Plastikmüll
Expedition zum Müllstrudel der Menschheit

Im Nordpazifik treibt ein Müllteppich von der Größe Westeuropas – der sichtbarste Ausdruck eines Problems, das zunehmend die Meere gefährdet. Mit einer Fahrt durch den Müllstrudel wollen Wissenschaftler nach Lösungen für das Umweltproblem suchen.
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HEIDELBERG. Fast alles, was der Mensch produziert, endet irgendwann einmal im Meer – auch ungeklärte Abwässer, Schweröl oder Kunstdünger. Doch kaum etwas ist so beständig und verunziert Ozeane und Küsten so lange wie Kunststoff. Plastiktüten, Feuerzeuge, Zahnbürsten, Golfbälle, über Bord gegangene Fischernetze, Flaschen, Bierkästen, Autoreifen, havarierte Yachten – alles, was die Industrie erzeugt, schwappt durch die Weltmeere.

Die Problematik betrifft alle Meeresregionen, sie ist jedoch im Nordpazifik besonders ausgeprägt: Ozeanische Strömungen transportieren jeglichen Abfall, der in Ostasien oder Nordamerika ins Meer gekippt wurde, in kurzer Zeit in eine zentrale Region nördlich der Hawaii-Inseln. Dort wird er dann in einer Art riesigem Strudel gefangen, bis das Material durch Sonne und Salzwasser zersetzt ist: Ein Prozess, der Jahre bis Jahrzehnte benötigen kann. Selbst Produkte aus den 1950er Jahren wurden in dem Gebiet bereits gefunden.

Mittlerweile hat der Müllteppich eine Ausdehnung von der Größe Westeuropas erreicht, wiegt geschätzte drei Millionen Tonnen und übertrifft die regionale Menge des Zooplanktons um das Sechsfache – und er gefährdet zunehmend Meerestiere. Wale, Schildkröten, Fische oder Seevögel verwechseln den Müll mit Nahrung oder ertrinken in so genannten Geisternetzen, die herrenlos durch den Ozean schwimmen und damit noch lange Zeit tödliche Fallen bleiben. Erst wenn sich so viele Tiere darin verfangen haben, dass die Netze zu schwer werden, sinken sie auf den Meeresboden.

Eine Gruppe von Meeresforschern und Umweltschützern aus Asien und den USA will sich in den kommenden Monaten mit dem Problem befassen. An Bord eines japanischen Forschungsschiffs werden sie den Müllstrudel gleich zwei Mal durchqueren und dabei Erkenntnisse darüber sammeln, wie der Plastikmüll geborgen und entsorgt werden kann. Ein Fischtrawler begleitet die Gruppe. Mit seiner Hilfe sollen unterschiedliche Fangmethoden für das Müll-Treibgut getestet werden.

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  • Dieses Thema wird wohl früher oder später noch alle Menschen auf der Welt angehen. Spätestens wenn die Fische so voller bisphenol-A sind, dass sie Niemand mehr essen kann.

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