Photovoltaik-Industrie
Solarbranche produziert Silizium selbst

Ein jährliches Wachstum von mindestens 20 Prozent – vor allem die Märkte in Südeuropa, den USA und Asien sollen der Photovoltaik-Industrie auch künftig ein kräftiges Wachstum bescheren. Im vergangenen Jahr wurde erstmals mehr Silizium an die Solar- als an die Halbleiterindustrie geliefert. Neue Verfahren sollen den Preis für Silizium nun deutlich senken.

BITTERFELD. Die Produktion von Silizium für die Halbleiter- und Solarindustrie ist derzeit wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Angestoßen durch die enorme Nachfrage aus der Solarbranche kletterte der durchschnittliche Preis für ein Kilogramm Silizium für die Photovoltaik-Industrie nach Angaben der Beratungsgesellschaft Photon Consulting innerhalb der vergangenen zwei Jahre von 45 auf 70 Dollar. Die etwa ein Dutzend größeren Produzenten der Branche investieren daher kräftig in neue Kapazitäten.

Angezogen von Margen über 50 Prozent und dem Engpass im Markt drängen zunehmend auch Solarfirmen in das Geschäft. Sie setzen einen neuen Trend: die Siliziumproduktion allein für die Solarbranche. So legte gestern das Management des Erfurter Unternehmens PV Silicon im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt den Grundstein für eine neue Siliziumproduktionsanlage. Die Tochter der britischen PV Crystalox investiert 80 Mill. Euro. Partner ist Evonik Industries (die frühere Degussa). „In der ersten Ausbaustufe sollen ab 2009 jährlich bis zu 1 800 Tonnen Polysilizium produziert werden“, sagte PV-Silicon-Geschäftsführer Hubert Aulich. Das klassische Herstellungsverfahren sei so modifiziert worden, dass die Siliziumreinheit zwar den Ansprüchen der Solarindustrie genügt, nicht aber der Halbleiterindustrie. „Wir wollen so deutliche Kostenvorteile erzielen“, sagte Aulich. In den Crystalox-Fabriken im englischen Oxford und in Erfurt werde das Silizium weiter zu Blöcken und Wafern (Siliziumscheiben) verarbeitet.

Solarworld geht noch einen Schritt weiter. In einem Joint Venture mit Evonik hat das Unternehmen ein neues Verfahren entwickelt, das die kostengünstige Produktion von Solarsilizium aus siliziumhaltigen Gas ermöglichen soll. Im badischen Rheinfelden entsteht eine Anlage mit einer Kapazität von zunächst 800 bis 1 000 Tonnen. „Unser Ziel ist es, langfristig ein Drittel unseres Siliziumbedarfs selbst abzudecken“, sagt Solarworld-Chef Frank Asbeck. Der Solarmodulhersteller Solon will zusammen mit dem niederländischen Unternehmen Econcern bis Ende 2008 eine Siliziumproduktion von 3 000 Tonnen in Frankreich aufbauen.

Branchenexperten schätzen, dass die Produktionskosten der neuen Verfahren bei 25 bis 30 Euro pro Kilogramm liegen. Sie alle nutzen denselben Kosteneffekt aus: Silizium aus Quarz wird so aufgearbeitet, bis es einen Reinheitsgrad von über 99 Prozent hat. Das Silizium für die Mikrochip-Fertigung muss hundertmal reiner sein als für eine Solarzelle. Die großen Hersteller wie das US-Unternehmen Hemlock, Tokuyama aus Japan und die deutsche Wacker produzierten Silizium bisher fast ausschließlich für die Halbleiterindustrie – lediglich die „Abfallprodukte“ gingen in die Solarindustrie.

Im vergangenen Jahr lieferten die Siliziumhersteller weltweit erstmals mehr Silizium an die Solar- als in die Halbleiterindustrie. Die geschätzte Gesamtproduktion von 50 000 Tonnen Reinsilizium in diesem Jahr soll nach Schätzungen von Photon Consulting bis 2010 auf 120 000 Tonnen anwachsen. Allein Wacker will nach eigenen Angaben die derzeitige Jahresproduktionskapazität von 6 500 Tonnen bis 2010 verdreifachen. Im Bau befindet sich unter anderem eine Anlage, die ausschließlich Polysilizium für die Solarindustrie herstellen wird.

Absatzsorgen machen sich die Hersteller trotz schrumpfender Förderung für Solarstrom in Deutschland nicht. Künftig sollen vor allem die Märkte in Südeuropa, den USA und Asien das Wachstum treiben. Das Schweizer Bankhaus Sarasin prognostiziert für die Photovoltaik ein jährliches Wachstum des Weltmarktes von mindestens 20 Prozent bis 2020.

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