„Rio+20“
Gespannte Gipfel-Stimmung in Brasilien

Schon vor dem Uno-Gipfel „Rio+20“ fühlen sich die Europäer düpiert. Umweltverbände laufen Sturm. Der Zorn richtet sich auch gegen Gastgeber Brasilien, der aufs Tempo drückt. Doch vieles gehört auch zur Gipfeldramaturgie.
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Rio de JaneiroBrasilien hat bei den Vorverhandlungen zum Uno-Umweltgipfel „Rio+20“ das Tempo deutlich erhöht und einen Kompromissentwurf für die Abschlussdeklaration durchgebracht. Das Konferenzplenum stimmte der Vorlage am Dienstag zu, obwohl es vor allem bei der Europäischen Union noch erhebliche Bedenken gab. Allerdings zog man es offensichtlich vor, die Verhandlungen nicht noch mal aufzuschnüren, um Schlimmeres zu vermeiden. Umweltverbände zeigten sich entsetzt.

„Damit ist der Gipfel vorbei, bevor er angefangen hat“, sagte Greenpeace-Experte Martin Kaiser der Nachrichtenagentur dpa in Rio. Der vorliegende 49 Seiten starke Entwurf gebe keine Antwort auf die Umweltkrisen der Welt. Der Text wird nun den über 100 Staats- und Regierungschefs vorgelegt, die zu dem am Mittwoch beginnenden Uno-Gipfel für nachhaltige Entwicklung erwartet werden.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich irritiert über die Verhandlungsführung der brasilianischen Gipfel-Präsidentschaft, betonte aber, dass der Text einen Weg aufzeige, den er „vorsichtig als denkbar“ bezeichnen würde. Die Vorlage gebe ein klares Signal für ein „Upgrade“ (Aufwertung) des Uno-Umweltprogramms (UNEP), auch wenn eine Aufwertung zu einer vollwertigen Uno-Organisation nicht genannt werde. Zudem berücksichtige der Entwurf das Thema Meeresschutz.

Mit Blick auf den „sehr überraschenden Vorstoß“ Brasiliens, die Verhandlungen in der Nacht auf Basis des Kompromisstextes abzuschließen, sagte er aber: „Das war kein Modellfall für freundschaftlichen Umgang. Deshalb haben wir (die EU-Vertreter) uns dem Verfahren widersetzt.“ Die Krise sei in der Nacht früher eingetreten als erwartet. Immerhin sei es Brasilien aber gelungen, einige Positionen der EU aufzunehmen.

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