Power to Gas
Gas aus Wind und Sonne

Eine neue Idee elektrisiert die Energiebranche: Überschüssiger Wind- oder Solarstrom soll in Gas verwandelt und so gespeichert werden. Erste Tests mit der Power-to-Gas-Technik sind vielversprechend.
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KölnBisher kam der Großteil des Erdgases über Pipelines und viele, viele tausend Kilometer nach Deutschland - aus Sibirien oder Norwegen etwa. Demnächst könnte das Gas direkt vor der deutschen Nordseeküste produziert werden. "Power to Gas" heißt das Verfahren, bei dem aus Windstrom per Elektrolyse Wasserstoff und in einem zweiten Schritt Methan hergestellt wird.

Das Thema elektrisiert die gesamte Energiebranche. Die Betreiber von Wind- oder Solarkraftanlagen hoffen, ihren überschüssigen Strom auf diesem Weg im Erdgasnetz speichern zu können, die Gaswirtschaft sieht darin ein neues Geschäftsmodell. Einige Testanlagen gibt es bereits, andere sind im Bau.

Noch sind diese allerdings nicht wirtschaftlich. "Hier muss nicht nur die Technologie weiterentwickelt, es müssen auch die regulatorischen Randbedingungen verbessert werden", sagt Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation. Die Konzerntochter ist an einem Wasserstoff-Pilotprojekt beteiligt. Ende Oktober ging es in Betrieb.

"Power to Gas" soll zu einem wichtigen Element der Energiewende werden. "Wenn es gelingt, genug Anlagen zu bauen, könnte dem Erdgasnetz eine wichtige Rolle in der Energieinfrastruktur der Zukunft zukommen", sagt Kirsten Brodde vom Energieversorger Greenpeace Energy. Das Unternehmen fördert Elektrolyseanlagen mit einem eigenen Tarif. Kunden zahlen 0,4 Cent pro Kilowattstunde mehr, um die neue Idee zu unterstützen.

"Derzeit gibt es keine Energiespeicher, die in großem Stil einsetzbar sind", sagt Brodde. Aber genau die sind nötig, um eine stabile Stromversorgung durch Wind- und Sonnenkraftwerke sicherzustellen. Denn bei Flaute, Wolken und nachts erzeugen sie kaum Strom, bei Sturm und im Hochsommer sogar zu viel. "Für eine effiziente Versorgung müsste die überschüssige Energie gespeichert werden, um für schwächere Zeiten vorzusorgen", sagt Kirsten Brodde.

Doch im Moment passiert öfter das Gegenteil - weil das überforderte Netz den grünen Strom nicht optimal verteilen kann. Viele Windturbinen, gerade im Norden, müssen deshalb stehen bleiben: Sie dürfen ihren Strom nicht einspeisen, weil die Leitungen überfüllt sind. 150 Gigawattstunden gingen so im vergangenen Jahr verloren, schätzt der Bundesverband Windenergie. "Ein Potenzial, das man mithilfe des Erdgasnetzes aufnehmen, weiter nutzen oder am Ende wieder rückverstromen könnte", hofft Greenpeace-Energy-Expertin Brodde.

Während das Stromnetz oft überfüllt ist, gibt es in Deutschlands Gasleitungen und Gasspeichern noch viel Platz. "Schätzungsweise sind es 23 Milliarden Kubikmeter", sagt Jürgen Lenz, Vizepräsident des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) "Das entspricht 230 Terawattstunden an Strom" - also mehr als einem Drittel des Jahres-Stromverbrauchs in Deutschland.

Kommentare zu " Power to Gas: Gas aus Wind und Sonne"

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  • Der Wirkungsgrad eines Benzinmotors liegt bei nur 35%.
    Trotzdem wird er millionenfach gebaut. Also der Wirkungsgrad für P2G sollte kein Grund sein, die Technik als ineffizient abzutun.

  • Immer ruhig bleibe, bitte.
    Viele der hier angesprochenen Beispiele stammen aus den 1970er bis 1990er Jahren. Der eigentliche Hype bei Wasserstoff und Brennstoffzellen war im Jahr 2000, danach flaute er wieder ab,
    Heute nehmen Energie-Firmen nur noch die Hände aus den Taschen, wenn sie stattliche staatliche Unterstützung für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bekommen, die sie zum Teil schon vor Jahren gemacht und wieder abgebrochen haben. So geht es nicht wirklich weiter, meine Herren!

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