Preise steigen
Soja-Angebot schrumpft

Preissteigerung und kein Ende: Da die globale Nachfrage die Sojaproduktion mittlerweile weit übertrifft, ist vorerst nicht mit einer Entspannung der Marktsituation zu rechnen. Derweil steht Südamerika im Blickpunkt – dort steht die Ernte an.

SÃO PAULO. Das Angebot an Ölsaaten wird immer knapper. Angesichts sinkender Lagervorräte wird die Ernte in Südamerika ausschlaggebend dafür sein, ob den Sojapreisen an den Rohstoffmärkten ein neuer Preisschub droht.

„Das weltweite Defizit an Ölsaaten war noch nie so groß wie heute“, sagt Thomas Mielke vom Branchendienst OilWorld aus Hamburg. Ein Grund dafür ist, dass die Soja-Produktion erstmals seit vier Jahren 2008 geringer ausfallen wird als die Nachfrage. Bis August nächsten Jahres wird eine Produktion von 237,55 Mill. Tonnen Soja erwartet, die allerdings die Nachfrage von 239,66 Mill. Tonnen nicht decken kann. Zusätzlich werden wegen schwacher Ernten in den USA und China – den beiden größten Nachfragern weltweit – die Lagervorräte das dritte Jahr in Folge schrumpfen. Heute gibt es noch 71 Mill. Tonnen Soja in den Silos. „In einem Jahr könnten es nur noch 55 Mill. Tonnen sein“, prognostiziert Mielke. „Wenn jetzt bei der Ernte in Südamerika etwas schiefgeht, dann wird das Angebot knapp.“

Brasilien und Argentinien sind heute zusammen die wichtigsten Exporteure für Soja auf dem Weltmarkt. Da aber auch die Produktion anderer Ölsaaten wie Raps oder Sonnenblumen ebenfalls erstmals seit langem geringer ausfallen wird, hat das zunehmende Ungleichgewicht zwischen Produktion, Lagerbeständen und Nachfrage an den Terminbörsen bereits für heftige Preissteigerungen gesorgt: In den vergangenen zwölf Monaten gewann Soja an der Börse in Chicago 80 Prozent an Wert. Mit zeitweise über zehn Dollar je Bushel hat Soja allein im September zwölf Prozent zugelegt.

Insgesamt liegt der Preisschub für Soja im allgemeinen Trend der Agrarprodukte, denen zurzeit das stärkste Anstiegspotenzial unter den Rohstoffen zugesprochen wird. Die Agrarexperten der US-InBank Goldman Sachs rechnen damit, dass der Preisanstieg der agrarischen Produkte 2007 gegenüber dem Vorjahr insgesamt bei durchschnittlich 31 Prozent liegen wird.

Zum Vergleich: Trotz der Höchstpreise für Öl und Gas erwarten Experten nur einen Anstieg der Energiepreise von rund sieben Prozent gegenüber 2006. Weizen (plus 56 Prozent), Soja und Mais (beide plus 40 Prozent) führen die Liste der diesjährigen Teuerungen an.

Bisher erwarten die Goldman-Sachs-Analysten aber nicht, dass Soja noch teurer wird. Als Durchschnittspreis über die nächsten drei und sechs Monate prognostizieren sie rund 900 Cents und für 2008 einen Durchschnittspreis von 911 Cents/bushel. Unter dem Strich wird also sogar ein leichter Preisrückgang erwartet.

Allerdings unterliegen die Sojapreise wegen der Vielseitigkeit des Produkts dem Einfluss von Angebot und Nachfrage auf zwei anderen Märkten: Denn die Bohne ist sowohl öl- als auch proteinhaltig. Sie kann als Tierfutter eingesetzt werden, also am Beginn der Verarbeitungskette der Lebensmittelindustrie, aber auch direkt konsumiert werden. Daneben korreliert der Sojapreis zunehmend mit dem Preis für alternative Treibstoffe und damit letztlich mit dem Ölpreis.

In steigenden Mengen wird Soja selbst für die Produktion von Biodiesel verwendet. Aber auch die Nachfrage nach Ethanol beeinflusst entscheidend das Sojaangebot und damit den Preis. Denn wegen des Ethanolbooms der letzten zwei Jahre haben immer mehr Farmer in Brasilien ihre Sojafelder in Zuckerrohrplantagen umgewandelt. Der Prozess scheint wegen der niedrigen Zuckerpreise gestoppt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zucker-/Ethanolpreise wieder anziehen werden. Grund dafür sind die rekordhohen Ölnotierungen. Einem ähnlichen Konkurrenzdruck ist Soja in den USA durch Mais ausgesetzt: Rund fünf Mill. Hektar ist der Maisanbau gewachsen, zur Herstellung von Ethanol – größtenteils auf Kosten des Sojaanbaus.

Preistreiber waren zudem zahlreiche Agro-Energie-Fonds, die in den letzten Monaten lanciert wurden und um Anleger konkurrieren. Renato Sayeg von Tetras Corretora rechnet damit, dass die hohe Liquidität dieser Fonds die Sojapreise zusätzlich stützen wird.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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