Radioaktivität in Fukushima
„Was tun Sie da eigentlich?“

Alarmierend hohe Strahlenwerte in Fukushima haben der Welt gezeigt, dass Japans Atomkrise keineswegs überwunden ist. Den Japanern ist längst klar, dass sie sich bei der Aufklärung nicht auf die Behörden verlassen können.
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TokioIn den westlichen Medien spielt die Natur- und Atom-Katastrophe von Japan kaum noch eine Rolle. Doch während der Wiederaufbau in den von Erdbeben und Tsunami zerstörten Gebieten langsam voranschreitet, wächst die Radioaktivitätsgefahr im Land anstatt abzunehmen. So wurden am Montag rund um das havarierte Kraftwerk Fukushima Daiichi die höchsten bisher gemessenen Kontaminationswerte festgestellt. Zugleich werden immer mehr Lebensmittel aus dem Verkehr gezogen. Am Montag kündigte das Agrarministerium an, nun auch Japans wichtigstes Produkt unter die Lupe nehmen zu wollen: den Reis.

Japans Bevölkerung dämmert längst, dass die Wahrheit über die Folgen des Atomunfalls noch lange nicht auf dem Tisch und dass bei der nötigen Aufklärung auf die Behörden kein Verlass ist.  Wie anders sind Berichte zu erklären, dass die Atomaufsicht offenbar gemeinsam mit den Energiekonzernen versucht hat, die öffentliche Meinung zur Kernkraft zu manipulieren? Sorge bereitet den Bürgern zudem, dass in der Anlage von Fukushima Daiichi jetzt plötzlich ein Wert von 10 Sievert pro Stunde gemessen wird – obwohl der Betreiber Tepco und die Regierung bislang davon sprachen, die Anlage kühltechnisch im Griff zu  haben. Eine Einzeldosis würde einen Menschen „innerhalb weniger Wochen“ töten, heißt es bei der Weltnuklear-Vereinigung. Der international geltende zulässige Höchstwert für eine Jahresdosis ist ein Millisievert.

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Die Strahlung rund um das Kraftwerk könnte zudem noch höher sein, weil die Messgeräte von Tepco keine höheren Werte als 10 Sievert anzeigen. Nach Angaben des für die Nuklearkrise zuständigen Ministers Goshi Hosono gingen die Arbeiten an dem Kraftwerk dennoch wie geplant weiter. „Das wird die Arbeit zur Herstellung einer stabilen Kühlung nicht beeinträchtigen“, so Hosono.

Doch die Kontaminierung des Landes schreitet schleichend weiter voran. Zu den Hunderten von Lebensmitteln, die mittlerweile aus bestimmten Gebieten nicht mehr konsumiert werden sollten, etwa Fisch, Pilze, Milch, gesellt sich nach dem jüngsten Skandal um verseuchtes Rindfleisch nun wohl auch noch der Reis. In mindestens 14 Präfekturen im Nordosten soll nun noch vor der Ernte untersucht werden, ob im dort angebauten Reis die Menge an radioaktivem Cäsium die Grenzwerte überschreitet. Experten glauben, dass dies ganz sicher der Fall sein wird.

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So viel radioaktives Material wie 10 Atombomben

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  • Bei uns kennt man das was die da tun etwa mit dem Begriff Potemkinsche Dörfer bauen. Alles nur Schein und Fassade.
    Die verstrahlen weiter das Meer und die Region, was sonst.
    Am Anfang als man sah wie die Kraftwerke explodierten hatte ich schon mal gesagt die Reaktoren sind ex und hop und wurde aus welchen Gründen auch immer als Schwarzseher angefeindet. Nun ja was soll`s. Ich sage auch wieder da wurden aus Geldgier sagen wir mal 150 Millionen $ eingespart, anstatt die Mauer so hoch auszulegen wie es für das Gebiet notwendig gewesen wäre. Das mit Billigung der Politik und der Internatinonalen Atomenergiebehörde. Geiz ist Geil , gelle , kostet ja nur das Leben oder die Gesundheit der Menschen die da in der Nähe eines Kraftwerkes wohnen. GANOVENBANDE

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