Plastikabfall

Kläranlagen versagen bei Mikroplastik

Plastikmüll wird zu einer zunehmend größeren Belastung für unsere Umwelt. Eine aktuelle Studie zeigt: Winzige Plastikteilchen schwimmen im Abwasser und können von Kläranlagen nur zum Teil herausgefiltert werden.
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Filterwechsel an der Kläranlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) in Oldenburg (Niedersachsen). Ohne solche Spezialfilter können Kläranlagen Mikroplastik nicht vollständig aus dem Abwasser beseitigen. Quelle: dpa

Filterwechsel an der Kläranlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) in Oldenburg (Niedersachsen). Ohne solche Spezialfilter können Kläranlagen Mikroplastik nicht vollständig aus dem Abwasser beseitigen.

(Foto: dpa)

BrakeKläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung drastisch reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergab. Doch nur eine von zwölf untersuchten Anlagen verfügt über ein solches Filtersystem.

Mikroplastik besteht aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Viele dieser winzigen Partikel stammen direkt aus Duschgels, Zahnpasta oder anderen Artikeln mit Peeling-Effekt. Andere sind Bruchstücke und Fasern, die durch Abrieb und Zersetzung von Plastikgegenständen oder Fleece-Pullovern entstehen. Mikroplastik ist ein ökologisches Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangt.

Für die jetzt veröffentlichte Untersuchung im Auftrag des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden Proben aus dem Ablauf von zwölf Kläranlagen entnommen. Die Belastung durch Partikel reichte von 86 pro Kubikmeter bis zu 714 je Kubikmeter, bei Fasern reichte die Spannbreite von 98 bis 1479 pro Kubikmeter.

Weniger Plastikmüll treibt auf den Weltmeeren
huGO-BildID: 37896955 This 2008 photo provided by NOAA Pacific Islands Fisheries Science Center shows debris in Hanauma Bay, Hawaii. A study released
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Bis zu 35.000 Tonnen Plastikmüll treiben laut einer Studie auf den Meeren dieser Welt. Das ist deutlich weniger als bislang geschätzt wurde, trotzdem bereitet der Befund Umweltforschern Kopfzerbrechen.

huGO-BildID: 37897382 In this 2009 photo provided by the National Oceanic and Atmospheric Administration shows a sample taken from the Patapsco River
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Für ihre Untersuchung nahmen die Forscher um Andres Cozar von der Universität Cadiz weltweit tausende Wasserproben. Ziel war es, die Menge des an der Oberfläche der Ozeane treibenden Plastikmülls zu bestimmen.

huGO-BildID: 37896929 FILE- This Aug. 11, 2009 file image provided by the Scripps Institution of Oceanography shows a patch of sea garbage at sea in
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Frühere Studien, die noch teils auf Daten aus den 70er Jahren basierten, waren von bis zu einer Million Tonnen Plastikmüll ausgegangen. Gestützt auf ihre Proben berechneten die Forscher um Cozar die oberflächennahe Müllmenge nun auf 7000 bis 35.000 Tonnen.

huGO-BildID: 37896679 In this undated photo provided by National Oceanic and Atmospheric Administration shows pre-production resin pellets that are s
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Kunststoffpartikel ließen sich in fast 90 Prozent der entnommenen Wasserproben nachweisen. Allerdings fanden sich deutlich weniger Kunststoffteile im Millimeter- und Mikrometerbereich. Ein Befund, der auf die tatsächliche Dimension des Umweltproblems verweist.

huGO-BildID: 37897358 This undated photo provide by NOAA Okeanos Explorer Program shows small plastic debris that are visible from the surface of the
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Tatsächlich deutet der Befund darauf hin, dass ein großer Teil dieser winzigen Müllfragmente kontinuierlich von der Wasseroberfläche verschwindet – etwa, weil sie absinken und von Fischen und anderen Meeresbewohnern gefressen werden.

huGO-BildID: 37897206 This undated photo provided by NOAA Okeanos Explorer Program shows debris collected inside the cod end of the manta net after a
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Unter den Folgen der Aufnahme von giftigem Plastikmüll leiden nicht allein die betroffenen Tiere. Über die Nahrungskette gelangt der Giftmüll auch zurück zum Menschen.

Einzig die Kläranlage Oldenburg verfügt derzeit über eine Schlussfiltration per Tuchfilter. Diese reduzierte die Gesamtfracht von Mikroplastikpartikeln und -fasern um 97 Prozent. Bei einer Kläranlage fielen die Werte mit mehr als 13.000 Partikeln je Kubikmeter völlig aus dem Rahmen. Hier sei unbedingt eine weitere Untersuchung nötig, sagte der Mikrobiologe des AWI, Gunnar Gerdts, der die Proben auf Helgoland untersucht hat.

Je nach Anlagengröße gelangen pro Jahr zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Partikeln in die Vorfluter und damit in die Flüsse. Auch im Klärschlamm wurden große Mengen Mikroplastik gefunden. Je Kilogramm Trockenmasse waren es zwischen gut 1000 und mehr als 24.000 Teilchen.

Für jede Kläranlage ergibt das hochgerechnet Werte zwischen 1,2 und 5,7 Milliarden Partikeln und Fasern. Wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird, gelangen die Teilchen abermals in die Umwelt.

Die Studie ist nach Gerdts Angaben bisher einmalig, weil erstmals Mikroplastik nicht nur optisch erfasst und gezählt wurde. Mit Hilfe von Spektroskopie-Verfahren konnten verschiedene Kunststoffe wie Polyamid, Polyethylen oder Polystyrol identifiziert und von natürlichen Materialien abgegrenzt werden. Eine ähnliche Studie zur Rückhaltefähigkeit von Kläranlagen gab es bisher aus dem russischen St. Petersburg.

Eine umweltfreundliche Alternative wäre Biowachs
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1 Kommentare zu "Plastikabfall: Kläranlagen versagen bei Mikroplastik"

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  • Ein sehr guter Artikel zur Plastik-Problematik!

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