Schiefergas
„Das Risiko ist beherrschbar“

Steigende Preise für Öl und Gas haben die Erschließung neuer Vorkommen beschleunigt. Darunter befindet sich auch das umstrittene Schiefergas. Doch wie groß sind die Umweltgefahren durch unkonventionelle Gaslagerstätten? Ein Interview mit dem Physiker Ingo Kapp vom Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam.
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Herr Kapp, immer wieder hört oder liest man von brennenden Gashähnen im Zusammenhang mit der Förderung von Schiefergas. Ist diese eine reelle Gefahr, die bei der Förderung des Rohstoffs beachtet werden muss?

Ingo Kapp: Sie haben wahrscheinlich den Film "Gas Land" gesehen, in dem diese brennenden Wasserhähne gezeigt werden. Dabei handelt es sich jedoch um ein generelles Problem, das bei jeder Gasförderung auftreten kann – und nicht nur bei Schiefergas. Bisweilen gelangt brennbares Methan auch auf natürliche Weise in das Grundwasser, etwa in der Nähe von Mooren. Generell muss man sauber arbeiten und ein ordentliches Qualitäts- und Risikomanagement beachten, dann reduziert sich die Gefahr, dass brennbare Gase als Folge einer Erdgasförderung aus dem Wasserhahn austreten können.

Was muss sich der Laie unter "sauber arbeiten" vorstellen?

Es existiert ein umfassendes Regelwerk, nach dem Bohrungen ausgebaut und gesichert werden – dies betrifft etwa die Zementierung des Bohrlochs, also der dicht abschließenden Verbindung der Verrohrung mit dem umliegenden Gestein. Die Einhaltung dieser Vorschriften muss ständig überprüft werden. Wenn dabei allerdings etwas schiefläuft, kann durchaus Erdgas in darüber liegende Bodenschichten gelangen und ins Grundwasser eintreten. Diese Gefahr ist bekannt, und wir sollten sie nicht verharmlosen, doch können wir uns dagegen wappnen – das Risiko ist beherrschbar.

Wie häufig tritt ein derartiges Problem auf?

Dabei handelt es sich nicht um ein Massenphänomen, in Europa kennen wir es eigentlich überhaupt nicht. In den USA kam es allerdings häufiger zu Zwischenfällen, weil dort in den 1990er und frühen 2000er Jahren sehr viele Bohrungen niedergebracht wurden – auch durch Firmen, die kein wirksames Qualitäts- und Risikomanagement einhielten. In Europa sind die Forderungen und Kontrollen strenger, das ist einer der Gründe, warum Bohrungen etwa vier Mal so viel kosten wie in den USA. Aber auch in den USA wurden die Qualitätsstandards und -kontrollen inzwischen deutlicher verbessert. In Deutschland und in anderen Ländern Europas hatten wir meines Wissens noch keine Fälle von Methan im Grundwasser durch Erdgasbohrungen

Die brennenden Hähne dienen also eher als dramatisches Element für die Berichterstattung? 

Methan kann generell auf natürlichem Weg in das Grundwasser und damit ebenso in normale Hauswasserbrunnen gelangen, etwa in der Nähe von Moorgebieten oder flachen Kohleflözen. Über brennende Wasserhähne wurden daher früher ebenfalls schon berichtet – vor der Schiefergaszeit. Es soll sogar Wasserfälle geben, die periodisch in Brand geraten. Diese Phänomene werden nun im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Umweltauswirkungen der Schiefergasförderung inszeniert, da sie sich in einem kritischen Film gut machen und Aufmerksamkeit erregen. Ich will die Problematik nicht verharmlosen, aber letzten Endes handelt es sich dabei nicht um ein spezifisches Problem der Schiefergasförderung, das sich zudem durch sauberes Arbeiten in den Griff bekommen lässt. 

Kommentare zu " Schiefergas: „Das Risiko ist beherrschbar“"

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  • @Gast

    Dihydrogenmonoxid (Abkürzung DHMO), aufgrund seiner amphoteren Eigenschaften (als Brønsted-Base bzw. -Säure) auch Hydrogenhydroxid oder Hydroxylsäure, ist ein chemisch korrekter, aber irreführender Name für Wasser (H2O). Es handelt sich bei diesem Wort um einen wissenschaftlichen Witz.- siehe Wikipedia!

    Sie wollen hier nur Leute hinters Licht führen, die von Chemie keinerlei Ahnung haben - mehr als unseriös!

  • Die größte Gefahr ist die nutzung von Dihydrogen-Monoxid beim Fracking.

    Als sogenannte ‚Hydroxylsäure‘ ist es ein Hauptbestandteil von saurem Regen.
    Es trägt zur Bodenerosion bei.
    Es trägt zum Treibhauseffekt bei.
    Es beschleunigt Korrosion und den Ausfall elektrischer Einrichtungen.
    Übermäßige Einnahme kann zu verschiedenen unschönen Auswirkungen führen.
    Längerer Kontakt mit DHMO in festem Zustand bewirkt schwere Gewebeschäden.
    Einatmen, schon in kleinen Mengen, kann zum Tode führen.
    Sein gasförmiger Zustand kann schwere Verbrennungen hervorrufen.
    Es wurde in den Tumoren von Krebspatienten im Endstadium entdeckt.
    Bei Süchtigen führt ein Entzug innerhalb von 168 Stunden zum sicheren Tod.

    Ungeachtet dieser schwerwiegenden Gefahren halten Regierung und Konzerne dennoch an dem verbreiteten Einsatz fest.“

    Es wird in Nuklearanlagen als effektives Kühlmittel eingesetzt.

    DHMO ist farblos, geruchlos, geschmacklos und tötet Tausende von Menschen jedes Jahr

  • Mobile Aufbereitungsanlagen für den Backflow?
    Da steht in den Gesprächsprotokollen zum exxonfinanzierten Expertenkreis doch die nette Aussage "Damit können Sie keinen Business Case mehr aufbauen" wenn man alles aufbereiten soll.
    Folglich wirds wie die bislang auch anfallende Lagerstättenwasser einfach in irgendeiner Hilfsbohrung versenkt. Versucht die Öllobby dann als Kreislauf zu verkaufen, auch wenn da 10 km Entfernung und 3 km Unterschied in der Tiefe zwischen Entnahme- und Verprersshorizont liegen...

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