Pilotprojekt in Israel Aus Hausmüll wird Plastik

Müllberge sind ein weltweites Problem. Eine israelische Firma hofft, dass sie das langfristig ändern kann – durch ein Verfahren, das Abfälle in Plastik umwandelt.
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Ein israelisches Unternehmen will aus Hausmüll Kunststoff herstellen. Quelle: AP
Müllhalde bei Kibbutz Zeelim (Israel)

Ein israelisches Unternehmen will aus Hausmüll Kunststoff herstellen.

(Foto: AP)

Kibbuz ZeelimChristopher Sveen steht vor einem Haufen Müll, der in der Wüstenhitze vor sich hin rottet. Falken und Geier kreisen in der Luft. „Das ist die Goldmine der Zukunft“, sagt der Mann mit einem Blick auf die Abfälle. Und vielleicht hat er Recht. Sveen ist Betriebsdirektor von UBQ, einer israelischen Firma, die ein Verfahren zur Umwandlung von Haushaltsmüll in Plastik entwickelt hat.

Das Unternehmen betreibt eine Pilotanlage und eine Forschungseinrichtung im Kibbuz Zeelim am südlichen Rand der Negev-Wüste. Die kleine Anlage kann pro Stunde eine Tonne städtischen Müll verarbeiten.

Das ist eine relativ kleine Menge und würde nicht ausreichen, um den Anforderungen auch nur einer mittelgroßen Stadt zu entsprechen. Aber UBQ plant nach eigenen Angaben eine Erweiterung und hofft, dass das patentierte Verfahren eines Tages die Müllkippen weltweit überflüssig macht – wenn sich die Technologie als langfristig zuverlässig und wirtschaftlich vernünftig erweist.

Das sind die giftigsten Orte der Erde
Shenyang, China
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Seit Jahren versucht China, das Problem Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Eine Stadt, in der die Anti-Smog-Strategie nicht zu verfangen scheint, ist Shenyang in der Provinz Liaoning. Im November 2015 machte die Millionenstadt Schlagzeilen mit smogbedingten Sichtweiten unter 100 Metern. Die Konzentration schwebender Partikel mit Durchmessern unter 2,5 Mikrometern lag damals um mehr als das 50-Fache über der als unschädlich geltenden Konzentration. Ursache der Luftverschmutzung sind Kohlekraftwerke und Autoabgase, aber auch Staub aus den sich ausbreitenden Wüsten.

Hazaribagh, Bangladesch
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Auf kaum 25 Hektar Land stehen in Hazaribagh mehr als 90 Prozent aller Gerbereien des Landes. Sie produzieren Lederwaren für den Weltmarkt. Dabei sind Arbeiter und Umwelt beträchtlichen Mengen giftiger Chemikalien ausgesetzt, nicht zuletzt Krebs erregenden Chrom(VI)-Verbindungen.

Das Rohprodukt muss chemisch behandelt werden, um die Hautstruktur zu stabilisieren und das Material elastisch zu machen. Dabei gelangen täglich etwa 22.000 Kubikmeter Abwasser ungefiltert in die Umwelt. Fachleute berichten von erheblichen Gesundheitsproblemen bei den Einwohnern des Ortes durch Chrom, Blei, Sulfide und Kupfer. Die Luft enthält hohe Konzentrationen an Stickoxiden. Nicht weit entfernt von Hazaribagh fließt der Buriganga, wichtigste Trinkwasserquelle der Hauptstadt Dhaka.

Kabwe, Sambia
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Im Jahr 1902 entdeckten Prospektoren nahe der Stadt Kabwe in der damaligen britischen Kolonie Nordrhodesien große Zink- und Bleivorkommen. Wenig später begann der Abbau der wichtigen Metalle, die als Legierungsbestandteile in Batterien und Akkus und für viele andere Anwendungen gebraucht werden.

Heute heißt Nordrhodesien Sambia, und die Mine von Kabwe wurde 1994 stillgelegt. Doch Kabwe trägt weiter schwer am kolonialen Erbe: In Boden, Wasser und Staub findet man bis heute hohe Konzentrationen von Kupfer, Zink und vor allem von Blei. Besonders Letzteres hat gravierende Folgen – das Metall reichert sich im Körper an und verursacht chronische Vergiftungen, die vor allem für Schwangere und Kinder gefährlich sind. Kinder in Kabwe haben sechs- bis zwölfmal so viel Blei im Blut wie Gleichaltrige in den Industrieländern. (Foto: Blacksmith Institute)

Horliwka, Ukraine
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In Horliwka im Osten der Ukraine steht die Ruine einer besonders gefährlichen Fabrik. Bis 2001 produzierten die Angestellten auf dem 167 Hektar großen Gelände den Sprengstoff TNT und das nicht explosive, aber sehr giftige Mononitrochlorbenzol (MNCB), vermutlich für die Produktion chemischer Kampfstoffe.

