Qarnot Computing
Recyceln zum kostenlosen Heizen

Die Beheizung von Wohnungen beziehungsweise Büros durch das Recycling der von Computern abgegebenen Wärme: Das ist das Credo des jungen Unternehmens Qarnot Computing, das 2010 gegründet wurde.

DüsseldorfVon der Feststellung ausgehend, dass Computer-Server sich beim Betrieb erwärmen, hatte Geschäftsführer und Gründer Paul Benoît die Idee, mit dem Internet verbundene Computer in klassische Heizkörper zu integrieren. Dadurch wurde ein ganz neues Konzept geschaffen: der „Q­Rad“, der weltweit erste digitale Radiator. Dabei handelt es sich um einen Apparat, der Betrieben die Rechenleistung seiner Computer­Server ferngesteuert zur Verfügung stellen kann. „Im Austausch dafür ist die Heizung für den Nutzer gratis, wobei ihm sein Verbrauch erstattet wird, und er kann die Temperatur mithilfe eines Thermostats modulieren“, stellt der Absolvent der Elite­Uni „École polythechnique“ klar.

Ein innovatives Modell, das es diesem kleinen Startup­Unternehmen mit der Bezeichnung Qarnot Computing – wie er hervorhebt im Gedenken an den Erfinder der Thermodynamik Sadi Carnot – ermöglicht, zweigleisig zu fahren, um Gewinne zu machen. Auf der einen Seite vermarktet es diese Kalkulationsfähigkeit, indem es alle Sektoren überzeugt, die diese intensiv verbrauchen, insbesondere Banken, Animationsstudios, Forschungszentren sowie Industriekonzerne wie Air Liquide (eines der führenden Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz). „Der Kalkulationsbedarf ist gigantisch. Und unsere Lösung ist zugleich wirtschaftlich – weil sie dreimal weniger kostet als die Inanspruchnahme eines Datenzentrums – und ökologisch. Sie reduziert den Kohlenstoff­Fußabdruck auf ein Viertel“, betont Paul Benoît, wenn er auch einräumt, dass man die Konkurrenz von Amazon, Google und IBM in dieser Marktnische hinnehmen muss.

Handelsblatt-Spezial: Wo steht die Welt?
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    Auf der anderen Seite verkauft das Unternehmen seine digitalen Heizkörper. Mit diesem Vorteil, Heizen kostenlos zu machen, sind die Q­Rads für den sozialen Wohnungsbau, Bankennetze etc. interessant. So haben sie etwa die Immobilienverwaltung der Stadt Paris überzeugt, die dieses innovative System für die Ausstattung von Sozialwohnungen im 15. Pariser Arrondissement gewählt hat. Außerdem werden damit die Räumlichkeiten der Innovations­ und Startup­Schmiede von Télécom Paristech (einer der Top-Graduiertenschulen für Ingenieurwesen in Frankreich) beheizt.

    Im Jahr 2015 strebt Qarnot Computing, das 23 Arbeitnehmer in Montrouge südlich von Paris beschäftigt, 1 Million Euro Umsatz an, nachdem im Vorjahr 350.000 Euro erzielt wurden. Das Erreichen der Gewinnschwelle wird „mit Ausblick auf 2017“ erwartet. Ausgerüstet mit dem Anfang 2014 durchgeführten Fundraising von 2 Millionen Euro bei den Business Angels, ist sein Geschäftsführer allerdings bereit, in eine neue Dynamik einzutreten, um die Entwicklung des Unternehmens zu beschleunigen. Er ist heute bestrebt, den Wert seines Radiators durch neue Funktionen zu erhöhen. Das Ziel? Die Positionierung in der vielversprechenden Marktnische des integrierten intelligenten Hauses. „Unsere Heizkörper können weiterentwickelt werden, indem Sensoren installiert werden, mit denen es beispielsweise möglich ist, die Helligkeit oder die Luftqualität eines Zimmers zu messen, oder sogar zu wissen, ob eine Person gestürzt ist, was sich bei der Beobachtung älterer Menschen als nützlich erweisen kann. Das interessiert die Architekten sehr“, erklärt der Mann in seinen Vierzigern.

    Bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, einer der weltweit größten Elektronik­Fachmessen im nächsten Januar, wird der Jungunternehmer, der zugleich mit Orange für den Ausbau der Glasfaser und mit HP in der Forschung Partnerschaften eingegangen ist, eine komplexere Version seines Q­Rads präsentieren. Des Weiteren hofft er, schnell auch ausländische Märkte erschließen zu können. Dafür muss er sich allerdings auf die Suche nach neuen Finanzierungsmitteln machen.

    Für weitere Informationen: Webseite.

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