Risiken des Emissionshandels
Neuland für Versicherer

Kyoto bedeutet für die Münchener Rück ein neues Produkt, die „Kyoto-Multi-Risk-Police", die der Rückversicherer seit kurzem im Programm hat. Dabei handelt es sich nicht um eine x-beliebige neue Versicherungspolice. Mit ihr sichern die Münchener klimaschonende Industrieprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern gegen einen ganzen Strauß von Risiken ab.

MÜNCHEN. Es gibt Kritiker, die sagen, die Münchener Rück habe das Thema Klimawandel für sich entdeckt, weil sich damit prächtig Geld verdienen lässt. Für große Versicherer gehört es freilich zum Geschäft, auf sich ändernde Risiken zu reagieren, die Münchener Rück hat erstmals schon vor gut 30 Jahren vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Fakt ist, dass der Hurrikan „Katrina" im Jahr 2005 den zweitgrößten Rückversicherer der Welt mit gut 1,5 Mrd. Euro belastet hat. Fakt ist auch, dass Versicherungsunternehmen ihre Daseinsberechtigung vor allem darin finden, Risiken zu bewerten, zu übernehmen und Gewinn zu machen.

„Über mangelnde Aufmerksamkeit kann ich nicht klagen, bei mir klingelt wegen Kyoto fünf bis sechs Mal am Tag das Telefon", sagt Richard Wulff, Abteilungsleiter im Bereich Special and Financial Risks der Münchener Rück. Kyoto bedeutet für Wulff ein neues Produkt, die „Kyoto-Multi-Risk-Police", die der Rückversicherer seit kurzem im Programm hat.

Dabei handelt es sich nicht um eine x-beliebige neue Versicherungspolice. Wahrscheinlich gehört das Angebot der Münchener zu den Versicherungsprodukten, die den im Kyoto-Protokoll vereinbarten Emissionshandel erst zu einem wirtschaftlich kalkulierbaren Gut machen. Denn mit seiner neuartigen Police garantieren die Münchener, dass klimaschonende Industrieprojekte in Schwellenund Entwicklungsländern gegen einen ganzen Strauß von Risiken abgesichert werden können. Damit trägt der Rückversicherer dazu bei, dass sich die Investition rechnet.

Als eines der ersten großen Unternehmen überhaupt warnt die Münchener Rück seit mehr als 30 Jahren vor möglichen Folgen der Erderwärmung. Bereits 1974 stellte der Konzern den ersten Geowissenschaftler für das Kompetenzzentrum Geo-Risiko-Forschung ein, heute arbeiten 25 Mitarbeiter aus allen einschlägigen Fachrichtungen wie Meteorologie, Hydrologie, Seismologie, Geologie, Geophysik und Geographie in der Abteilung, deren Studien weltweit hoch anerkannt sind.

Sie versorgen nicht nur die Underwriter der Münchener Rück, die mit den Kunden – vor allem Erstversicherer - die Verträge aushandeln, mit geowissenschaftlichem Wissen. Als Know-how-Drehscheibe zwischen dem operativen Geschäft und der Wissenschaft sind die Experten der Geo-Risk-Abteilung auch für die Produktentwicklung des Konzerns unverzichtbar.

Die Kyoto-Multi-Risk-Police zeigt das beispielhaft. „Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase sind unser ureigenes Geschäftsinteresse", sagt Richard Wulff. Und so brüteten eine Hand voll Kollegen vor gut 18 Monaten erstmals über der Idee, ob es nicht möglich sei, für Projekte im Emissionsrechtehandel eine Versicherungslösung anzubieten.

Wulff konzentrierte sich zunächst auf Projekte nach dem in Kyoto verabschiedeten CDM-Mechanismus. CDM steht für „Clean Development Mechanism": Ein Unternehmen aus einer Industrienation, das in umweltschonende Technologie in einem Schwellenland investiert, erhält dafür Emissionsgutschriften. Das Problem ist nur: Wer garantiert, dass die Technologie in der Ferne wirklich ans Laufen kommt und die Investition sich damit lohnt?

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