Prognosen übertroffen
CO2-Ausstoß nimmt weltweit rasant zu

Der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Der Anstieg hat selbst die pessimistischsten Prognosen des Weltklimarats IPCC übertroffen. Angeführt wird die Liste der Klimasünder von den üblichen Verdächtigen.

ap WASHINGTON. Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Laut einer aktuellen Untersuchung, die auf Daten des Ölkonzenrs BP beruhen, stiegen die CO2-Emissionen um drei Prozent und übertrafen damit selbst die pessimistischsten Prognosen des Weltklimarats IPCC. Größter Klimasünder war nach Angaben des Global Carbon Projects (GCP) China, gefolgt von den USA.

Während mehrere Industriestaaten, darunter Deutschland, ihren CO2-Ausstoß 2007 drosseln konnten, stieg er in den USA um zwei Prozent. In Dänemark ging er um acht Prozent zurück, in Deutschland und Großbritannien um drei Prozent, in Frankreich und Australien um zwei Prozent. Erhebliche Zuwachsraten in China, Indien und anderen Schwellenländern ließen den Ausstoß des klimaschädlichen Gases aber auf den Rekordwert von 8,47 Mrd. Tonnen steigen.

Aus Zahlen, die von wissenschaftlichen Instituten in den USA, Großbritannien und Australien veröffentlicht wurden, geht hervor, dass die zusätzlichen Emissionen in China mehr als die Hälfte des weltweiten Anstiegs ausmachten. "Die Dinge geschehen sehr, sehr schnell", sagte Corinne Le Quéré, Professorin für Umweltwissenschaften an der Universität von East Anglia und beim britischen Antarktisdienst. "Es ist beängstigend."

Die Zahlen beruhen auf Daten des Ölkonzerns BP. In China wurden demnach 2007 insgesamt 1,8 Mrd. Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen, 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. "Wir verlagern Arbeitsplätze aus den USA, aber wir verlagern mit ihnen auch Kohlendioxidemissionen", sagte Gregg Marland, ein ranghoher Wissenschaftler des US-Energieministeriums. China stelle beispielsweise Dünger, Zement und Stahl her, und in diesen Branchen werde sehr viel Energie verbraucht.

Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien, die laut dem Klimaabkommen von Kyoto aus dem Jahr 1997 ihren Ausstoß klimaschädlicher Gase nicht senken müssen, sind inzwischen für 53 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Sie überholten die Industriestaaten 2005, wie eine neue Auswertung älterer Zahlen ergab. Indien sei dabei, Russland auf Rang drei abzulösen, erklärte Marland. Die Werte in Indonesien stiegen ebenfalls rasant an.

Gleichzeitig geht die Fähigkeit von Wäldern und Ozeanen, Kohlendioxid zu absorbieren, zurück. Von 1955 bis 2000 hätten Wälder und Ozeane etwa 57 Prozent des überschüssigen Kohlendioxids aufgenommen, erklärte Corinne Le Quéré. Inzwischen seien es nur noch 54 Prozent. Durch das Abholzen von Wäldern in tropischen Ländern wurden 1,5 Milliarden Tonnen mehr CO2 in die Atmosphäre abgegeben als neu gepflanzte Bäume absorbieren konnten.

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