Philipp Leopold Martin

Der Vater des Naturschutz-Gedankens

Er gehörte zu jenen Vordenkern, deren Ideen ihrer Zeit (zu) weit voraus griffen. Als Philipp Leopold Martin um 1870 erstmals von Naturschutz sprach, tat er das eher leise, um nicht als Sonderling abgestempelt zu werden.
Der Wissenschaftler und Autor der dreibändigen "Praxis der Naturgeschichte" gilt als Vordenker des Naturschutzes. Quelle: dpa
Philipp Leopold Martin

Der Wissenschaftler und Autor der dreibändigen "Praxis der Naturgeschichte" gilt als Vordenker des Naturschutzes.

(Foto: dpa)

BonnPhilipp Leopold Martin muss eine Ahnung davon gehabt haben, dass seine Ideen noch nicht wirklich massentauglich waren. Er notierte 1874: Ein „durchgreifender Naturschutz“ sei „ein Ding, von dem man nur ganz bescheiden sprechen darf, um nicht als Sonderling angesehen zu werden.“ Zu dieser Zeit war Deutschland noch ein Kaiserreich, die Industrialisierung im vollen Gange. Naturschutz, wie wir ihn heute kennen, war nicht gerade Gesprächsthema. Martin schrieb dennoch davon – als Erster in Deutschland, wie das Bundesamt für Naturschutz recherchiert hat.

Genau vor 200 Jahren, am 5. November 1815, wurde Martin in Niederschlesien geboren. Seine Geschichte erzählt in gewisser Weise, wie sich in Deutschland langsam ein Bewusstsein für die Bedrohung der Natur entwickelte. Und wie jemand, der dafür nicht ganz unbedeutend war, nahezu komplett in Vergessenheit geriet.

Höllische Hühner und Kornkreise im Meer
Kornkreise im Meer: Torquigener albomaculosus (Japan)
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Auch der Meeresboden hat seine Kornkreise. Runde Formen, etwa zwei Meter breit, haben Wissenschaftler bislang vor ein Rätsel gestellt. Jetzt kennen sie den Verursacher: Ein bislang unbekannter Fisch namens ...

Kornkreise im Meer: Torquigener albomaculosus (Japan)
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... Torquigener albomaculosus. Die Männchen dieser Art graben die kornkreisförmigen Nester, um Weibchen zu beeindrucken. Die hohen Ränder sollen die Eier schützen.

Koralle am Berghang: Balanophora coralliformis (Philippinen)
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Auch wenn ihr Aussehen an eine Koralle erinnert, Balanophora coralliformis ist kein Nesseltier, sondern eine Pflanze. Und sie lebt auch nicht unter Wasser. Trotzdem war sie lange dem Blick der Forscher verborgen. Denn es gibt nur wenige (gezählt wurden etwa 50) und die nur in Höhen zwischen 1500 und 1700 Metern an einem Berghang auf der philippinischen Insel Luzon.

Mysteriöser Tiefseebewohner: Dendrogramma enigmatica (Australien)
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Das Tier ist gerade einmal einen Zentimeter groß und lebt in 1000 Meter Tiefe vor der Küste Australiens. Der Winzling, der wie ein Pilz aussieht, stellt die Wissenschaft vor ein Rätsel. Ist Dendrogramma enigmatica verwandt mit Quallen oder Korallen? Oder gehört der geheimnisvolle Tiefseebewohner gar einem neuen Stamm an? Wenige Lebewesen lassen so viele Fragen offen wie dieses. (Foto: Wikipedia CC BY 4.0)

Unbekannte Schöne: Phyllodesmium acanthorhinum (Japan)
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Vielleicht die schönste der neuen Arten lebt im Meer vor Japan und ist gerade 17 bis 28 Millimeter groß: Phyllodesmium acanthorhinum, eine aufregend gefärbte Schnecke in Rot, Blau, Weiß oder sogar Gold. Die neue Art erlaubt auch einen Einblick in die Lebensweise der Seeschnecken - inklusive ihres komplizierten Verdauungssystems.

Tierischer Zweig: Phryganistria tamdaoensis (Vietnam)
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Bei diesem Aussehen ist es kein Wunder, dass Forscher Phryganistria tamdaoensis trotz der Größe von 25 Zentimetern bisher übersehen haben. Das Tier erinnert eher an einen Zweig und ist perfekt getarnt. So gut, dass es unentdeckt blieb, obwohl es im Tam-Dao-Nationalpark in Nordvietnam lebt, einem Lieblingsziel von Naturforschern.

Lebendgebärender Frosch: Limnonectes larvaepartus (Indonesien)
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Froschweibchen legen Laich ab, die vom Männchen danach befruchtet werden. Nicht so aber bei Limnonectes larvaepartus. Die Befruchtung findet im Körper statt und das Weibchen bringt Kaulquappen zur Welt. In einem Fall fand eine Geburt sogar in der Hand eines Forschers statt. Die Tiere sind gerade vier Zentimeter groß und leben auf der indonesischen Insel Sulawesi.

„Martin war ein Vordenker, mehr konnte er nicht mehr werden“, sagt Gerhard Hachmann, Bibliothekar im Bonner Bundesamt für Naturschutz, der sich durch Martins Schriften gewühlt hat. Nach Hachmanns Recherchen verwendete er 1871 erstmals das Wort „Naturschutz“ im heutigen Sinne. Rekord, aber irgendwie zu früh. Richtig groß sei das Thema erst um 1900 geworden, als sich viele Vereine gründeten.

Martin war hauptberuflich eigentlich Tierpräparator. 1848 bricht er zu einer länger angelegten Reise nach Venezuela auf, um Präparate zu sammeln. Doch es kommt anders. Schon ein Jahr später stirbt seine Frau auf der Reise. Martin kehrt krank und verarmt zurück. Erst 1852 bekommt er seine erste Festanstellung am Zoologischen Museum in Berlin. Sein Beruf lässt ihn sehr genau auf die Tierwelt schauen.

„Es hatte damals eine erste große Flurbereinigung gegeben. Felder wurden zusammengelegt, Wege und Flüsse wurden begradigt, Kleingewässer wurden trocken gelegt und Altbäume entfernt“, sagt Experte Hachmann. Dass manchen Tieren damit die Lebensgrundlage wegbricht, sei aber vielfach nicht verstanden worden.

Anders bei Martin. „Er bemerkte, dass bestimmte Tiere aus bestimmten Regionen verschwanden. Vor allem nahm die Gesamtzahl der Vögel ab, die als sehr nützlich galten.“ Martin entwickelt daraus Forderungen: eine umfassende Gesetzgebung, Schutzgebiete und eine zuständige staatliche Stelle.

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