Projekt Desertec: Schattendasein für den Sonnenstrom

Projekt Desertec
Schattendasein für den Sonnenstrom

Das milliardenschwere Desertec-Vorhaben kommt in der aktuellen Energiedebatte nicht vor. Dabei arbeiten die Initiatoren des ehrgeizigen Wüstenstrom-Projekts weiter intensiv an dem Projekt und wünschen sich mehr Unterstützung.
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MÜNCHEN. Es ist still geworden um den Strom aus der Wüste. Vor knapp einem Jahr unter großem Presserummel von deutschen Großkonzernen auf den Weg gebracht, führt das ehrgeizige Desertec- Projekt mittlerweile ein Schattendasein. Während sich Politiker aller Parteien die Köpfe heißdiskutieren über längere Laufzeiten für Kernkraftwerke und Brennelementesteuer, ist von den Solarkraftwerken in der Sahara im Energiekonzept der Bundesregierung nach bisherigen Informationen nicht einmal mehr die Rede.

Die Initiatoren beklagen bereits mangelnde Unterstützung aus der deutschen Politik. Dabei hatte sich nicht nur die Industrie, sondern auch die Bundesregierung anfangs hinter die Wüstenstrom-Pläne gestellt und sie sogar in den Koalitionsvertrag als Option für die langfristige Energieversorgung aufgenommen, sagt der Niederländer Paul van Son. Seit vergangenen November leitet er die mit der Umsetzung betraute Projektgesellschaft Dii GmbH in München.

In vielen Ländern der Welt werde das Projekt als visionär geschätzt, sagt van Son. Niemand würde verstehen, wenn das Thema ausgerechnet in Deutschland jetzt in den Hintergrund geriete. „Unsere Pläne sind für die Bundesregierung eine hochinteressante Option zur Erreichung ihrer Klimaziele und auch für die Technologieführerschaft der deutschen und europäischen Industrie von großer Bedeutung.“ In einem Brief hatte sich das Industriekonsortium deshalb kürzlich bei Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und mehreren Ministerien beschwert - bisher ohne nennenswerte Reaktion aus Berlin.

Zu einem Teil dürfte die Zurückhaltung daran liegen, dass bisher noch kein Bagger angerollt, noch kein Spatenstich gemacht ist. Denn das Szenario klingt eigentlich verlockend: Solarthermische Kraftwerke, Photovoltaik- und Windkraftanlagen mit bisher ungekannter Kapazität in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens könnten nicht nur die Menschen in der Region mit Strom versorgen, sondern bis zum Jahr 2050 über ein geeignetes Leitungsnetz auch 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Van Son weiß, dass die Pläne möglichst rasch umgesetzt werden müssen, um Unterstützer und potenzielle Investoren bei der Stange zu halten. „Wenn wir uns ins Studierzimmer zurückziehen, werden wir nicht ernst genommen.“

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Kommentare zu " Projekt Desertec: Schattendasein für den Sonnenstrom"

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  • *kopfschüttel* Wer heute ein Projekt mit 400 Milliarden Euro anfasst, kommt um chinesische und arabische Geldgeber nicht mehr rum. in bRDien gibt es ja noch nicht mal für den innovativen neuen Mittelstand mehr Geld für neue Produkte. Es kann sich bei Desertec also nur um eine Geldbindungs-Ente handeln, sprich ein Subventionstopf für einige ausgewählte Unternehmen und Vitamin b zu einer gewissen bank, die natürlich gerne solche Summen verwalten möchte, schon allein wegen der Zinsen, die dabei abfallen...

  • Die Dii GmbH ist zu allererst mal vorwiegend eine GmbH. Und das ohne viele Mitarbeiter oder eine systemische bedeutung, die notwendig wäre, damit der Staat überhaupt an eine "Rettung" eines Unternehmens denkt. Aber ein Pleiteunternehmen ist die Dii ohnehin nicht.
    Was ich mit meinem Kommentar noch einmal klarstellen will, ist der Unterschied zwischen investitionen und Kosten. investitionen von 400 Mrd. Euro sind vor allem eine Chance für die Länder im nordafrikanischen Raum. Sollte sich die Rendite der investition nicht rechnen, dann haben die Unternehmen Pech. Stromversorger könnten es an ihre Stromkunden weitergeben. Aber dann ist auch genau das der Preis für Strom um ihn nachhaltig herzustellen. Klimaschutz gibt es nicht umsonst. Der derzeitige Strompreis zeigt eine ineffizienz des Marktes, weil er Umweltschäden nicht internalisiert.
    Übrigens ist der Herr van Son (ein o) nicht der Sprecher sondern der Geschäftsführer der Dii GmbH, die bis jetzt bestimmt keine Millionen "verschluckt" hat. Wenn da mittlerweile 25 Mitarbeiter arbeiten ist das viel!

  • "Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen sondieren van Son und sein Team vor allem die Marktchancen für den zu erzeugenden Strom...bis 2012 soll das Geschäftsmodell stehen..."

    Ja dann soll Desertec doch erstmal die Planung fertig machen, bevor sie über fehlende politisch Unterstützung jammern. Niemand würde heute ein Unternehmen finanziell unterstützen, dass erst 2012 die Planung zeigen will und damit erst den Nachweis erbringt, ob sich da etwas lohnt oder nicht.

    "...gigantische investitionsvolumen für das Wüstenstrom-Projekt von rund 400 Mrd. Euro auch für Kopfschütteln in der Öffentlichkeit gesorgt. Doch van Son winkt ab: Die Summe sei nur eine grobe Schätzung aus einer Studie..."

    Und was hat uns die Vergangenheit gelehrt? Die "groben Schätzungen" werden doch später in der Realität zu doppelt so hohen Kosten. Da werden investitionen vorher schön gerechnet, damit die investoren anbeißen. Hinterher muss der Steuerzahler oder der Stromkunde dafür einspringen und bluten. Desertec ist doch nur ein Planungskonsortium. Hier werden doch schon sinnlose Millionen ohne jegliche Produktivität verbraten bevor ein einziger Spatenstich in der Wüste getan wird. Natürlich muss van Son ganz laut nach der Politik schreien. Wenn sein Projekt bedeutungslos wird, hat er erstmal keinen Job mehr. Und auch die anderen, die er in sein Konsortium geholt hat und damit einen Job verschafft hat, verbrauchen nur Geld ohne irgendetwas zu Schaffen. Für sowas haben wir doch schon unsere Politiker und ihre erfundenen Ministerien. Desertec hat sich selbst erfunden und jetzt scheint die Politik mal ernsthaft darüber nachzudenken, ob man diese Scharlatane noch ernst nehmen sollte. Es reicht doch, dass uns der Klimarat regelmäßig Lügen über den Klimawandel auftischt und uns dafür zur Kasse bittet. Lasst uns doch erstmal diesen Verein ausbezahlen, bevor sich der nächste Hiobsbotschafter nach vorn drängelt

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