Recycling
Müllkippen werden zu Goldgruben

Während die globalen Abfallberge wachsen, werden Rohstoffe knapp – auch Unternehmen kämpfen mit rasant steigenden Preisen. Neue Recyclingmethoden sollen dabei helfen, selbst auf Müllkippen Bodenschätze zu heben.
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KölnDie Armee aus Müll macht vor keiner Grenze halt: 800 lebensgroße Figuren, geformt aus Abfällen, lässt der Kölner Künstler HA Schult durch die Welt ziehen. Sie standen an der Chinesischen Mauer, den Pyramiden von Gizeh und auf dem Roten Platz in Moskau. Zuletzt ging es in die Arktis.

Seit 15 Jahren prangern die Müllmenschen Ressourcenverschwendung an, doch derzeit ist ihre Botschaft dringlicher denn je. Während die globalen Abfallberge wachsen, werden Rohstoffe knapp – auch Unternehmen kämpfen mit rasant steigenden Preisen. Neben Investitionen in sparsamere Produktion gewinnt deshalb das Recycling an Bedeutung. Neue Methoden sollen dabei helfen, selbst auf Müllkippen Bodenschätze zu heben.

Beim „Urban Mining“ übernehmen Städte die Rolle von Rohstofflieferanten. Nicht nur beim Abriss von Gebäuden wird brauchbares Material gesammelt. „In Deponien lagern viele Materialien wie elektronische Bauteile, die wertvolle Metalle enthalten“, sagt Thomas Held, Umwelttechnikexperte beim Beratungsdienstleister Arcadis. „Urban Mining könnte Deutschland von Rohstofflieferanten unabhängiger machen und viel Geld einsparen.“

Wie wertvoll Müllkippen sind, haben Forscher im hessischen Reiskirchen und in Hechingen in Baden-Württemberg ermittelt. Sie errechneten Werte von über 100 Millionen Euro. Allerdings ist es derzeit noch zu teuer, die Rohstoffe zu fördern, sagt Held. Er schätzt, dass die Kosten doppelt so hoch liegen wie die Erlöse, weil der Müll mit hohem Aufwand aufbereitet werden muss. Zudem sei unsicher, ob die Wertstoffe die nötige Qualität haben.

Angesichts steigender Weltmarktpreise und dank verbesserter Recyclingtechnik könnte sich das Unterfangen jedoch bald lohnen. Zuvor muss das Potenzial einzelner Deponien noch genauer ausgelotet werden. „Mit Probebohrungen ist das nicht zu erfassen“, sagt Held – die Wertstoffe seien zu ungleich verteilt. Zudem könne Restmüll als Brennstoff Kohle ersetzen.

Parallel zur Erforschung neuer Techniken für die Rohstoffgewinnung auf Abfalldeponien setzen die Spezialisten auf bessere Wertstoffkreisläufe. Auch hier sind Innovationen nötig. Zwar werden Industriemetalle wie Kupfer oder Blei schon zum allergrößten Teil wiederverwertet. Doch finden sich auch in Elektrogeräten viele begehrte Metalle.

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Wachstum im Ausland

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  • Urban Mining hilft bei der Lösung einiger der schwerwiegensten Probleme und Herausforderungen unserer Zukunft. Mittelfristig muss die Wirtschaft wohl oder übel zur Kreislaufwirtschaft werden müssen. Ob der Wandel aber freiwillig stattfinden wird oder wir durch die Umstände früher oder später dazu gezwungen sein werden bleibt abzuwarten. Die natürlichen Ressourcen sind nicht unbegrenzt vorhanden, die Weltbevölkerung wächst aber rasant. Was passieren wird liegt auf der Hand. Kallaps ist vorprogrammiert, Kriege um Ressourcen sehr wahrscheinlich. Wir exportieren unsere Rohstoffe zu 70% nach Afrika und nennen es Schrotttoursimus. Ein sehr schönklingender Begriff für das was es eigentlich ist. Technologien zur Wertstoffverwertung wie sie von Remondis, Alba, Layton und wie sie alle heissen eingesetzt werden, müssen effizienter werden. In userer Abfall und Wegwerfgesellschaft könnte man einen weitaus höheren Prozentsatz an Rohstoffen zurückgewinnen. Neue Technologien und ein Umdenken in der Gesellschaft sind dabei nur die ersten Schritte die zu gehen sind.

  • Ich kann dem o.g. Beitrag nur zustimmen und den Grünen herzlich empfehlen, endlich neben der Solar- und Wind-Lobby auch die Recycling-Lobby zu stärken. In Berlin (Ost) gab es eine Firma, die war international führend in der Verfahrensentwicklung für Recycling u.a. von Elektronic-Schrott. Dort wurden Farbbildröhren in alle Einzelbestandteile bis zu den hochwertigen Farbpigmenten (seltene Erden!)auf dem Display zerlegt und in den Herstellungsprozess zurückgeführt. Sie entwickelten auch ein Verfahren zum Autoreifen-Recycling, das leider über einen Prototyp mangels Interesse der Wirtschaftspolitik nicht hinausging. Es ist eben immer noch effektiver, Müll nach Osteuropa oder Asien zu entsorgen als zu recyclen. Wann kommen die ersten Solarmodule auf den Schrott???? Gibt es dafür schon eine Entsorgungsstrategie, oder schiebt man sich dann wie bei dem Atommüll noch Jahrzehnte die Bälle gegenseitig zu?

  • Deshalb wird in Deutschland die Müllverbrennung durchgesetzt. Es bringt halt mehr, aus Müll für dessen Entsorgung die Verbraucher bezahlen!!! Energie zu gewinnen, und diese dem verbraucher wiederum in rechnung zu stellen. Schon toll die Lobbyarbeit der Kartelle in Wirtschaft und Politik.
    Statt konsequent ein System (wie Sero in der DDR aufzubauen) verbrennen wir den Müll mit allem was drin ist. Und das alles nur weil DSD ein privatunternehmen ist, das sich Fürsprecher in der Politik gekauft hat.

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