Schwerster Tankerunfall der Geschichte
42 000 Tonnen Tod: Die Havarie der Exxon Valdez

Vor 20 Jahren lief der Supertanker „Exxon Valdez“ vor Alaska auf Grund. 42 000 Tonnen Öl liefen aus und verseuchten mehr als 2000 Kilometer Küste. An den Folgen des schwersten Tankerunglücks der Geschichte leidet die Region bis heute.
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CORDOVA. Am Horizont thronen die schneebedeckten Chugach-Berge. Das Meerwasser wirkt kristallklar, die Luft hat Kurortqualität, im Hafenbecken drehen Seeotter ein paar Runden. Im Sommer werden wieder die Touristen kommen, um Wale und Adler zu beobachten. Cordova scheint wieder das Paradies zu sein, das es vor dem 24. März 1988 war.

Kelly Weaverling nimmt ein Marmeladenglas vom Regal. Drinnen schimmert es nicht appetitlich rot oder orange, sondern eklig schwarz. Drinnen klebt Vergangenheit. Weaverling schraubt das Glas auf. Penetranter Ölgeruch steigt auf. „Ölreste, die wir heute noch finden“, sagt er. „Die Erinnerung an die Exxon-Valdez-Ölpest vor 20 Jahren.“ Auf dem Deckel hat er den Fundort notiert: Sleepy Bay, Prince-William-Sund. „Auch in diesem Sommer werden wir an unseren Stränden Öl finden.“

Weaverling gehört der „Orca Bookstore“ im 2500-Einwohner-Ort. „Ich bin Buchhändler und Buddhist“, so stellt er sich vor. Anfang der 90er-Jahre war der Mann mit dem Schnäuzer auch Bürgermeister. Es waren die schwersten Jahre nach der Tankerkatastrophe. Der Fischfang war zusammengebrochen, aber Geld gab es jede Menge – vom Ölkonzern Exxon, der die Folgen der Ölpest zu beseitigen versuchte. Einige Fischer in Cordova nahmen es und fuhren mit ihren Booten nun für Exxon raus, andere nicht. Das zerriss manche Familie und die ganze Gemeinde. „Einige Menschen haben sich damals aus Verzweiflung erschossen“, sagt Weaverling.

Hier in Cordova am Prinz-William-Sund im Süden Alaskas ist das schwerste Tankerunglück der Geschichte noch immer nicht vorbei. Die Schifffahrt, die Öltransporteure, sie haben seitdem dazugelernt. Die Folgen einer Ölpest für die Natur jedoch sind viel schwerwiegender, als Experten das je erwartet hätten. Und bald schon könnten Öltanker noch viel weiter in die Arktis vordringen.

Am 24. März 1989 begann für die Menschen in Cordova ein neues Zeitalter. Am Vorabend hatte die Exxon Valdez mit 163 000 Tonnen Öl den Hafen von Valdez verlassen. Dort endet die Alyeska-Pipeline, die Öl aus der Arktis zum Pazifik bringt. Vier Minuten nach Mitternacht rammt der Tanker das Bligh-Riff im Prinz-William-Sund. Um Eisbergen auszuweichen, hatte der Kapitän eine andere Route als sonst genommen. 42 Millionen Liter Rohöl ergießen sich ins Meer und verseuchen 2 400 Kilometer Küste. 250 000 Seevögel, Tausende Seeotter sowie Seeadler, Seehunde und Wale verenden.

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