Renaissance der Kernenergie
Frankreich setzt voll auf Atomkraft

Das Verhältnis Frankreichs zur Kernkraft ist entspannt, vielleicht sogar freundschaftlich. Atomgegner und Demonstrationen sind trotz 58 Atommeiler die Ausnahme. Die Aussagen der neuen französischen Regierung machen eins klar: Atomkraft ist für das Nachbarland auch in Zukunft die wichtigste Energiequelle. Folglich werden nun auch wieder Kraftwerke gebaut.

PARIS. Frankreichs neuer Umweltminister Alain Juppé war erst wenige Stunden im Amt, da legte er schon die energiepolitische Linie bis zum Jahr 2400 fest. „In den kommenden drei oder vier Jahrhunderten“, so Juppé, „wird es keine Lösung ohne Kernenergie geben.“

Das Wort des auch für Energiepolitik zuständigen Ministers hat Gewicht. Juppé ist Vizepremier der vor knapp zwei Wochen angetretenen Regierung, und er weiß den frisch gewählten Staatspräsidenten hinter sich. Nicolas Sarkozy ließ bereits im Wahlkampf keinen Zweifel daran, dass er an der Kernkraft als wichtigster Energiequelle des Landes festhalten will.

Derzeit decken 58 französische Atommeiler 80 Prozent des Strom- und 17 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Landes ab. Damit ist Frankreich nach den USA die zweitgrößte Atomnation der Welt. Die Mehrheit der Franzosen ist stolz darauf.

Anders als hier zu Lande konnten die Kernkraftgegner jenseits des Rheins nie richtig Fuß fassen. Zwar flammen immer wieder vereinzelte Proteste auf. Anfang April reisten Öko-Aktivisten ins nordfranzösische Flamanville, um dort gegen die Baugenehmigung für den Europäischen Druckwasserreaktor EPR zu demonstrieren. Doch die Atomverweigerer sind in der Minderheit. Die in Deutschland so weit verbreitete Angst vor dem atomaren Gau und vor strahlenden Atommülldeponien ist den meisten Franzosen fremd.

Die mächtige französische Atomwirtschaft muss also kein politisches Störfeuer fürchten. Das atomare Dreigestirn Frankreichs – der Stromversorger Electricité de France (EdF), der Reaktorhersteller Areva sowie die Atomforschungsbehörde CEA – sieht sich in jüngster Zeit sogar bestärkt durch die Klimadebatte. „Nicht Becquerel verdunkeln den Horizont, sondern Treibhausgase. Wir müssen nicht aus der Kernenergie aussteigen, sondern aus den fossilen Energien“, jubiliert François Sorin, Präsident der Société francaise d’énergie nucléaire. Der Atomindustrie hilft auch, dass sich der Westen zunehmend sorgt wegen seiner Abhängigkeit von unberechenbaren Energielieferanten wie Saudi-Arabien oder Russland. Die Kernenergie sichere gegen externe Preisschocks und Lieferstopps ab. „Frankreich hat ein technologisches und ökologisches Risiko für ganz Europa übernommen“, argumentiert Nicolas Baverez, Wirtschaftsberater von Präsident Sarkozy.

Seite 1:

Frankreich setzt voll auf Atomkraft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%