Als Fachleute zehn Jahre später durch Zufall auf den Ort stießen, fanden sie eine tickende Bombe vor: Verrottete Fässer und Tanks mit 50 Tonnen TNT und über 2300 Tonnen MNCB, die über die Jahre Boden und Wasser verseucht hatten. Bis zum Jahr 2014 gelang es, zumindest die vorhandenen MNCB-Tanks zu leeren und das TNT zu bergen. Dann brach in der Ostukraine der Krieg aus und die Arbeiten wurden eingestellt. Wie viel von den Chemikalien noch in Gebäuden, Boden und Wasser steckt, ist unbekannt. (Foto: Pure Earth)

Agbogbloshie, Ghana
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Westeuropa produziert immense Mengen Elektronikschrott und exportiert allein 215.000 Tonnen des Mülls nach Ghana. Ein beträchtlicher Teil davon landet in Agbogbloshie, einem Stadtteil von Ghanas Hauptstadt Accra – und der zweitgrößten Elektronikschrott-Deponie der Welt. Um das Kupfer aus alten Kabeln und andere Metallteile zu gewinnen, verbrennen die Bewohner die elektronischen Komponenten zusammen mit Styropor, das ebenfalls auf der Deponie landet.

Der entstehende Rauch enthält nicht nur giftige Verbrennungsprodukte wie Furane und Dioxine; auch Schwermetalle der Elektrobauteile lagern sich an die Partikel an und ziehen mit dem Rauch über die Region. Allein die Bleikonzentrationen im Boden reichen bis zum 45-Fachen dessen, was in industrialisierten Ländern als akzeptabler Höchstwert gilt.

Kalimantan, Indonesien
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Gold gilt als edel und unvergänglich – aber bei der Gewinnung des meist fein verteilten Edelmetalls geht ohne hochgiftige Chemikalien überhaupt nichts. Die Konsequenzen davon zeigen sich am deutlichsten in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos. Dort wird das Edelmetall zum Teil illegal in Handarbeit gewonnen, und zwar mit Hilfe des hochgiftigen Quecksilbers, das man mit dem goldhaltigen Erz verknetet.

Das flüssige Metall bildet mit Gold ein Amalgam und löst es so aus dem Gestein. Anschließend lässt man das Quecksilber einfach verdampfen. Quecksilbervergiftungen verursachen schwere Gesundheitsschäden: von Nierenerkrankungen bis hin zu neurologischen Störungen. Etwa 1000 Tonnen Quecksilber gelangten in Kalimantan nach einer Schätzung von 2013 in die Umwelt – etwa ein Drittel des Ausstoßes der gesamten Menschheit.

Tschernobyl, Ukraine
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Der Begriff „Kernschmelze“ ist keine Metapher. Nach der Nuklearkatastrophe in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl fanden Arbeiter im Herbst 1986 in einem Dampfkorridor unter dem Reaktor eine erstarrte, hoch radioaktive Masse aus geschmolzenen Bestandteilen des Reaktorkerns, die sich während der Katastrophe durch den Boden des Reaktors brannte und in den Hohlraum lief.

Doch ein beträchtlicher Teil der radioaktiven Abfälle verteilte sich auch in der Umgebung: Rund 190 Tonnen radioaktives Material wie etwa Isotope von Uran und Plutonium, aber auch große Mengen der sehr langlebigen Isotope 137Cs und 90Sr mit Halbwertszeiten von etwa 30 Jahren. Und die Gefahr, dass die restlichen Trümmer des zerstörten Reaktors in die Umwelt gelangen, ist nicht gebannt. Der Klumpen erstarrter Lava unter dem Reaktor dürfte das gefährlichste Stück Abfall sein, das die Menschheit jemals produzierte.

„Wir verwenden etwas, das nicht nur keinen Nutzen hat, sondern unserem Planeten auch viel Schaden zufügt, und wir sind in der Lage, es in Dinge zu verwandeln, die wir jeden Tag gebrauchen“, sagt Albert Douer, Vorstandsmitglied des Unternehmens. Das produzierte Material könne als ein Ersatz für konventionelles petrochemisches Plastik und Holz dienen – was den Ölverbrauch und das Abholzen von Wäldern verringern würde.

UBQ hat mittlerweile umgerechnet gut 24 Millionen Euro von privaten Investoren zusammenbekommen. Einer der Finanziers ist Douer, der als Topmanager des internationalen Plastik-Konglomerats Ajover Darnel Group arbeitet. Dem Beirat von UBQ gehören namhafte Wissenschaftler an, so Chemie-Nobelpreisträger Roger Kornberg, Biochemiker Oded Schosejow von der Hebräischen Universität Jerusalem und die frühere EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard.

Und wie funktioniert das Ganze? Firmenchef Jack Bigio zeigt auf Bündel von Abfällen, die von einer örtlichen Müllhalde stammen. Nach seiner Schilderung werden als erstes Gegenstände wie Glas, Metall und Mineralien aussortiert, die sich Recyceln lassen. Dann wird der verbleibende Müll getrocknet und zu Puder zermalmt – seien es Bananenschalen, Hühnerknochen, Hamburger-Reste, schmutziges Plastik oder schmutzige Kartons, wie Bigio erklärt. Aus dem Puder entsteht anschließend in einer Reaktionskammer ein plastikähnliches Kompositmaterial.

Nach Angaben von UBQ werden in dem Verfahren kein Kohlendioxid oder giftige Nebenprodukte erzeugt. Es erfordere außerdem nur wenige Energie und benötige kein Wasser.

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