Plastikmüll in Gaza
Recycling zum Überleben

Mit Plastikmüll von Stränden und Straßenrändern hält eine Fabrik im Gaza-Streifen den Betrieb aufrecht. Dank Recycling gibt es Ersatz für fehlenden Kunststoff, den Israel kaum in den Küstenstreifen lässt.

GazaOmar Ramlawi hat aus der Not eine Tugend gemacht. In seiner Fabrik in Gaza gewinnt er aus Plastikmüll dringend benötigtes Ausgangsmaterial für Kunststoffrohre und Schläuche, das angesichts der israelischen Blockade des Küstenstreifens sonst nur schwer zu bekommen ist. Zugleich trägt er zum Schutz der Umwelt bei.

„Wegen der Blockade und der Importeinschränkungen mussten wir Materialien nutzen, die es in Gaza gibt, und diese recyceln“, erklärt Ramlawi seine unternehmerische Entscheidung. „So kam die Idee auf, und wir haben sie weiterentwickelt.“ Ohne die aufgewerteten Abfälle hätte er seine Anlage schon längst dicht machen und die 50 Angestellten entlassen müssen, sagt Ramlawi.

Recycling ist eine eher neue Erscheinung im verarmten und isolierten Gazastreifen. Die ohnehin schwache Wirtschaft des palästinensischen Gebiets leidet unter dem Konflikt mit Israel und dem Missmanagement der regierenden Hamas. Deren Machtübernahme 2007 war für Israel Anlass zur Blockade des Küstenstreifens, mit der Begründung, eine Aufrüstung der radikalislamischen Bewegung verhindern zu müssen.

Ohne Recycling wäre das Unternehmen verschwunden

Leidtragende sind die rund 1,8 Millionen Einwohner. Es fehlt an vielem, die Arbeitslosigkeit liegt nach Zahlen der Weltbank bei rund 40 Prozent. Omar Ramlawis Recycling-Fabrik gehört zu den wenigen Unternehmen, die überlebt haben. Die Anlage produziert nun täglich zwischen 1,5 und zwei Tonnen Rohre für Bewässerungsanlagen, Umhüllungen für Kabel oder Mülltüten für den einheimischen Markt.

Ohne das Recycling wäre auch Ramlawis Unternehmen verschwunden. Das wichtige Ausgangsmaterial Polyethylen kam lange nur eingeschränkt in den Gazastreifen. Zuletzt hat Israel den Import ganz gestoppt. Seit drei Monaten habe er nichts mehr bekommen, sagt Ramlawi.

Die israelische Verteidigungsbehörde COGAT, die für die zivilen Angelegenheiten im Gazastreifen zuständig ist, begründet das damit, dass Polyethylen auf der Liste der „Dual-Use“-Materialien steht. Solche Stoffe lassen sich für friedliche Zwecke, aber auch für die Rüstung nutzen.

Damit könne die Hamas den Kunststoff für ihre militärischen Zwecke einsetzen, heißt es. Für eine Einfuhr seien daher „Sicherheitsüberprüfungen nötig, um sicherzustellen, dass die Materialien ihr richtiges Ziel erreichen und den Einwohnern von Gaza zugutekommen“, erklärt COGAT.

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Vier Euro für eine Karre voll Plastik

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