Megawatt installiert – aber nur ein Prozent davon entfällt auf Offshore. Die meisten dieser Anlagen stehen in Küstennähe. Das ist der Grund, warum die Realisierung der ehrgeizigen deutschen Offshore-Pläne bislang so schleppend verläuft. Das Testfeld „Alpha Ventus“ bei Borkum beispielsweise liegt weit draußen – damit sich kein Tourist vom Anblick der drehenden Rotoren gestört fühlt. Jedoch beträgt die Wassertiefe dort 30 bis 40 Meter – und das treibt die Kosten.

Nach einer Faustformel des Bundesverbands Windenergie (BWE) kostet der Bau einer Offshore-Anlage bei einer Wassertiefe von 30 Metern etwa drei Mill. Euro pro Megawatt – glatt das Doppelte einer vergleichbaren Anlage an Land. Wie BWE-Geschäftsführer Ralf Bischof dem Handelsblatt sagte, „sind die wirtschaftlichen Vorteile von Offshore-Anlagen nicht erkennbar“. Erst vor kurzem hatte sich der Ölkonzern Shell wegen hoher Kosten aus Großbritanniens größtem Offshore-Windprojekt „London Array“ zurückgezogen und die Investitionsmittel in die USA umgeleitet, um dort Windräder auf dem Festland zu bauen.

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