Reisebranche entdeckt Klimaschutz Schmutzbilanz mit Folgen

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Das nützt nicht nur der Umwelt, „auch die Reisekostenrechnung der Unternehmen wird entlastet, wenn die Leute weniger unterwegs sind“, sagt Hans Lehrburger von der Unternehmensberatung HLC Consulting und Software in Erlangen, „und das ist sicher ein wesentlicher Grund, warum sich nun auch Travel Manager für das Thema interessieren.“

Die Kosten sind allerdings auch das Haupthindernis, wenn es darum geht, den Klimaschutz auch finanziell zu fördern. Erst wenige deutsche Unternehmen haben sich bisher dazu durchgerungen, für ihre Geschäftsreisen auch Ausgleichszahlungen an Klimaschutzorganisationen wie Atmosfair zu zahlen: Für einen Flug von Düsseldorf nach Mailand und zurück kostet das Klimaschutzzertifikat zum Beispiel neun Euro, für Frankfurt–New York und zurück berechnet Atmosfair 73 Euro. Gefördert werden damit Bewässerungsprojekte in China, Solarküchen in Indien oder eine Biogas-Anlage in Thailand.

Eines der Unternehmen, die den Klimaschutz am konsequentesten angehen, ist die Provinzial Versicherung in Düsseldorf. Treibende Kraft ist dabei der Vorstandsvorsitzende Ulrich Jansen: „Jedes Unternehmen und jede Privatperson trägt hier Verantwortung, alle müssen mitmachen, und auch wir zeigen, dass Dienstleistungsunternehmen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.“

Das umfangreiche und nach den Maßstäben des Environmental Management and Audit Scheme (EMAS) geprüfte und zertifizierte Umweltmanagement erfasst alle Unternehmensbereiche und reicht vom Umbau der Kantinenküchen zur Verbesserung der Energieeffizienz über die Neuanschaffung von erdgasgetriebenen Fahrzeugen für den Fuhrpark bis zum Reisemanagement: Die Provinzial ist Pilotkunde für den neuen Klimarechner des Firmenkreditkartenanbieters AirPlus und erfasst damit den CO2-Ausstoß bei Geschäftsreisen, für alle Flüge werden Kompensationszahlungen an Atmosfair geleistet. Wenn überhaupt noch das Flugzeug benutzt wird: Gereist wird ganz überwiegend mit der Bahn, wer fliegen will, braucht dafür die Genehmigung des Vorstands. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Seit dem Startschuss für das Projekt 2004 konnte der gesamte CO2-Ausstoß um 30 Prozent gesenkt werden, bis 2011 will der Versicherer CO2-neutral wirtschaften.

Doch auch wenn bisher erst eine Minderheit der Unternehmen sich zu so weitreichenden Konsequenzen wie die Provinzial durchgerungen hat – in den Köpfen der Travel Manager ist das Thema angekommen. Rund ein Drittel der 500 VDR-Mitgliedsunternehmen beschäftigt sich nach einer Umfrage des Verbandes mit Klimaschutzproblemen, ein Viertel diskutiert darüber, in die CO2-Kompensation von Dienstreisen einzusteigen, sechs Prozent erwirbt bereits entsprechende Zertifikate oder will das in Kürze tun.

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